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  Folgende Gedichte entstanden in der Zeit zwischen 1980 und 2005 

  „Von Gott aus gehet mein Werk.“ (Hölderlin)

    1.
Nicht klingen die Worte
so schön wie Gedichte.

Nicht immer fließen,
wie singende Bäche,
die Gedanken dahin.

Oft stößt sich der Sinn
an rauhem Gestein
der Unaussprechbarkeit -
tönende Stille dennoch bezaubert.

  2.  
Umsonst
Abschaum nennen sie die Menschen,
Pack, nennt sie die Bürgersfrau.
Asoziale, unsre Nachbarn,
Trunkenbolde, Hurenpack.

Ja, sie leben leicht und locker,
kümmern scheinbar sich um nichts.
Nicht einmal das Holz im Winter
kaufen sie - sie klauen ’s halt.

Morgens in der Frühe hört man
sie schon streiten; nachmittags
sind sie dann betrunken und auch
aggressiv zu jedermann.

Ihren Stolz und ihre Würde
nahm ihnen der Alkohol.
Hemmungslos, wie kleine Kinder,
macht sie so der Suff - umsonst.

Und den Rest geben die Nachbarn,
jeden Tag, mit einem Blick
der Verachtung, voll des Hasses
mordet sie die Menschlichkeit.
 

3.
4.022 „Der Satz zeigt seinen Sinn“
(Wittgenstein)  
1 Joh 4,8.16  

Ein klares Wort
ganz kurz und bündig,
ist wie ein Hort
unendlich fündig.
 
Du fragst dich: wie
und auch warum denn,
kann das sein? Nie
verstand ich Deins, wenn  

du mir freudig
wolltest sagen: ich
lieb’ und mag dich! -
Das aber zeigt sich.   


4. Eingehüllt

Es muß eine Leere geben
wortgeballten Stoffes in mir.
Es quellen nur Fransen hinaus,
die sind am Gedanken zerschnitten.  

Schließe den Mund, denn dein Atem
erdrückt dich am eigenen Sein.
Vielleicht, daß einer die Lumpen
aufsammelt zu herrlichem Kleid.  

Abendfüllend ist kein Gedicht.
Geladen als Gäste sind bloße
Wort und Alltäglichkeiten.
Der Abschaum trinkt meistens nur Sekt.  

Auf! Gehe und grüße den Morgen,
er allein bewahrt dir den Sinn.
Die Fahnen schlagen Vergang’nes.
Und wahre Liebe geht splitternackt.  


5. Die Dürre des Talgrunds

Sind wir denn ewig verdorben,
zu künden schöneres Wachstum?
Lautlos ohn’ irgendein Nachhall
müssen wir schweigend vergehn.  

Liebe! du schönere Sprache
hymnischen Wortlauts - versiegst du?
Will nimmermehr wallen der Bach
in dürstende Täler des Worts?  

Leer und begrenzt liegt das Bachbett
vertrocknet und steinern in sich.
Nur staubende Winde tönen
erinnernd an tosenden Klang. 


6.
EX-Haus

Über den Köpfen weint der Qualm,
schweißig, bis auf die Hosen.
Da fließen Leiber davon
Lichtgewogene Meere.  

Fleisch hängt an Fleisch dort herum.
Reservierte Tuchfühlung.
Geräuchertes hält sich. Man kennt sich.
Die Ärscher reiben sich wund.  

Glotzen, bis die Augen erbrechen.
Festgetanzte Jauche stinkt auch.
Weithin nur Eitelkeit.
Schönheit bespiegelt auf dem Abort. 


 7.
Joh 16,1
Jesus und mein Vater  
„Ich und mein Vater sind EINS.“ (Joh 10,30)
 
Niemals schlecht von Menschen denken,
egal, was dir auch widerfuhr,
ihnen dein Vertrauen schenken,
lieben!, JEDEN, auch den Aufruhr  

deiner eigenen Gefühle,
wenn Überwindung kostet
Ekel oder Herzenskühle,
wenn selbst dein Lächeln frostet,  

dann sei ganz, der einfach DU bist,
sei Mensch, sei Christus, sei ein Gott,
der JEDEN aufnimmt, wie er ist,  

denn jeder Gott geht auf’s Schafott,
damit der Mensch ganz selbst sein kann
und „größres tut“ als jener Mann.


8.
„...denk’ an mich...“ (Lk 23,42)
 
Aber Jesus starb nicht allein!
Der Vater, wo war der Vater?
Mit starben Verbrecher gemein.
Einem ward’ ER Berater.  

Ein Blick genügte. Jesus sprach:
„Heute wirst du mit mir frei.“
Ich weiß es, weil ER’s mir versprach.
Der Vater war nicht dabei!  

Dennoch bleibt mir ‘Gott’ ein „Herr“.
Wir aber sind mehr nicht als ‘Kind’.
Siehe: EINS sind wir! Doch - glaubst du dies?  

Mit mir auf MEINEM Kreuz starb ER.
Heute sind wir da, wo alle sind,
die jemals liebten: ... Paradies!

 

9.
Das Opfer der Witwe und der Trierer Weihnachtsmarkt
 
Die Straßen füllen sich noch einmal. Schnell
geht das Lächeln auch der Menschen.
Blasmusik ertönt. In die Nacht so hell
erleuchtet Bäume. Wein von Kirschen
duftet, neben fett’gem Pfannekuchen,
Allerlei. Die Menschen suchen ...

Dort, beim Marktkreuz, treffen wir uns täglich
in der Kälte, zu erzählen,
Abends. Ob ER ankommt bleibt unsäglich.
Doch alljährlich quält das Wählen
der Geschenke Menschen, die nicht wissen
abzugeben einen Bissen.  

Bethlehem liegt in Armenien.  

Heut’ noch käm’ ER an - wie jene Witwe
größ’res tat, als alle Reichen, -
bei uns. Herr, was sollen wir tun? Das Weh
ist übergroß, Herr, Menschenleichen
überall: zum Beispiel in Armenien. -
Ach gib’, gib’ uns deine Genien!
  

10.
  Das alte Haus (Venloerstraße)
 
Alt steht das Haus und verfallen -
kaum mehr sichtbar ist früherer Glanz.
Bedrohlich schon wölben die Wände
sich, wie der Dachstuhl, nach innen.
So steht es schon Jahr’ lang verlassen
von Menschen und nur noch der Wind
geht durch zerbrochene Scheiben.
Vergilbte Gardinen verdunkeln
den muffigen Raum. Von Gerümpel
voll steht verstaubt eine Ecke.  

Doch gehen die Menschen geschäftig
tagein an dem Hause vorbei
und keiner beachtet das Alte
in dem, zuweilen sehr einsam,
allein eine Erinnerung wohnt.
Und so verdunkelt der Mond auch
am Abend den Eingang. Unheimlich
stöhnt das Gebälk durch die Nacht,
und selbst die erleuchtete Gasse
abwendet sich dunkel und still.
  

11.
Schandholz

Ich bin das Holz, an dem ER hing.
Bevor die alte Welt verging
trug ER mich fort, zu jenem Ort,
an dem ein Mensch sprach: „Siehe dort:

dieser da, ist ‘Gottes’ Sohn.“
ER starb auf meinem Rücken.
Jahrlang trag ich ihn jetzt schon,
wann wird er mich entrücken?

Ein Blick genügte. Jesus sprach:
„Heute wirst du mit mir frei.“
Ich weiß es, weil er’s mir versprach.

Mit mir auf meinem Kreuz starb ER,
der heute ist - und war - mein ‘Herr’.
Der Vater, der war nicht dabei.
 

12.
Für Oskar Romero 

Aber das Alter entmündet!
Wer kann da noch weise sein?
Dennoch auf Toten begründet
die Macht ihr Angstdasein.

„Laß die Toten ihre Toten
doch begraben“, sprach ER einst.
Und, was sollen alle Voten
der EG, wenn du doch weinst,

über Hunger, Drogen, Mord,
denn was, was ändert sich durch sie? -
Geh den Weg der Heiligkeit,  

DORT nur findest du den Ort
jeder kreuzgebroch’nen Menschlichkeit.
Dort siehe, oder du glaubst nie! 


13.
Gedanken des hl. Franziskus 

Ich bin krank und das Leben.
Einst verfaul’ ich auf Wegen.
Im Radio spielen sie Funk -
doch ich bin daneben.  

Sag’ mir: WO, wo ist Heilung?
Oft verschiedener Meinung
sind Menschen am Bierausschank!
Wer aber IST Wohnung?

Wer ist „der, der ‘ich werde
da sein’, heißt“, mir, die Erde,
fruchtbar, und der Fels zugleich?

„ER habe keinen Stein, weich,
zu betten sein Haupt“, so
steht es doch - irgendwo!
 

14.
„ ... Um was ihr in meinem Namen
bitten werdet, das werde ICH tun ...“ (Joh 14,13)
 
Es ist „Zeit, daß man weiß“ und „Zeit,
daß es Zeit wird“ (Paul Celan).
Kein Pharisäer aber eilt,
zu helfen, wo Not ist - mit Elean,

auch wenn vor den Kirchen der Stadt
die Menschen krepieren!
Ja, die Kirche, sie verweilt schon satt,
SIE will ewig kommandieren,

als hätte JENER Mann niemals
ungeduldig oft „SOFORT“ gesagt,
als drängte ES uns nichts zu tun,
wie eine fremde Macht. DAMALS

lebte ER nicht nur. ER lebt auch NUN,
daß wir verkünden sein Jubeljahr
HIER und JETZT. Denn das ist wahr:
Wer bittet, dem wird nichts versagt!

 
 15.
Das mystische Erlebnis Jesu:
„... an dir habe ich Wohlgefallen.“ (Mk 1,11)

  Für Veronika
 
Wär’ Gottes Wort mir schon entfallen,
was gäb’ es da, zu sagen noch?
„... an DIR hab’ ich mein Wohlgefallen“, -
DAS bliebe mir zuletzt noch? - Doch!

Es bliebe mir, was ich erfahren,
das, was mich traf, bis auf mein Mark.
Sollte ich’s vergessen? - Bewahren
im Herzen, tiefbewegt und stark

erfüllt es einst noch meinen Tod.
„Ich liebe DICH!“ - das Schöpfungswort,
mit dem die Welt zuerst entstand,

das rettet über jede Not,
es ist die Perle, ist der Hort,
den ich fand - ... bevor ALLES schwand!


16.
Der wahre Götze - oder der reiche Fischer  

„Ich bin ein gottloser Mensch“, sprach Petrus einst
und wollte, daß ER ging - doch Jesus blieb,
denn DIES war IHM kein Unterschied! - oder meinst
du etwa: ER hätt’ „Ferne“ nicht auch lieb?

Gerade dieser Ausgegrentzen, bloßgestellt
von heuchlerischen Augen, Nähe,
suchte ER, damit der Erdkreis sähe,
was Gottes liebendem Blick gefällt:

Miteinandersein - ununterschieden,
denn trennende Wände zwischen DIESER Welt
und JENER gibt es nicht! - Dennoch gemieden

werden Menschen, wo des Reiches Nähe wird
verkündet, wie ER es tat. - Oftmals schnellt
eben noch ins Menschenherz der Götze Geld!
 

17.
„Denn da wir tot waren auf Grund der Sünden,
hat er uns mit Christus lebendig gemacht.“

  Auferstehung  

So starb ich mit IHM - durch die Sünde:
Innen war ich voll Totengebein;
außen, unfähig zu handeln.
Innen war ich mit ‘Gott’ selbst ALLEIN,

bis ER verstand, mich zu wandeln.
„Gräbern gleicht ihr, übertünchten“, -
doch wer mir nachfolgt, der verkünde
Befreiungen: - mein Jubeljahr!

DAS ist der Toten Auferstehung.
„Kehre um!“, denn ich bin mit dir,
seit Anbeginn der Vorsehung:

„Sieh um dich“, so bist du bei mir.
Denn dieser Schritt nach Ostern hin
umspannt des Himmels ganzen Sinn! 


18.
Dem
„... der um unseretwillen auch seines eingeborenen
Sohnes nicht geschont hat.“ (Friedrich Spee)

  „der, ‘ich werde da sein’, heißt“
 
Auflohdert des Scheiterhaufens Betörung.
„Verkostet, wie gütig mein Gott ist!“
Um unserertwillen hat er nicht verschont,
den, der DU bist. Aller Empörung

kann aber nicht stillen, daß der Himmel lohnt.
Hexen, die unschuldig, wie DU bist,
und ohne Fehl, sind heilsrelevant!
Denn auch SIE rissen ein jene Wand

zwischen gottlosen und gläubigen Seelen.
Sie alle starben, wie ER, für uns,
daß wir ERLÖST wären von uns’rem Fehlen.

So dauert göttliche Gnade an,
bis heut’ auch. Wir leben - sie starben für uns.
Pater Kolbe war auch so ein Mann.  


19.
Es gibt eine Sonne; ich glaube an sie,
auch wenn, hinter finsteren Wolken
verborgen, mein Blick sie, zu sehn, bekam nie.
Es IST ein Gott, glaubt Thomas Merton,

auch wenn BILDER seine Seele betörten.
Im Inneren der Seele „begegnen
wir dem ‘Ich-bin’ des Allmächtigen“. Leugnen,
IHN, können wir nicht, das wär’, wie wenn

wir uns selbst nicht mehr liebten - und tot wären.
Es gibt eine Sonne. Glaubst du denn?,
so sollst du dich selbst verleugnen und mehren

dein tägliches Sterben. Von Wolken
langsam verhangen nimmt dein ICH ab. Und Gott
wächst, gespiegelt am Stahl des Schaffott’.  


20.
  „Du sollst dir kein Bildnis machen“ (Ex 20,4) 

Christus
Vormals glaubte ich, du seist
so ETWAS wie ein ‘Vater’.
Doch Theologen glauben feist
an DOSEN. Auch Luther, Pater

vormals, glaubte „extra nos“
seist du, denn das Gegenteil
von ETWAS konnte ihm nur NICHTS sein, -
ganz wie Menschen sind vor ‘Gott’: wohlfeil

das Herz dem Herzen beraubt,
wenn nicht EINER DA IST. Der
errettet war nicht, wie ‘Gott’, verstaubt,

sondern ER war selbst lebendig! Wer
aber ist dieser, der von Sein
den Schein trennt? - Jesus, aller Bilder bloß!
  

21.
„Wir haben versagt, ... weil wir keinen Lebensstil entwickelt haben, der unserem SELBSTVERSTÄNDNIS als TEIL von Gottes Schöpfung entspricht.“
(Schlußdokument, Basel)

Für die Natur, unwiederbringlich,
verloren ging das Paradies,
durch unsre Schuld, irreversibel
sind die Schäden. – WIE, ewiglich, -
ist Heilung möglich? - Ich glaub dies:
mythologisch, unsensibel
denkt der Theologe Christi Heil,
die Fülle, sei vollkommen, weil
ER Anfang einer neuen Schöpfung,
zugleich auch aber paradox,
mit einem Zwischenschritt nur, wie beim Fox,
das Omega. - Doch verfänglich
ist das Argument, denn es beruht
mythologisch und vergänglich
auf einer ‘pars pro toto’ Glut. -
Doch bleibt der Mensch immer nur Teil,
auch, wenn ALLES Christus wird im Heil.
Es ZEIGT sich hier ein Widerspruch,
oder theologisch auch ein Bruch:
Der Mensch, ein Teil, ist ALLES schon
in Jesus Christus, Gottes Sohn,
und die Natur muß MENSCHLICH werden,
will sie Gottes Sohnschaft erben. -
Bewahre uns, Herr, vor Verwirrung! 


22.
„ ... denn kein Mensch sieht mich
und bleibt am Leben.“ (Ex 33, 40)

Vormals war es gefährlich,
so ohne weitres deinen Blick
aufzunehmen und ganz ehrlich
standzuhalten dem Geschick.  

Von Angesicht zu Angesicht
erschraken unsre Augen,
denn was wir sahen im Gericht,
ließ uns vor ‘Gott’ nicht taugen.  

Uns selbst sah’n wir im Herzen
deiner Liebe ineinander
stechen und des Lebens Kerzen
stutzen, wie den Oleander.

Aber jetzt sind wir gezeichnet,
nicht von Narben, sondern: arm
im Geiste, welcher keinen Harm
kennt - himmlisch ausgezeichnet!
 

23.
Vincent van Gogh
(Zum 100. Todestag 29.07.’90)
 
Er saß und regelte sein Leben
lang - Gedanken,
wie Farben der Sonne allein.
Einsam. Das Herz immer voller ...

Not! Ein Leben. -
„Licht“ aber ... „war. Rettung.“ 


24.
Deutsch für Aussiedler

Selten so voll -
war mein Kopf. Überfordert?

Das Adverb ist nicht
zu bestimmen: hier.

Dagegen sagt „-los“,
was nicht da ist:
lieblos, grundlos.

Einsam,
„... tritt relativ selten auf.“ -

Allein in der Grammatik!
 

25.
Hl. Thomas

Auf der Schwelle küssen sich,
nicht drinnen und nicht draußen,
eher fast, wie im Vorübergehn,
poetisches-profanes.

Das Eine haucht den Geist,
erträglich werdend, dem
anderen zum Leben. Fühlend
daraufhin das GANZE wird.

Eng, eingebunden aber,
kurz, wie die Erinn’rung reicht,
bleibt Glückes Leben nur
von Angesicht zu Angesicht.  

Du selbst siehst,
oder du glaubst nie!  


26.
Tod
 
Noch flatterte die Mücke. Schneller
war dein Griff. Kein Blut.
Nur Staub, in deiner Hand -
zerstoben. Auch du. 


27.
Im Astarix
 
Warst aber du
unsicher selbst als
ihr eintratet still
am Eingang zögernd,
scheu die Blicke
aufnehmend hier,
ob einer bemerke
dich mir ihr?

Gewiß. Die Blicke
kollidieren. Euch
wird anders, denn
ihr wißt nicht zu-
einander, selbst-
verständlich, zu stehn.
Ihr, euch selbst
anblickend, unsehend. 


28.
„Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. (2 Kor 4,13) 
  Ein und alles   „Von Gott ausgeht mein Werk.“ (Hölderlin)

Es gibt einen Frieden -
überall und sofort.
Der Ort aber bist DU,
wo du sein wirst - ist ‘Gott’.  


29.
Simon von Cyrene 

Tagwerk machtest du, mehr nicht.
Du halfst die Last zu tragen,
menschlich. In dem Angesicht
von Schweiß sind keine Fragen.

Augenblicklich brach dein Blick.
Du sahst, was alle sehen:
viel geschundenes Geschick -
ein Hilfsarbeiterleben!

Wer half dir? Es war ein Mensch.
Simon von Cyrene kam
vom Feld, als er Dein Kreuz annahm.
Ein Helfer, er, doch kein Dispenz!
  

30.
„ ... weil sie viel geliebt hat.“ (Lk 7,47)
  Für Maria Magdalena
 
Warum gehst du unter Menschen
immer - und bist nie daheim?
Gott allein ist „ipsum esse
subsistens“. Nichts ist geheim!

Darum ist ‘Gott’ rein asozial
für sich und keine ‘Liebe’!
Doch Jesus war da ganz normal,
ein Mensch und hatte Triebe.

ER ging zu jedem - auch zu dir.
Das ist der Witz der Wüste:
Hinein ging er, zurück zu mir
kam er, weil er dort büßte.

So gesehen ist die ‘Hure’,
tun WIR die Liebe, göttlich.
Dennoch gilt sie als obskure,
ganz, wie ich bin, - unchristlich.  


31.
Gebrauche modernere Bilder,
wir sind total entsetzt!
Niemals war aber wilder
die Welt als jetzt.
Aller Sinn liegt zerfetzt.
Zuletzt bleiben Heiligenbilder.
Du wirkst aber gehetzt. -

Unglaublich milder ...
  ... Hölderlins späteste Bilder.


32.
Ja, mein Vater war ein Ausländer
im Land der Pharaonen.
Er trug blutzerlumpte Gewänder -
Sklaven muß man nicht schonen. 

Rechtlos, ohne Wohnung, arbeitslos,
geschunden als ein Fremdling,
trägt er jetzt sein Elend namenlos.
Sein Sozialgeld zu gering!  

In Hoyerswerda ist sein Grab
in Flammen aufgegangen.
Geschändet werden Friedhöfe.  

Wo bleibt das Wort der Bischöfe?
„SOFORT“?  Hat angefangen
sein Reich? - Ob Gott Schuld je vergab? 


33. Ihr ergebener Scardanelli

Dir, Guter, sag ich die Wahrheit:
denkunmöglich ist der Sinn!
Was aber, in Zufriedenheit,
lies dich schaun von Anbeginn?  

Zwar, sagtest du, nicht Beschreibung
sei der innren Liebe Ziel,
doch tönt in stiller Dämmerung
oftmals uns ein Domizil.

Das zu sehn, wuchs dir ein Auge
innerlich, von Herzen, groß.
Aber, ob es dazu tauge,
wußtest du, nicht fassungslos.

Die Form ist also der Sinn
unaussprechliches Leben.
Dies erfuhrst du und gingst hin:
beschaulich und froh - ergeben.
 

(Trier, den 29.11.15: In Gedenken an meinen Vater) 


  


Sanft und friedlich
schlief mein Vater,
Peter Verbeek (Jg. 1927),
gestern lebenssatt
nach längerer Krankheit,
die seine Lebensfreude
nicht trübte, ein.
Er lebte selbstbestimmt
bis in den Tod hinein. -

Wir aber trauern um ihn.
Eine Weile. Bis dann. -

Mit seinen letzten Worten sagte er mehrmals:
"Sofort, so schnell wie möglich
nach Haus."

(Trier, den 26.11.2015)



Das äußerst bornierte Statement der österreichischen Innenministerin am gestrigen Tage, "man müsse Europa sehr schell zu einer starken Festung ausbauen" (vgl. ZDF), ist der unzivilisierte Gipfel der Inhumanität. Wahrscheionlich war die arme Frau noch nie im Ausland, außerhalb ihrer Heinmat. Wahrscheinlich hat sie den kleinen, romantischen Ort namens Schengen noch nie besucht. Wahrscheinlich ist sie ziemlich verblendet von wilden Computerspielen, die strategisch einüben sich durch Wehrmauern ganz wie im Mittelalter einzuigeln. Österreich-Ungarn, auch das war schon einmal eine konservative Monarchie, zu der sich auch ganz gut der Freistaat Bayern rechnen könnte. Soll Horst Seehofer doch seine (!) CSU- "Minister in Berlin abziehen", wenn er meint. - Hier geht nicht nur die gute Bildung flöten, sondern auch die Moral und der Anstand.
(29.10.15)
 

Es bedarf keines großen Verstandes, um zu sehen,
dass am 28.10.1962 der große Freund der Welt nicht John F. Kennedy gewesen ist, der seiner Armee schon Abschussbefehle gegenüber russischen Flugzeugen und Schiffen vor Kuba gegeben hatte, sondern der damalige sowjetische Mininsterpräsident Nikita Chruschtschow, der als erster sehr verständig einlenkte, um eine atomare Konfrontation zwischen den Ost-West-Supermächten zu verhindern. Ihm sei dafür gedankt! - Besonders auch und gerades deshalb, weil die Welt schon wieder vor eskalierenden Stellvertreterkriegen zu stehen scheint.
(29.10.15)   



Was für eine überwältigende Logik:
Der deutsche Innenminister de Maiziere sagte vor der Presse sinngemäß, dass die Bundesrepublik  „mit der der afghanischen Regierung einig sei, dass die Jugend Afghanistans und die Mittelschichtfamilien in ihrem Land verbleiben sollen und dort das Land aufbauen". Denn, so der Minister weiter, die Bundesrepublik habe durch deutsche Soldaten und Polizisten zur Sicherheit in Afghanistan beigetragen und es sei viel Entwicklungshilfe in das Land geflossen. So könne man erwarten, dass die afghanische Bürger/innen auch in Afghanistan bleiben würden – und nicht nach Deutschland fliehen würden.
Ja, man kann auch von einem deutschen Minister fordern, wenn er so offensichtlich überfordert ist, dass er still und heimlich zurücktreten würde von seinem Amt, so wie er gleichermaßen erwartet, dass die afghanischen Flüchtlinge doch bitte schön in ihrem Land verbleiben sollen, selbst wenn die Taliban dort weiter bomben und morden – und das vor allem auch in Kabul, das seinerzeit von deutschen Soldaten gesichert worden war. -
Nun: Den Rücktritt des Ministers kann man deshalb fordern, weil die deutschen Steuerzahler nicht wenig Geld in den Unterhalt ihrer Minister/innen und in die Geschäftsmäßigkeit des gesamten Parlamentes stecken.
Wem so wenig Realitätsbewusstsein in seinem öffentlichen Ausdruck über die Lippen kommt, wie dem Minister in seiner unsäglichen Forderung, dem kann man auch eine Kur, die die deutsche Krankenkasse sicherlich bezahlt, anempfehlen. Das tut sicherlich so gut, wie es gut tut, wenn man sich und seine Familie in Sicherheit weiß. - Wer hilft dem armen Kerl? Und wer hilft den afghanischen Flüchtlingen?
(28.10.15)

Partei ergreifen: Ich frage mich seit 45 Jahren, weshalb zwischen Israeliten und Palästinensern eigentlich kein Frieden möglich sein können sollte? - Es ist zum Verzweifeln, denn man kann ja nicht wirklich abwarten, bis die Friedensunwilligen auf beiden Seiten sich gegenseitig bis auf den letzten Mann ermordet haben werden!? Und dennoch müssen die Friedensunwillen auf beiden Seiten besiegt werden. - Anders wird es nicht gehen.
(28.10.15)



Eins, zwei suffa …:  Obwohl es noch ein paar Tage dauert bis die Narrenzeit am 11.11.‘ um 11.11 Uhr beginnt, scheint man in Köln geradezu so schräg zu sein wie der Erzbischof Wölki, der allen Ernstes behauptet, er trinke am liebsten Düsseldorfer Altbier, statt - seinem Amt gemäß in Köln - ein Kölsch zutrinken (vgl. RP). - Nun denn!
Dass aber ab Ende Oktober keine Fernbusse mehr in die Innenstadt nach Köln fahren dürfen, ist schon einen Wagen beim nächsten Narrenzug in Kölle wert. So sollen nämlich stattdessen im ca. 28 Kilometer entfernten Flughafen Köln/Bonn alle Fernbusse anhalten, von wo aus die Köln-Reisenden dann sehen müssen wie sie in die Innenstadt kommen können. Man fühlt sich hier an die Werbung des Flughafen Frankfurt/Hahn erinnert, wobei hier noch nicht einmal eine Bahnstrecke Frankfurt a. M. mit Hahn im Hundsrück verbindet.
Es ist daher nur zu verständlich, dass Busunternehmen in Köln gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts klagen, nur weil der Kölner Stadtrat beschlossen hatte, dass viel zu viele Busse in die Kölner Innenstadt hineinführen. Man kann nur hoffen, bei der nächsten Instanz auf verständige Richter zu treffen, die einen Blick auf die Gleichberechtigung öffentlich-allgemeiner Verkehrsmittel nicht vergessen haben und daher das derzeitige Urteil revidieren, um so einerseits ein Zeichen gegen den zunehmenden Individualverkehr zu setzen und andererseits Chancengleichheit zwischen Bus und Bahn zu gewährleisten. Alles andere wäre nicht nur ein Düsseldorfer-Altbierchen in Köln wert, vielmehr sollten die Kölner sich dann einmal ein Vorbild an den Düsseldorfern selbst nehmen, wo der Busbahnhof letztendlich in der Nähe des Bahnhofs gebaut wurde, um möglichen Anschluss zu ermöglichen. – Man kann es ja kaum aushalten! Und das ist ziemlich untypisch für die Karnevalszeit am Niederrhein.  
(28.10.15)



Dem Programm gemäß ver-rückt: Will man Frank Jöricke, einem gebürtigen Trierer, Glauben schenken (vgl. seinen Artikel: Was soll das Theater!?, TV, 16.10.15) , so bräuchte die aus seiner Sicht „wunderliche Stadt“ vor allem „Soziologen“, die ergründen sollen, warum in Trier „alles verspätet geschieht“ (ebd.). Vor diesem Hintergrund offenbart die Unterüberschrift seines Artikels ihre Sinn: „Warum der neue Trierer Intendant Karl M. Sibelius – mit 40 Jahren Verspätung – provozieren muss (sic!)“ (ebd.). – Das erstaunliche an dieser Formulierung ist allerdings der Gebrauch des brutalen Zwang-implizierenden „muss“, so als müsste hier eine gewisse Notwendigkeit suggeriert werden, der auch der neue Intendant unterlegen wird sein müssen.
Im den Vordergrund seines Artikels stellt Frank Jöricke daher einen Vergleich zwischen den Provokationen am Trierer Theater während der 60-ziger Jahre des letzten Jahrhunderts und der Verlagerung des allgemeinen und daher populistischen, kulturellen Interesses hin zu den Hollywood-Erfolgen der neuen „Lichtspielhäuser“ (ebd.) zur gleichen Zeit. Hier waren die Provokationen nachhaltiger und publikumswirksamer, weil im Kino „Millionen von Menschen“ (ebd.) erreicht werden konnten. Insofern hielten sowohl die damaligen Kinomacher den Zuschauern einen gesellschaftlichen „Spiegel“ (ebd.) vor, ebenso wie es heuer der neue Trierer Theaterintendant Karl Sibelius in Trier angekündigt hatte, „der Gesellschaft einen Spiegel“ vorzuhalten, sei das „ver-rückte“ Programm der Zukunft unter seiner Leitung.
Und in der Tat honoriert das Trierer Publikum diesen Schwank nach Art eines Till Eulenspiegels ziemlich angemessen: Es verlässt Reihenweise die Vorstellungen der Theaterinszenierungen „Moliere“ und „Fidelio“, weil es sich nicht unterhalten, sondern nur provoziert fühlt, wenn die Schauspieler sich z.B. in bunter Farbe suhlen oder am Gummi-Pimmelchen rumspielen müssen. - Das sieht doch erneut nach einem kleinen Provinz-Skandälchen aus - möchte man meinen! Doch: Weit gefehlt!
Denn es hilft hier auch nicht der Hinweis von Frank Jöricke, gegenüber der cinemastischen Vormachstellung müsse das Theater nun „in die Schlagzeilen“ kommen, „egal wie“ (ebd.). Der brave Bildungsbürger müsse – damals wie heute – „geschockt, verstört, verprellt“ (ebd.) werden, damit das Theater noch als „Theater“ Aufmerksamkeit erheischen könne. Nach Meinung von Frank Jöricke verfolge nun auch Karl Sibelius diesen Ansatz – seiner Meinung nach sogar zu Recht, wenn gilt, dass er „provozieren muss (sic!)“ (ebd.).
Spätestens an dieser Stelle wird man aber, sowohl als Leser des Artikels als auch als Besucher der neuen Theateraufführungen in Trier, fragen dürfen, ob es hier keine Alternativen gegeben hätte: Sowohl zu Karl Sibelius als neuen Intendanten als auch zu den Inszenierungen der beiden Stücke? Und beide Fragen müssen mit einem eindeutigen JA beantwortet werden!
Wer mit „40 Jahren Verspätung“ (ebd.) nach Trier kommt, dem wird das scheinbar so provinzielle Publikum in Trier ebenfalls den Spiegel vorhalten: Und was es dort zu sehen gibt, ist schichte Psychoscheiße!          
Wie muss „man“ eigentlich darauf sein, wenn man glaubt, das Trierer Publikum bräuchte dererlei stumpfe Provokationen in der heutigen Zeit? Hier bedarf es keineswegs wissenschaftlicher Spitzen-Soziologen, die am Trierer Publikum vermeintliche, empirische Forschungen betreiben müssten, sondern hier bräuchte es eher einige Psychologen mit gesundem Menschenverstand, die dem Publikum einmal erklärten, weshalb sowohl der neue Intendant als auch Teile der Presse der irren Meinung nachhängen, das Wesen des Theaters läge in bloßer Provokation, statt zu kritisch zu unterhalten, um heutzutage genügend gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu erhalten?
Das unterstellte Vorurteil lautet hier nämlich: Das Trierer Publikum sei – weil es provinziell ist - zu blöde, weshalb es nachträglich provoziert zu werden verdiene. - Hier verwechseln die programmatisch „Selbst-ver-rückten“ Trierer Macher jedoch die Intension kritischer Aufklärung, die heutzutage sehr wohl gewollt ist, mit verkannter (- weil ihrer Meinung nach immerhin 40 Jahre nachzuholender) „Selbsterfahrung“, die allerdings so verstanden ein Fall für bloße Psychos ist, da sie sich auf die Macher selbst bezieht. Es ist auch in Trier nicht alle Tage Halloween. – Das könnte man ohne Zweifel auch wissen – selbst, wenn man nicht aus Trier kommt! Mit anderen Worten: Warum sollte nicht vielmehr das Programm, die Inszenierung der Stücke und die dahinterstehende Theaterideoologie einfach nur schecht sein?
(28.10.15)  


Der Befangenenchor: Es ist ziemlich typisch für die Einstellung von Sportmanagern, insbesondere von Managern des DFB, dass die meinen, wenn sie sich zu einem großen Fanclub zusammenschließen und einmütig Stimmung machen, dann könnten die „Unparteiischen“ zumindest beeinflussen. So geschieht es derzeit in Bezug auf den Skandal um die vermeintlichen schwarzen Kassen des DFB während der Vergabe der Fußball-WM 2006. Da melden sich scheinbare „Ehrenmänner“ aus Bayern, die ihrem „Kaiser“ das unbedingte Vertrauen aussprechen, ebenso wie die Spitzenverantwortlichen der Nationalmannschaft, allen voran der Manager O. Bierhoff. Dass er selbst aber unter Umständen Teil des Problems ist, wird verschwiegen, obwohl man ihn mit allen Organisationsverantwortlichen breit lächelnd auf einem Werbefoto mittendrin sehen kann, nachdem Verträge abgeschlossen worden sind. Vor diesem Hintergrund ist es nahezu lächerlich, wenn plötzlich involvierte Profiteure der Fußball-WM per Mehrheitsentscheidungen über Recht und/oder Unrecht der Vorwürfe abstimmen wollen. Selbst FIFA-Ethikkommission ist diesbezüglich nicht wirklich unabhängig. – Hier hilft eigentlich nur eine unabhängige Staatsanwaltschaft, wenn sie es denn sein können will. – Alles andere ist Karneval.  
(26.10.15)    


Den Schlussstrich ziehen:
Es naht die Stunde der Wahrheit. So, wie es aussieht, wird die Bundesrepublik bilanzieren müssen und unter Umständen eine völlig neue Ausrichtung ihrer Politik beschließen müssen. Das gilt sowohl intern als auch in Bezug zu Europa und erst recht international. Unter Umständen wird man sagen müssen: "Guten Tag und Aufwiedesehen!" Das absolute Kriterium für weitere Zusammenarbeiten wird ein ethisches sein müssen und nicht - wie derzeit - wirtschaftliche Lobbyistenarbeit. Es geht um die Umsetzung einer Zivilgesellschaft auf der Grundlage der Bürger- und Menschenrechte. Mit mitmachen will, soll eingeladen sein - egal ob Flüchtling oder nicht. Alle anderen haben in so einer "polis" (vgl. Platon, Der Staat) nichts zu suchen - so bitter diese Einsicht auch sein mag. Auch von so manchen Politiker/innen wird man sich trennen müssen, wenn sie Verantwortung für die derzeitige Situation national, europa- und weltweit tragen - u.U. auch gegen ihren expliziten Willen. Mit dem demokratischen Sozialismus, d.h. mit einer Demokratisierung auf allen Ebenen muss Enst gemacht werden. 
(26.10.15) 



Gegen das Gejammer der europäisch-konservativen Kräfte:
Ganz offensichtlich verwechseln die Parteisoldaten W. Schäuble und H. Seehofer ihre kleine parteiinterne Welt in Dosen einerseits mit der richtigen Positionierung der Bundesrepublik in der Flüchtlingspolitik und ihrer Einbettung weltweit in die Menschenrechtsdebatte andererseits. Wer nicht unterscheiden kann zwischen dem Unmut einiger ewig uneinsichtiger CDU/CSU-Genossen und deshalb eine Kurskorrektur der Bundespolitik fordert, dem ist der rechte Maßstab für seine Politik abhandengekommen. Wenn beide die notwendige Einsicht in die übergeordnete Menschenrechtsdebatte zeigen würden, (was sie zwar rein verbal suggerieren, aber de facto in ihren Handlungsvorhaben vermissen lassen), dann würden sie nicht beklagen, dass ihre Rechtsaußenpartei CDU/CSU vor einer „Zerreißprobe“ stehe, sondern sie würden ihre paar Mitglieder zurechtstutzen und ihnen gehörig ins Gewissen reden, um eine breite Basis für die bundesdeutsche Haltung in der europäischen Flüchtlingsdiskussion einnehmen zu können. – Doch genau das wollen sie nicht, obwohl sie der Regierungskoalition angehören. Eigentlich ist das eine parteiinterne Sabotage, die politische Konsequenzen erforderlich machen sollte. Hier tut die Presse im Übrigen das ihre zu dieser Schieflage in der Prioritätenbestimmung: Es geht hier um die Meinung einiger weniger in einer bloßen Regionalpartei (CSU), die parteiintern allerdings gehörigen Druck auf die sog. Schwesterpartei (CDU) ausübt. Das alles interessiert aber genau so wenig, wie es diesbezüglich interessiert, ob z.B. innerhalb der Linken alle möglichen Strömungen im Bundestag für oder gegen die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel votiert haben. Gegenüber einer gelingen müssenden Integrationspolitik gibt es keine Alternative! Und genau vor diesem Hintergrund muss bewertet werden, welchen Sinn und Zweck solche in der Presse hochlancierten Berichte haben. Nicht umsonst wollte Platon die „Mythendichter“ seiner Zeit aus der idealen, weil gerechten, Polis verbannt wissen. – Wohlgemerkt: Nicht die Flüchtlinge als potentielle Bewohner eine staatlichen Gemeinschaft (polis) sollten vertrieben werden, sondern die völlig unpolitischen, weil den Menschenrechten (hier: Gerechtigkeit) zuwiderhandelnden „Journalisten“, die unmögliche Politiker hoffieren, um Zwietracht zu säen. - Nochmal: Es geht hier um „Pillepalle“ einer Regionalpartei, deren Mitglieder anständig erzogen gehören, einschließlich ihrer bierseligen „Anführer“, und eben nicht um die Positionierung einer Politik, die sich an den vorhandenen Menschenrechten orientiert, trotz selbst eines Gegenwindes aus vielen europäischen Ländern, die gleiche Werte teilen sollten, aber es de facto nicht tun, ebenso wie einige Teile der CDU/CSU. - Während uns schon das reale Schicksal der vielen Flüchtlinge Leid tut, tut uns die intellektuelle Haltung der Rechtsaußenableger (nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ungarn, Polen, Slowenien, der Tschechoslowakei und einiger baltischer Länder) demgegenüber mehr als Leid: Karl Marx würde sagen, hier hülfe nur noch „Opium fürs Volk“ – und genau das Verteilen derzeit weite Kreise der Konservativen Kräfte in Europa. Das sind elende Demagogen. – Hier braucht es klare Köpfe.
(25.10.15)

Schnellst möglich: Wer Flüchtlinge erfrieren oder verhungern lässt, ist ein Mörder! Wer ihnen seine Hilfe versagt und meint, sie könnten "verrecken wie die Fliegen" oder im Wasser ersaufen, der ist ein Mörder! Regierungen, die dies zu verantworten haben, weil sie ihre Grenzen schließen, gehören vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag. - Ohne wenn und aber!
(19.01.15)


Wenn Geld arbeitet ...:
Es stellt sich die Frage, weshalb den „Kunden höhere Strompreise drohen“ (RP, 15.10.15, S. B1)? Die Antwort lässt sich einem Artikel in der Rheinischen Post zufolge sehr kurz zusammenfassen: Obwohl der Strompreis an der Börse beständig gesunken ist, wird  - aufgrund der bundesdeutschen  Ökostromfestpreisgesetzgebung -  die Differenz zwischen dem frei gehandelten Börsenpreis und der festgelegten  Ökostrompreisgarantie voll ausgeglichen. Diese sog. EEG-Umlage trägt zu dem paradoxen Umstand bei, dass „durch die starke Wind- und Solarstromproduktion der Börsenstrompreis weiter gesunken ist – und vor allem deshalb steigt die EEG-Umlage“ (RP, ebd.), Dies kritisieren nicht erst seit heute vor allem Verbraucherschutzverbände. Denn die Stromkonzerne geben ihre durch die niedrigen Börsenpreise erzielten Preisvorteile nicht an die (Privat-)Kunden weiter, wodurch der Profit für die Konzerne übermässig stark gestiegen sei – ebenso wie die Strompreise für die Kunden, die von den hochgepriesen freien marktwirtschaftlichen Mechanismen eben nicht profitieren, weil hier die überwunden geglaubte Planwirtschaft der EX-DDR vorherrscht. Nun Argumentieren die Stromkonzerne, sie müssten schließlich den politisch gewollten Umbau von Atom- auf Ökostrom durch neue Investitionen ausschließlich bezahlen. Dieses Argument stimmt aber nicht, denn bezahlen tun die Kunden. Man möchte sich deshalb  wohl auch fragen, weshalb die Kunden dann nicht auch Mitbesitzer der erneuerten Stromkonzerne seien, um dadurch mehr Mitspracherechte zuhaben, was Strom den kosten dürfe, um auskömmlich und für jedermann erschwinglich sein zu können? – Es hilft nicht: Die Stromkonzerne gehören allesamt verstaatlicht. Denn selbst wenn eine Expertenkommission des Wirtschaftsministeriums errechnet haben sollte, dass die angesparten Vorsorgemilliarden der Stromkonzerne für den Atomausstieg, den sie bezahlen müssen, mit ca. 47 Milliarden Euro ausreichend sein sollte – was füglich bezweifelt werden kann, denn noch nie habe ich gehört, dass eine behördliche Kostenkalkulation nicht explodiert sei und sie verdoppelt oder verdreifacht habe – kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Konzerne ich nach und nach als Insolvent deklarieren, wodurch die börsennotierten Reditebezieher ein schönes Geschäft gemacht haben werden, die aktuelle Belastungen dann aber wiederum von den Steuerzahlenden (Privat-)Kunden bezahlt werden muss. Nach Adam Riese haben die Kunden dann aber zumindest doppelt bezahlt, während die Konzerne zumindest doppelt verdient haben. – Warum also die Ungleichbehandlung? Ganz offensichtlich verschläft die Politik – auch wenn sie sich links, wie Teile der SPD u.a. sich nennen – hier ihren Handlungsspielraum. – Jawohl: Narrenfreiheit für alle, die politische Verantwortung tragen.
(18.10.15)        

Zu dumm, dass Umkehrschlüsse (leider) auch falsch sein können: So titelt die Rheinische Post in ihrer Ausgabe vom 15.10.15 in einem Artikel von Martin Kessler: „Früher war fast alles schlechter“, um dem Leser dann allen Ernstes zu suggerieren, „die heutige Welt ist die friedlichste in der Geschichte der Menschheit“ (RP, 15.1015, S. A2, ebd.). „Die Gefahr, durch Kriege und Verbrechen umzukommen, war noch nie so niedrig wie heute“ (RP,ebd.), schließt der Autor in einer eigenen Überschrift. - Nun wird man konstatieren müssen, dass es wohl weltweit noch nie so viele gebildete Menschen wird gegeben haben als eben heute – und dennoch muss man feststellen, dass dialektisches Denken bis heute auch nicht jedermanns Sache ist, besonders aber nicht von Journalisten: Denn wer dermaßen grobschlächtig verallgemeinert, dem ist nicht mehr zu helfen. Dagegen wissen die Flüchtlinge, die aus Syrien zu uns kommen, dass die Wahrscheinlichkeit im Bürgerkrieg vor Ort umzukommen und ermordet zu werden, bei weitem nicht „so niedrig war wie heute“ (RP, ebd.). Dass die „heutige Welt die friedlichste in der Geschichte der Menschheit ist“, wie die Rheinische Post analysiert zu haben meint, ist – wenn man dialektisch zu Denken gelernt hat – eben genau in Syrien (und anderswo, wo Kriege und Gewalt herrschen) zu nahezu hundert Prozent falsch! Man fragt sich doch einerseits, warum die Menschen aus den Bürgerkriegsgebieten und Wirtschaftselendsländern zu Millionen fliehen, um bei uns leben zu dürfen? An dieser völlig unspezifischen Bezeichnung kann man schon erkennen, dass es hier nicht um konkrete Gesellschaftsverhältnisse, konkreter Individuen geht, sondern -, wenn andererseits gelten soll, dass „die Menschen (sic!) einen noch nie dagewesenen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung, der Bildung und ihrer Gesundheit erleben“ (RP, ebd.). Hier wird stillschweigend in einem Satz das Subjekt der Beziehungen ausgetauscht, indem völlig unbedarft von einer Region (in dem Bürgerkrieg und Zerstörung und folglich auch Elend herrscht) in eine andere Region gewechselt wird (- in der nun plötzlich „Gesundheit“ Platz haben soll). Diese Art und Weise der Argumentation nennt man seit Aristoteles allerdings eine „metabasis eis allo genos“, d.h. ein Wechsel in ein anderes Gebiet, was logischerseits als ein Fehler zu werten ist.
Wenn dieser Fehler allerdings unbemerkt bleibt, dann ist es ein leichtes von der Aussage, „Früher war fast alles schlechter“ (RP, ebd.) auf die folgende Aussage umzuschwenken, „‘der Rückgang der Gewalt dürfte die bedeutsamste und am wenigsten gewürdigte Entwicklung in der Geschichte der unserer Spezies sein‘“ (RP, ebd.), wie der Verhaltensforscher Steven Pinkler, der hier zitiert wurde, glaubt, feststellen zu müssen. - Ja, aber eben nur, wenn man einseitig auf der Sonnenseite des Lebens steht und völlig davon abstrahiert, dass es eben noch eine andere Region gibt, in der Menschen zu Leben gezwungen sind, die der konkreten Gewalt eines Bürgerkrieges u.v.m. ausgesetzt sind. Doch wie zynisch muss vor diesem unkritischen Denken, das soeben von mir beschrieben wurde, der Satz lauten: „Besser als jemals zuvor in der menschlichen Geschichte haben sich haben sich auch Einkommen, Gesundheit, Lebenserwartung und Bildung in unserer Gesellschaft (sic!) entwickelt“ (RP, ebd.). – Ja, man fragt sich schließlich, sind die Menschen denn zu dumm, um diese Errungenschaften menschlicher Humanität erkennen und würdigen zu können? Allerdings! Solange unklar bleibt, worauf sich der Ausdruck „in unserer (sic!) Gesellschaft“ (ebd.) bezieht, bleibt dem fehlerhaften, weil unbedingten Schließen, Tür und Tor geöffnet, weil logischerseits aus einem falschen Schuss „alles“ folgen kann: Eben auch Wohlstand und Gesundheit, wo faktisch Krieg und Elend herrscht.
Hätte der Autor auch nur ein kleines Bisschen Karl Marx gelesen, er wäre diesen polarisierenden Fehlschlüssen nicht erlegen: Hier hilft es auch nicht, am Ende des Artikels auf den „Wirtschaftsforscher Deaton“ (RP, ebd.) zu verweisen, der meint, dieser „Erfolg […], hat freilich seinen Preis“ (RP, ebd.). Der angesprochene „Preis“ bestehe in einer beständig zunehmenden „Ungleichheit“ (RP, ebd.) zwischen den Lebensbedingungen der Menschen untereinander. Die Schere zwischen Arm und Reiche gehe weiter auseinander, denn „die oberen zehn Prozent [der Menschen weltweit, J.V.] besitzen rund 80 Prozent des globalen Geldvermögens. Das berge Sprengstoff, warnt Deaton“ (RP, ebd.). – Allerdings würde ich sagen! Doch dieser Sprengstoff wurde mustergültig von Karl Marx analysiert, von dem in diesem Artikel keine Rede ist. Und darüber hinaus kann man noch J.-J. Rousseau verweisen, der eigens ein Buch über den Unterschied zwischen den Mensch verfasst hat. So erschüttern uns folgende Sätze überhaupt nicht: „In den USA profitierten (sic!) seit über 40 Jahren nur die Reichen vom wirtschaftlichen Reichtum“ (RP, ebd.). - Das erstaunliche an diesem Satz ist nicht der übergroße Profit der Reichen in den USA, sondern die Verwendung des Präsens in diesem Satz, statt – wie zu erhoffen gewesen wäre, wäre die Politik auf Draht, was sie eben bis heute nicht ist – die Verwendung des Perfekts als Ausdruck einer abgeschlossenen Vergangenheit. Das ist aber ganz offensichtlich nicht der Fall. Und deshalb besteht „das Recht des Volkes auf Revolution“ weiterhin, wie der Schüler Kants, Johann Benjamin Eberhard, schon 1795 formulierte (vgl. meinen Artikel weiter unten). – Alles andere wäre blubb und blubber. Freuen wir uns über die Einsicht, dass „seit 1960 fast alle Länder dieser Welt reicher geworden sind und ihre Bewohner länger leben“ (RP, ebd.). Doch über die „Qualität“ des Lebens derer, die als Individuen irgendwo (!?) Leben, befragen wir Theoretiker lieber nicht. Es leben die Vereinten Nationen! (Auch Unabhängig von fehlerhaften Rückschlüssen!) 
(18.10.15)
    

Völlig durch den Wind: Der Sprecher der Polizeigewerkschaft fordert einen Grenzzaun nach dem Vorbild Ungarns, um die deutschen Außengrenzen wirksam gegen illegal eindringende Flüchtlinge (und Asylsuchende) schützen können. Eine neue Einigelung wie zu Zeiten des Kalten Krieges ist das Vorbild der national-konservativen Kräfte, die wohl noch nie etwas von Schengen und dem damaligen "Aufbruchgeist" der EU gehört haben und nun revangschistisch die Realität zurückdrehen wollen hin zu längst überwundenen Konfrontationen von Gegensätzen und Polaritäten, die eigentlich keine sind, wenn nur dialektisch gedacht werden würde - und nicht faschistisch.


Neueröffnung:
Gestern wurde bei einem feierlichen Festakt in Bernkastel-Cues, dem Geburtsort des bedeutenden Kardinals und Philosophen Nikolaus Cusanus (1402-1464), eine neue Universität per staatlichem Diskret bestätigt. Eine gelungene und würdige Veranstaltung der Studierenden, Professoren/innen und Privatunterstützern der neuen Cusanus Hochschule. Die betont ethische Ausrichtung der Studienzweige Wirtschaft, Philosohie und Pflege verspricht eine neue, weil bisher noch nicht umgesetzt, Perspektive auf das konkrete Handeln der Lernenden, das insbesondere geprägt werden soll. In dieser Linie reiht sich die neue Hochschule ein - wie ich meine - in eine lange Tradition der Aufklärung von der Antike über Cusanus und Kant, Karl Marx und Hermann Cohen bis hin zur Philosohie der symbolischen Formen von Ernst Cassirer. - Mein Glückwunsch gilt allen, die hier Lernen und Lehren und wiederum Lernen.
(18.10.15) 


Dummheit ist ein Machtkalkül, das a priori scheitert. Vor daher fragt man sich, weshalb die japanische Regierung ihre nach Fukoshima abgeschalteten Atomkraftwerke - gegen den Protest der Bevölkerung - nacheinander wieder hochfährt, statt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen? Man fragt sich, weshalb Israelis und Palestinenser hartnäckig an gegenseitigen Demütigungen und tätlicher Gewalt festhalten, statt an den vielfach freidensbewegten und erprobten Methoden der Deeskalation einen vertrauenwürdigen Fortschritt zu finden? Das gleiche gilt für die sich ausweitenden Stellvertreterkriege zwischen Russland und den USA bzw. des alten Europas. Ebenso findet man Beispiele in den völlig unakzeptablen, weil undemokratischen Hinterzimmerdiskussioen der EU und ihrer Lobbyisten mit den USA in Bezug auf das Freihandelsabkommen TTIP. Ganz zu schweigen von den destruktiven Debatten um die als vermeintliche Überforderung empfundene Intregration von Flüchtlingen und Asylsuchenden in Deutschland. Wer zu schwach zum Weiterleben ist, der bringe sich um. - So dumm ist das Kalkül - doch leider weltweit stark verbreitet.
(18.10.15) 


Mit Geld geht alles nur für Korrupte:
Sollte es stimmen, was der Spiegel gestern zum möglichen Bestechungsskandal des Deutschen Fussballbundes bei der WM-Vergabe 2006 veröffentlicht hat, dann sollte Franz Beckenbauer schnellstmöglich Verantwortung übernehmen. Das sollte bei einem geschätzten Verdienst von 14 Millionen Euro im WM-Jahr 2006, der allein aus Werbeeinnahmen für Beckenbauer zustande gekommen sein soll (vgl. damalige Presseberichte zur Beschränkung von Managergehältern), durchaus still und stilvoll möglich sein. - Gleiches gilt für Herrn Niersbach, dessen Verdienste ich nicht kenne.
(17.10.15)



Zum Türkeibesuch der Kanzlerin: Wir brauchen keine Diktatoren und keine Präsidenten mit Großmachtsphantasien, die Verbündete gegen die IS bombadieren und Teile ihrer eigene Bevölkerung sorglos dem Terror preisgeben, um die Flüchtlingskrise human zu bewältigen. Hier müssen unmissverständliche Worte der Kanzlerin fallen, die einen unbedingten Rechtsstaat einfordern. Ebenso muss dafür gesorgt werden, dass Putin dafür sorgt, dass Herr Assad schnellstmöglichst in der endlosen Weite Sibirens Aysl findet, wo er unbekümmert mit seiner Familie seinen Lebensabend veerbringen kann. - So sollte es gehen.
(17.10.15)



Welche „Sorge“ ist hier denn gemeint?
„Sorge“ habe der BKA-Chef Holger Münch, laut einer Nachricht von t-online vom 11.10.15, denn es seien laut Statistik „mittlerweile 500 Angriffe auf Asylunterkünfte“ (ebd.) registriert worden. Diese Angriffe aufzuklären ist aber die Aufgabe eines intakten Rechtstaates. Inwiefern kann Herr Münch hier überhaupt in Sorge sein? Oder ist es so, dass die Zuständigen Behörden, wie z.B. die Polizei, tatenlos zusehen, wenn Asylunterkünfte, die kurz vor der Fertigstellung und vor dem Einzug von Flüchtlingen stehen, vor den Augen der Verantwortlichen abgebrannt werden können. Es dürfte sich doch mittlerweile durchaus herumgesprochen haben, dass hier ebenso eine potentielle Gefährdungen besteht wie sie unter Umständen auch bei Fußballspielen besteht, von denen man weiß, dass Hooligans im Anmarsch sind. So kreiste letzte Woche sogar ein Polizeihubschrauber über eine Stunde über dem Trierer Hauptbahnhof, nur um aus der Luft zu beobachten, wie Saarbrücker Fußballfans und u.U. auch Hooligans vom Stadion zum Bahnhof unter Polizeischutz begleitet wurden. Die Angemessenheit dieses Einsatzes wird in Trier durchaus nicht eingesehen (vgl. Leserbrief im TV vom 08.10.15). Wer allerdings solch einen Aufwand für angemessen hält, der müsste doch auch in der Lage sein, sowohl Übergriffe gegen Flüchtlinge als auch gegen die entsprechenden Unterkünfte schon im Vorfeld verhindern zu können. - Oder Irre ich hier? Es kommt da doch wohl auf eine gewisse Prioritätensetzung an und keineswegs auf mögliche „Sorgen“! – Wenn die Behörden überfordert sind, die billigen Verhältnisse eines Rechtsstaates aufrechtzuerhalten, dann hat das deutsche Volk ein Recht zu revolutionieren – zumindest dann, wenn man Johann Benjamin Erhards Ausführungen zur Aufklärung kennt, nach denen jede Revolution darin ihren selbstverständlichen Grund findet, nach Kant - gemäß Erhard – ist es eine „Pflicht“ (sic!), genau dann, „um Ungerechtigkeit abzustellen; um Gerechtigkeit möglich zu machen und um Gerechtigkeit wirklich einzuführen“ (vgl. Erhard: Über das Recht des Volkes zu einer Revolution, 1795, 2. Aufl. 1970 , S.49). Erhard resümiert: „Nur dann tut jeder Mensch recht, daß er seine Menschenwürde verteidigt, daß er anderen das Beispiel davon gibt, daß er sie Rechte lehrt und daß er ihnen pflichtmäßigen Gebrauch dieser Rechte einschärft. Ist er bloß darum, weil er als wahrer Mensch sprach und handelte, Ursache einer Revolution, dann wird ihn sein Gewissen über alle Folgen trösten, und sein Verfahren wird ihn nicht gereuen, wenn er auch der Gewalt unterliegt.“ (Erhard: ebd. S. 61). Und abschließend:
„Eine Revolution überhaupt wird aber dadurch moralisch gebilligt, wenn nur durch sie die Menschenrechte können geltend gemacht werden, und also auch eine Revolution des Volks. Das Menschenrecht aber, das dem Volke kollektive zukommt, ist kein anderes als das Recht zur Aufklärung. […] Insofern jedes Volk unaufhaltsam seiner Mündigkeit entgegengeht, insoferne bereiten sich alle Völker zu einer Revolution vor. […] wo aber die Aufklärung als vollendet anzusehen ist und das Reich der Dummheit seine letzten Grenzen hat; und diese Stufe ist: gänzliche Kenntnis der Menschenrechte. […] Aufklärung ist das Ziel der Menschheit, das sie erreichen kann und das sie bald erreichen wird.“ (Eberhard: ebd., S. 92. 94. 95. 97).   
   
Und genau das scheint mir derzeit die höchste Priorität zu haben. Denn genau an dieser Stelle sind die Behörden verpflichtet, zu handeln und nicht nur ihrer hilflosen „Sorge“ Ausdruck zu verleihen. Zumal auch Herr Münch klarstellt, dass das Problem weniger die Flüchtlinge sind, wie politisch Rechte von der CDU/CSU bis hin zu Neo-Nazis glauben machen wollen. Vielmehr sind es eindeutig politische Kriminelle aus ebenden ideologischen Lagern.
So ist es doch auch beruhigend, zu wissen, dass Herr Münch ausdrücklich feststellt, dass Flüchtlinge und Asylsuchende untereinander überwiegend nicht aus ethnischen oder religiösen Gründen in Streit geraten (vgl. t-online, ebd.). Insofern sollten wir alle, die wir uns tagtäglich um „Aufklärung“ bemühen, uns um die „Sorge“ des BKA-Chefs durchaus auch aus links-politischer Überzeugung sorgen. „Die Aufklärung hat nicht den Zweck, ein Volk glücklich, sondern es gerecht zu machen“ (Eberhard, ebd. S. 97) – so viel an die Adresse der CSU von Horst Seehofer. - Keine Macht den demagogischen Rechten!
(11.10.15)


Kein Witz: Wenn der Komiker Dieter Nuhr meint: "Heute hat jeder Idiod eine Internetstimme" (T-online, 04.10.15), dann scheint Selbstbezüglichkeit nicht seine Stärke zu sein. Vermutlich verwechselt er - wie so viele Fernsehkomiker - Politik und Witz. Wenn man diese beruflichen "Voklsnarren" sieht, könnte man meinen, sie seien die besseren Politiker und Gutmenschen. Dabei feierte die Aufklärung ihre größten Erfolge mit der Einsicht, dass jeder Mensch Anteil an der allgemeinen Vernunft habe, weshalb Kant z.B. auch das Wahlrecht auch für Frauen forderte. - Und dies ist kein Witz! Es gibt keine Demokratie ohne Idioten. Oder mit anderen Worten: Jeder Idiot ist Demokrat. - Wenn das mal stimmt?
(04.10.15)   


Urabstimmung Kitastreiks: Das Ergebnis der Nachverhandlungen zwischen den Erzieher/innen, vertreten durch Ver.di, und der Arbeitgeberseite stehen zur Urabstimmung an. Ob die zuvor geforderte „gesellschaftliche Aufwertung“ des Erzieherberufes nun erreicht wurde, darf mit gutem Gewissen bezweifelt werden. Obwohl die Arbeitgeberseite den satten Betrag von ca. neun Millionen Euro zusätzlich für Löhne und Gehälter der Sozialpädagogen und Erzieher/innen ausgeben will, ist der Betrag geradezu lächerlich gegenüber den Ausgaben, die so mal eben zwischendurch für die Integration von Flüchtlingen bereit gestellt wird. Die ursprüngliche Forderung der Erzieher/innen, einen gesellschaftlichen Aufstieg in der beruflichen Tätigkeit dadurch zu gewinnen, dass die Einstellungseingruppierung deutlich erhöht werden solle, wurde gar nicht mehr diskutiert. Somit gleicht das durch Ver.di erreichte Ergebnis immer noch „nur“ einer soliden Lohnerhöhung, die zudem bei einer Laufzeit von fünf Jahren ziemlich lange zum Tarifstillstand bis 2020 verpflichtet. Wiederum will die Gewerkschaft als Erfolg feiern, was kein Erfolg sein kann. Wenn ich über das neuerliche Ergebnis abstimmen müsste, würde ich es ablehnen. Denn die Gewerkschaft Ver.di scheint mit der Interessenvertretung der Erzieher/innen überfordert zu sein, weil hier ein vorauseilender, staatstragender Gehorsam sich breit macht, der im Vorfeld schon enge Grenzen zieht, was der Arbeitgeberseite zuzumuten sei – und sich durch die gesellschaftliche Entwicklung selbst ad absurdum führt. Sollte es bei den zuvor gelaufenen Streiks nicht nur um eine banale Lohnerhöhung gegangen sein, dann müssten auch die Erzieher/innen feststellen, dass ihre Forderung nach einer adäquaten, gesellschaftlichen Aufwertung ihrer Erziehungstätigkeiten nicht erreicht wurde. Und das sagt alles.
(04.10.15)



Friedensprozess gescheitert:
Dass die Palästinenser den „Osloer Friedensvertrag“ vor der UNO als gescheitert deklarieren und nun selbst aufkündigen, ist nur konsequent. Denn es kann nicht angehen, dass der israelische Ministerpräsident Netanjahu – und seine Vorgänger – permanent den Bau jüdischer Siedlungen auf palästinensischem Grund und Boden genehmigen, um dadurch ultraorthodoxe und radikale jüdische Gruppierungen politische zu bedienen. Der (lange schon gescheiterte) Osloer Friedensprozess hätte sowieso einen autonomen Palästinensischen Staat als Endziel vorgesehen und zwar mit allen Rechten, die ein eigenständiger Staat hat. In den nächsten Monaten wird der palästinensische Ministerpräsident M. Abbas einen eigenen Staat ausrufen. Die UNO wird dem wohl auch zustimmen – und das ist gut so. – Die Zeiten des eigenmächtigen, politischen Handelns nach Art des vermeintlich Stärkeren müssen im gesamten Nahen Ost ein Ende haben. Dazu wird auch gehören, dass Israel sich an diverse UN-Sicherheitsbeschlüsse nicht nur hält, sondern diese auch umsetzt. -
Vor diesem Hintergrund erscheint es geradezu als ein propagandistisches Ablenkungsmanöver, wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland „just in Time“ zu bedenken gibt, dass unter den Millionen Flüchtlingen aus Syrien, die als Bürgerkriegsflüchtlinge rechtmäßig um politisches Asyl bitten (sic!), unter Umständen ein so genannter „arabischer Antisemitismus“ (sic!) in Deutschland zunehmen könnte. -
Das erstaunt: Für mich gab es bis dahin nur einen Antisemitismus der „gleich“ ein Antisemitismus ist. Dass feinsinnig zwischen verschiedenen Formen des Antisemitismus zu unterscheiden sei, erscheint mir selbst dagegen selbst eine subtile Form der Diskriminierung einzelner, verschiedener  ethnischer Gruppierungen zu sein. Wenn nun aber auch palästinensische Flüchtlinge unter den zahlreichen Asylsuchenden aus Syrien sind, die dort seit Jahrzehnten in Lagern geduldet und mittlerweile eingebürgert waren, dann haben diese „Flüchtlinge“ unter Umständen gute Gründe gegen israelische Machtinteressen zu stimmen. Diese Umstände sollten jedoch auch vom Zentralrat der Juden in Deutschland differenziert werden, wenn er nicht selber politisch völlig unkorrekt diskriminieren will. Ein solches würdeloses Stammtischniveau habe ich bisher nur bei „brauen Gesinnungsgesellen“, die hoffentlich bald auch offiziell verboten werden, vermutet. – So kann man sich täuschen.
(04.10.15)

Nur eine Frage: In Kabul stellt sich derzeit die einzig mögliche Sinnfrage: Die Frage aller friedensbewegten Fragen, die eigentlich auch für Amerikaner, Russen und andere Militärdiktatoren wegen ihrer Schlichtheit weltweit verständlich sein können sollte: Why?
Die Beantwortung dieser Frage schließ die Vergabe des Friedensnobelpreies 2015 an jedwede/n Politker/in kategorisch aus. Noch keine/r wurde den Erwartungen auch nur annähernd gerecht, weil sie Teil des Probelms und nicht der Lösung sind!
(03.10.15)

„Moliere“ in Trier:
Schuld ist das Publikum. Es ist zu dumm!
Nicht nur das "Geniale" an der Inszenierung bleibt mir leider verschlossen, auch das kaum vorhandene "Duchschnittliche" (plus/minus) eines Theaterabends. Fast die Hälfte der Abonnenten/innen sind erst gar nicht gekommen, so dass der Dank des Ensembles an das daseiende Publikum, gekommen zu sein, recht komisch wirkt. Sowohl die Regie als auch die Darsteller/innen scheinen mit dem Stück überfordert. Was „kommt“ ist eine fade Farbspritzorgie mit reichlich obszönen Gesten, deren Sinn unsinnig bleibt auch in den überzeichneten Gewaltausbrüchen. Es hätte noch mehr Übung gebraucht, um die Schauspieler/innen in einer verständlichen Artikulation zu schulen und die gesamte Aufführung von einem Schülertheaterniveau auf eine städtische Bühne zu holen, die einen künstlerischen Anspruch über die Region hinaus zu behaupten hat. – Letztlich fällt der schon zum alten Ensemble gehörende Schauspieler Herr Nix auf, der zu Beginn drei Witze erzählt und sich dann damit beschäftigt über zwei Stunden hinweg die Theaterwände zu tapezieren. Angesichts der anstehenden Renovierungsarbeiten des Theaters die einzig sinnvolle Tätigkeit des gesamten Abends. Jede müde „Mark“ mehr wäre weiter rausgeschmissenes Geld auf diesem Niveau. Ich habe mich zwischenzeitlich gefragt, um nicht ganz zu verblöden, warum die Musicaltruppe der Tufa auf viel zu kleiner Bühne ihre super gelungene Aufführung darbieten muss, während hier die große Bühne auf einen unverständlich sprechenden Farbeimer mit „Gummipimmelchen“ hätte reduziert werden können? Mit anderen Worten: Es ist was aus dem Lot geraten. Die Maßstäbe – auch die vermeintlicher Güte -  sind leider „verrückt“! Ein Kreuz- und Querniveau zuviel im großen Haus. -Was es schicht einzusehen gilt, ist: Die Inszenierung ist miserabel, nicht das Publikum!  
(03.10.15)          

Auch das sind Kriegsverbrechen: Wenn es stimmt, was die Medien seit gestern berichten (ARD, ZDF, etc. ), dass das russische Militär in Syrien Luftangriffe nicht nur auf die Stellungen der IS geflogen hat, sondern nebenbei und zuförderst (!) auf Stellungen der Rebellen, die gegen Assad kämpfen (!), dann ist das ebenso wie die Angrriffe des türkischen Militärs auf die Stellungen der Kurden, nicht nur ethisch verwerflich, sondern ein klares Kriegsverbrechen. Kriegsverbrechen müssen geahndet werden! - Offensichtlich spekulieren beide Seite, sowohl die Türken als auch die Russen, dass die Weltgemeinschaft wieder einmal wegsieht, die Sache also vergisst und so tut, als wäre nichts gewesen. Allein diesem Kalkül muss entschieden widersprochen werden. - Leider weiß ich nicht, welcher europäische oder amerikanische Regierungspräsident hier Widerstand gegen die türkischen und russischen Privatinteressen leisten können sollte? - Wenn das aber der Deal zwischen Obama und Puitin gewesen sein sollte, dann gehören beide ebenso wie Assad und Erdogan vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag - heute oder morgen, ist egal, sowie alle anderen, die davon wussten und tatenlos geblieben sind.
(02.10.15)     

Und tschüs zum zweiten: "Und wenn das Kontingent voll ist, dann sagen wir, jetzt kann es keinen Weg mehr nach Europa geben, vielleicht nächstes Jahr", führte der Innenminister in einer TV-Sendung aus (T-online.de, 25.0915). Diese Aussage ist unerträglich, weil der Paragraph 16 des Grundgesetztes so ziemlich glasklar ist: "Politisch Verfolgte genießen Asyl." Die Bundeskanzlerin hatte das vor einen Wochen recht gut erkannt, als sie sagte, dass es diesbezüglich keine Obergrenze für Ayslsuchende geben könne. Und jetzt diese völlig unqualifizierte Aussage dieses Voklsdienes. Meines Erachtens hat sich der deutsche Innenminister mit diese neuen Aussage disqaulifiziert. Er sollte vielleicht sofort zurücktreten, sollte er aber nicht wollen - was ich mir sehr gut vorstellen kann - dann wäre die Kanzlerin am Zuge um ihre des Grundgesetzes (GG, Art. 16) Glaubwürdigkweit willen! Das Maß ist jetzt voll! Der Minister ist (längst) nicht mehr tragbar. 
(25.0916)

Und tschüs:
  Ich trete als VW-Vorstandsvorsitzender zurück "[...] obwohl ich mir keines Fehlverhaltes bewusst bin", sagte
M. Winterkron in einem Börsenstatement zum Abgasmanipulationsskandal bei VW (T-online, 23.09.15). -
Du lieber Gott! So navi möchte ich auch einmal ein jährliches 16 Millionen-Gehalt verdienen. Einmal! Obwohl man "verdienen" hier wohl kaum auszusprechen wagt. Ich weiß nicht, wer überhaupt noch in der Lage ist, demgegenüber die wirkliche Wirklicheit wahrzunehmen? Der Herr Verkehrsminister Dobrindt sicherlicher nicht! Die TÜV-Aufsicht wahrscheinlich auch nicht. Dieselautofahrer ebensowenig. - Meine Güte! Das wird doch wohl kaum die Lösung sein?
(23.09.15)

Ein Letztes noch: Tatsächlich scheint der Trierische Volksfreund – insbesondere in persona ihres Chefredakteurs Peter Reinhart - völlig stumpf gegenüber geäußerter Kritik am Stil der medialen Berichterstattung des Volksorgans. So macht er nur dumme Witzchen über einen Leserbrief, der verbal hochkarätig und allen Ernstes seinen Unmut über die oftmals spießbürgerliche und bornierte Gesinnung der TV-Redakteure in ihren Berichten äußert: Das Beispiel ebenda - als Kasus Knacktus - ist Herr Reinhart selbst.  (vgl. TV, 19/20.0915: Wotans Witze.). 
Nur missversteht Herr Reinhart das ziemlich gründlich, indem er sich zunächst in Allgemeinheiten der folgenden Art ergeht: „Manche Leser loben (zu Recht). Manche Leser kritisieren (zu Recht). Gut so!“ (TV, ebd.). – Na, was soll’s?
Dann jedoch holt Herr Reinhart zum vermeintlich verbalen Gegenschlag aus, indem er konstatiert, dass es neben dem großen Korb [wahrscheinlich mit den vermeintlichen Allgemeinheiten, J.V.] noch einen kleinen gibt: „drin landen die gelegentlichen Pöbeleien gegen den Voklsfreund, dieses „gottesverwerfliche Drecksorgan“, wie einer mal blaffte.“ – Sehr gut! Dann allerdings formuliert Herr Reinhart einen Folgesatz, der tief in die abgesottene Seele des Chefredakteurs blicken lässt. Er schreibt:
„Die Beschimpfungen, die Beleidigungen. Was habe ich mich schon amüsiert (sic!) über Ehrentitel wie Heuchler, Pharisäer, Natterngezücht … [Es folgen hier noch weniger spannende Titel, dann aber geht es weiter mit:] … Lügner … [und] … Arschloch …“ (TV, ebd.)! – Gut so!
Allerdings scheint Herr Reinhart diese „Ehrentitel“ gründlich miss zu verstehen, wenn er – wie er selber schreibt – sich darüber bloß zu „amüsieren“ (TV, ebd.) weiß. – Mehr nicht? Mehr wirklich nicht? – Das erstaunt doch sehr. – Normalerweise würde man sich zwar nicht sehr ärgern, zumal dann nicht, wenn man selber glaubte, diese „Ehrentitel“ würden einen selbst völlig zu Unrecht treffen, dennoch würde man sich auch nicht darüber „amüsieren“, wie Herr Reinhart hier schreibt. Die gesunde und erwartete Normalreaktion würde doch eher etwas nachdenklicher (!) und vor allem „abgewogener“ ausfallen. Mit anderen Worten: Etwas selbstkritischer. – Doch weit gefehlt! 
Gerade das scheint dem TV und insbesondere seinem Chefredakteur schwer zu fallen. Doch gerade das mahnt der entsprechende Leserbrief, auf den Herr Reinhart hier antwortet, unter anderem auch wörtlich an (vgl. TV, ebd.). – Was soll man nun davon halten?
Vielfach hört und liest man in der letzten Zeit, es gäbe einen moralischen Verfall auf breiter Front, indem Gott und Welt alles durch den verbalen Dreck zöge. Unflätigkeiten am laufenden Band auf allen Medien. Das ist zwar ärgerlich (sic!), aber es zeigt auch auf, worauf die Menschen sich beziehen und was sie als so empörend empfinden, wenn sie sich dementsprechend äußern. Darauf sollten vermeintlich professionelle Medienleute sensibel und sachlich reagieren, aber nicht mit persönlichen Empfindlichkeiten. Denn allzu schnell unterliegen die medialen Fachleute einem fatalen Fehlschluss: Sie interpretieren den Gebrauch des zugegebener Maßen starken Kraftausdruck „Arschloch“ persönlich und damit als persönliche Beleidung, was jedoch völlig verfehlt ist. Der Gebrauch des Wortes „Arschloch“ zielt nämlich nach Meinung des Ethikers Ted Honderich in seinem Buch „Nach dem Terror. Ein Traktat“ aus dem Jahre 2003 nicht primär auf Personen, sondern nur sekundär, sozusagen nur nebenbei. In erster Linie ist der Gebrauch des Wortes „Arschloch“ ein legitimer Ausdruck einer genuin „moralischen Kategorie“ und damit ein berechtigtes Urteil! - Diese Überlegungen zeigen, „dass es bei der Moral grundsätzlich darum geht, was man tun soll, und nicht, was für einen Charakter man hat oder um Anerkennung und Tadel.“ (Honderich: Terror, S. 64. ) Einige Philosophen fragen darum: „Wer ist menschlich anständig?“ – bzw. wer hat sich bisher als ein „Arschloch [!]“ (ebd.) erwiesen? Andere gehen von einem „Hang zur Gerechtigkeit“ oder im besten Fall von „Liebe“ aus. – Ein Widerspruch ist nicht erwünscht, denn wer hier widerspricht, hat sich schon in seiner bornierten Gesinnung geoutet! Und noch ein letztes: wir werden nicht aufhören, die Namen zu benennen, denn es geht uns um die Inhalte. Die Namen sind Legion, aber die Inhalte gleichen sich. Mit besten Grüßen!
(20.09.15)        


Nichts gelernt: Bewertet man die neueste Nachricht über den Einsatz von Kampfflugzeugen der Bunderwehr über dem Baltikum (vgl. dpa, t-online, 20.09.15), mit der erstaunlichen Aussage des Luftwaffeninspekteurs Karl Müllners: "Das ist kein Mittel zum Eskalieren. Das ist nur ein Mittel, um sich auf Augenhöhe begegnen zu können" […]. "Und es ist ein Mittel der Motivation für die Soldaten, die das zu tun haben", dann wird man erstaunt fragen müssen, ob die bundesdeutsche Generalität nichts – aber auch überhaupt nichts – aus den Friedensforschungen der vergangenen fünfzig Jahre gelernt habe? Ob sie nie auch nur ein Buch z.B. von Carl-Friedrich von Weizsäcker gelesen habe, als er noch Präsident war des jetzt mittlerweile wieder seit Jahrzenten aufgelösten „Max-Planck-Institutes für Friedensforschung“ in München oder noch Grundlegender noch nie etwas von den Theorien zur Gewalteskalation von Johann Galtung u.a.? Hätten sie das, dann wäre die Aussage von Karl Müllner zumindest höchst problematisch, dass Kampfflugzeuge, die jetzt erstmals mit voll ausgestatteter Kampfmunition ihre Runden drehen, „die Motivation der Soldaten“ (ebd.) steigere, weil sie sich jetzt mit dem potentiellen Feind „auf Augenhöhe begegnen“ und fliegen können bzw. ggf. auch adäquat bomben könnten. – Was soll das Ganze, wenn man zuvor versichert, man wolle freilich keine „Eskalation“ (ebd.) des (Ukraine-)Konfliktes, wie Karl Müllner es in dem Artikel tut!?
Hier wird auf oberster militärischer Ebene bewusst ignoriert, was man freilich wissen kann. Dieses Verhalten wirkt keineswegs deeskalierend, sondern es ist der Ausdruck des genauen Gegenteils: Es schraubt die potenzielle militärische Gewaltspirale in die Höhe, zumal, wenn man dadurch sogar die Motivation der eigenen Truppe im inneren stärken will (vgl. ebd.).
Wenn die Bundeswehr, der Inspekteur bekundet, „zum ersten Mal die Möglichkeit hat mit den Waffen umzugehen“ (vgl. ebd.), und dies den erwarteten „Kick“ für die Truppe erbringen soll, dann sollte man zudem die Lektüre des radikalen Technikkritikers Günther Anders anempfehlen, der in seiner Philosophie der „Antiquiertheit des Menschen“ die These erwiesen hat, dass eine Technik (hier die Atombomben auf Hiroshima), wenn sie denn einmal praktikabel geworden ist, immer auch eingesetzt wurde. Dies ist nach G. Anders ein anthropologisches Gesetzt: Es gibt keine uneingesetzte Technologie – und darum auch keine uneingesetzten Waffen (sic!)! Die bloße Ladung (sämtlicher Waffen am Flugzeug) ist schon ihr Einsatz.
Ich frage mich ernstlich, wieviel Dummheit ich anderen Menschen zuschreiben muss und selbst noch ertragen kann, wenn so viele verantwortliche Menschen auf den unterschiedlichsten Ebenen der Gesellschaft nicht wissen, was man (eigentlich) alles wissen kann  – ohne ein bisschen verrückt zu werden?  - Das jedenfalls ist so ein Fall!  Aber: Im Interesse der Menschheit kann das nicht sein und man muss sich daher auch fragen, in wessen Intresse es denn liegt?  
(20.09.15)

Das ist ja ein Ding! Da werden seit Jahren den Dieselfahrzeugen in Deutschland steuervorteile zuteil und dann erreicht uns die Nachricht aus den USA, VW habe die Abgassoftware in ihren Autos so manipuliert, so dass bei Messungen die tatsächlichen Abgaswerte geschönt würden, während ansonsten Feinstaub und andere Immissionen locker in die Umwelt gepumpt würden.
Das dies – sollte es sich bestätigen – nicht nur ein Wirtschaftsskandal ersten Ranges ist, sondern vor allem ein Umweltskandal, dessen Dimensionen noch gar nicht abzuschätzen sind, dürfte selbst den hohlsten Autolobbyisten auf der IAA dämmern. Besser kann diese Information medientechnisch nicht lanciert werden! Ein Lob der Konkurrenz!
Denn erstaunt es, dass der Artikel – von dpa auf t-online vom 20.09.15 – auf hohem Niveau viel jammert über mögliche Konsequenzen bei VW: Hier wird spekuliert, dass dieser technische Betrug VW bis zu 33.000 Euro pro Auto kosten könnte, das zurückgerufen werden müsste, um „nachgerüstet“ zu werden. Hinzu kämen Milliardenstrafen in den USA.  Die Nachrichtenagentur dpa bilanziert, dass der finanzielle „Schaden“ für VW „unabsehbar“ (ebd.) sei. Man kann davon ausgehen, dass das Image der Dieselfahrzeuge als umweltfreundliche Technologie – wenn sie es denn je war (sic!) ? - nachhaltig zerstört wurde! Dies lässt sich demnächst wunderbar auch an den Börsenwerten für VW und anderen Herstellern von Dieselfahrzeugen „centgenau“ ablesen. Und das ist gut so! Die verantwortlichen Herrn sollten auf allen Ebenen durchaus zur Verantwortung gezogen werden – und zwar nicht nur politisch, sondern „auf Heller und Pfennig“. Soweit erkennt auch der Autor des dpa-Artikels die prekäre Lage für den VW-Konzern. Dennoch erstaunt, dass kein Wort über den zu beziffernden Umweltschaden verloren wird, der dadurch entstanden ist, dass „die Luftverpestung“ in Wirklichkeit viel höher ist, als die manipulierten Messungen glauben machen wollen. Die durch die Politik sowieso nur schwammig festgelegten Abgasoberwerte für Dieselfahrzeuge wurden auf kriminelle Art und Weise umgangen, so dass die ebenfalls nur sehr geringen „Klimaschutzstandards“, die bisher als Erfolg des Automobil-Lobbyismus gefeiert werden konnten, bewusst unterlaufen wurden und dadurch eine öffentlich Gesundheitsgefährdung ungeahnten Ausmaßes entstanden ist. Dieser Schaden an der Umwelt und Gesundheit der Menschen ist global und lässt sich kaum beziffern, denn er geht weit über einen bloßen Imageschaden hinaus.
Wenn die „Deutsche Umwelthilfe“ nun ein generelles Verbot für Dieselfahrzeuge fordert, wie der dpa-Artikel behauptet (vgl. ebd.), ist dies nur Konsequent. Denn diese Organisation wirft den „Autoherstellern“ generell und schon seit langem „Manipulationen“ an den Abgaswerten von Dieselfahrzeugen vor. Hier scheint VW wohl nur die oberste Spitze eines Eisberges der Autobauerbranche zu sein, eines Eisberges, dessen Abschmelzen von der eigenen manipulierten Technologie in Gang gesetzt wurde. Doch das tieftraurige an dieser Erkenntnis ist vor allem, dass sie nicht nur metaphorisch zu verstehen ist, sondern in höchsten Sinne real! – Mir scheint, das ist überhaupt nicht wieder gut zu machen, denn dafür fehlt nicht nur das Geld, sondern auch die Moral!
Die Natur scheint hier keine Wiedergutmachung zu kennen – wenn es zu spät ist!
(20.09.15)

PS:
Es lässt sich bei näherem Nachdenken allerdings auch nicht vermeiden, zu fragen, ob dieses „offensichtliche“ Fehlverhalten von VW nicht demjenigen (scheinbar völlig verdeckten) Fehlverhalten des us-amerikanischen Geheimdienstes der NSA entspricht, der – ohne vorher zu fragen – abermillionen Daten von europäischen Bürger/innen abspeichert und unter einem potenziellen Terrorverdacht stellt? – Diese zugegebener Maßen rein utilitaristische Denke ist allerdings nicht die meine! Vielmehr bemühe ich mich, mit Kant werteethisch zu denken. Das heißt: Sowohl das Verhalten von VW – wenn es sich bestätigen sollte – ist höchst verwerflich gegenüber der Umwelt, als auch das Verhalten des amerikanischen Geheimdienstes NSA gegenüber den europäischen Bürger/innen.
Hier wie da müssten - durchaus im hohen Sinne des US-Rechtes - monetäre Strafen verhängt werden, die den Verantwortlichen Personen wie auch den dahinterstehenden Institutionen nicht nur das Image, sondern auch die dazugehörigen Börsenwerte gehörig „weh tun“ und sie in den Keller schicken. Wo aber ist die Stelle, bei der man Regressforderungen gegenüber dem verwerflichen Tun der NSA einklagen könnte? Die gibt es nicht! -
Ansonsten könnte sich aber die Bloßstellung von VW gerade zu Zeiten der IAA auch als schöne Returkutsche amerikanisch verletzter Befindlichkeiten handeln, die gerade zur rechten Zeit kommen, um branchenführende Konkurrenten empfindlich zu treffen: Ein Wirtschaftskrieg sozusagen auf der Grundlage von Wirtschaftsspionage? Und weniger ein Ausdruck der Besorgnis um die Zukunft der Umwelt und des golbalen Klimas bzw. der Bürgerrechte hier wie dort.
(20.09.15)   


Also: Ex und Hopp! Nach den jüngsten Äußerungen des deutschen Innenministers De Maiziere bezüglich möglicher Änderung des deutschen Asylrechts, wonach nicht mehr jeder politisch Asylsuchende in Deutschland verbleiben können solle, sollte der Innenminister zurücktreten. Nicht nur, dass er im Widerspruch zur Kanzlerin A. Merkel steht, die noch vor Wochen klargestellt hatte, dass es in Bezug auf die Anwendung des Paragraphen 16 im Grundgesetztes keine Obergrenze von Asylsuchenden geben könne, weil es dort schlicht und einfach heißt: „Politische Verfolgte genießen Asyl.“ Aus dieser Formulierung entsteht nicht nur uns Deutsche – und nicht nur vor dem Hintergrund der NS-Zeit - eine moralische Verpflichtung, die weltweit gilt. Wenn nun der Herr Minister, als Diener der Deutschen verstanden, diesen allgemein-humanitären Konsens preisgeben will mit dem Ziel, europaweit anerkannte Flüchtlingskontingente einzurichten, kann er darum nicht mehr ein deutscher Minister sein. Dies gilt unabhängig davon, dass die Resteuropäer und ihrer verantwortlichen Minister derzeit alles andere als eine mitmenschliche Figur abgeben, was einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen angeht. Hier muss aufgeräumt werden und nicht beim deutschen Asylrecht, das sowieso schon durch den europäischen Zusatz „16 A“ von der Mehrheit im Bundestag verstümmelt wurde. Das gilt es rückgängig zu machen und in diesem Rahmen ein europaweites Asylrecht zu installieren. Wenn die anderen Länder das nicht mitmachen wollen, dann sind sie eben draußen! – Ähnliches hatte nicht nur der deutsche Finanzminister in der Griechenlandkrise gefordert. Dann machen wir mal Ernst: Nicht die Asysuchenden müssen gehen, sondern der Minister samt den anderen Ländern.
(19.09.15)    

Es soll dann aber nicht heißen: Die Kleinen müssen hängen, die Großen ließ man laufen.
Vor gut einem Monat (RP, 15.09.15) berichtete die „Rheinische Post“ in ihrem Wirtschaftsteil, dass den Atomkonzernen Rückstellungen in der Summe zu bis zu 30 Milliarden € fehlten. Im Einzelnen hatte Eon bisher 16,4 Milliarden €uro als kalkulierte Kosten für den Atomausstieg angespart, während nach neuesten Berechnungen, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durchgeführt wurden, allein bei Eon 12 Milliarden Euro fehlten. Das REW habe demnach 10,4 Milliarden Euro Rücklage, während hier noch ca. 10 Milliarden Euro fehlten. Bei der EnBw sind 7,7 Milliarden Euro bisher vorhanden. Bei Vattenfall seien es für die Atommeiler Brunsbüttel und Krümmel 3,5 Milliarden, die bisher zurückgerechnet seien, während aber bei beiden Unternehmen je ca. 4 Milliarden Euro fehlten.
Die Konzerne behaupten dagegen, es gebe keine Lücke in der Finanzierung der Rückstellungen zum Zwecke des Atomausstieges. Der Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums rechnet dagegen vor, dass die Konzerne „zwar Rückstellungen gebildet haben, um die Mailer zurückzubauen, für Suche und Bau des Endlagers aber nicht“ (RP, ebd.). 
Die Rheinische Post berichtet weiter, dass die atomkritischen Experten Klaus Töpfer und Jürgen Trittin, die Mitglieder einer Kommission sein sollen, die sich im Herbst mit der „Organisation des Atomausstieges“ (RP, ebd.) befassen soll, darauf drängen werden, „den Konzernen die Rücklagen zu entziehen, solange noch Geld da ist“ (RP, ebd.). Das finanztechnische Problem der Rücklagenfinanzierungen sei es, dass die Rücklagengelder nicht irgendwo im „Schuhkarton“ gesammelt würden, sondern in den Unternehmen als Investment angelegt seien, so dass die Situation eintreten können, dass die entsprechenden „Kohle- und Gaskraftwerke“, an die die Rücklagen gebunden seien, zunehmend an Wert verlieren könnten, je weiter die Energiewende fortschreite. Damit verlören die Konzerne zunehmend an Realwert. Für den Energiekonzern RWE bedeute dies konkret, so die Berichterstattung der Rheinischen Post, dass der Konzern „nach dem Kursstutz der vergangenen Wochen […] an der Börse nur noch sieben Milliarden Euro wert ist“ (RP, ebd.). Also gerade Mal den Wert der angestrebten Rücklagen für den Atomausstieg kapitalisieren kann. Für Eon veröffentlicht die Rheinische Post eine bloße „Marktkapitalisierung“ im Wert von nur noch „17 Milliarden Euro“ (RP, ebd.).

Vor diesem Hintergrund – so meine ich - erscheinen die Bestrebungen von K. Töpfer und J. Trittin, „den Konzernen die Rückstellungen zu entziehen, so lange noch Geld da ist“ (RP, ebd.), um ein vielfaches zu kurz zu greifen. Es müssten, wenn der Ernst der Lage durch das Bundesgutachten richtig ausgedrückt ist, nicht nur die so genannten „Rücklagen“ – wie Töpfer und Trittin wollen - „in einen öffentlich-rechtlichen Fond“ überführt werden, sondern das gesamte Konzerneigentum sämtlicher in der BRD agierender Atomkonzerne (Eon, RWE, EnBw und Vattenfall) müsste sofort restlos „verstaatlicht“ werden!
Dadurch könnten zumindest bis auf weiteres stabile und erschwingliche Energiepreise für die Bürger/innen gesichert werden, die am Ende dennoch für alles finanziell haften werden müssen .

Dagegen plant das Bundeswirtschaftsministerium die Konzerne aufgrund der von der Koalition beschlossenen neuen „Klimaziele“, nach denen „bis 2020 rund 2,7 Gigawatt an Braunkohle-Kapazitäten“ still gelegt werden muss, als finanziellen Ausgleich für RWE und Vattenfall „eine vom Stromkunden finanzierte Prämie für die Bereitstellung einer Reserve an Braunkohle-Kraftwerken erhalten“ (RP, ebd.). Nach diesen Berichten müssen also die Bürger/innen schon jetzt über den Strompreis finanziert für den Atomausstieg haften. Hinzu könne dann auch noch kommen, dass die Konzerne „Pleite“ anmelden, um sich so aus der weiteren Verantwortung zu stehlen, obwohl sie zuvor Milliarden-Gewinne (nach der Abschreibung ihrer Atommeiler) eingefahren und an Aktionäre verteilet hatten.
In der Zeitschrift Publik Forum habe ich einmal gelesen, dass Stromkonzerne nach der Abschreibung ihrer Anlagen täglich einen rein Gewinn von ca. einer Million Euro machten, weshalb die Stromwirtschaft die relativ langen Restlaufzeiten mit der Bundesregierung ausgehandelt habe. Dieses Geld darf nicht weiterhin stillschweigend privatisiert werden, während die möglichen Schulden, die real kommen werden, wenn das Endlager über tausende von Jahren in Takt gehalten werden muss, sozialisiert werden. Die Atomkonzerne dürfen sich unter keinen Umständen aus ihrer „Ewigkeitsverpflichtung“ stehlen, wie es noch beim Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau vereinbart wurde, bei dem die Konzerne z. B. vom fortwährenden Abpumpen der Gruben entpflichtet wurden.

Konkret wollen die Atomkonzerne – laut Rheinischer Post – tatsächlich aber nur bei der Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Atomrückbau und -ausstiegsfond, von dem oben die Rede war, mitmachen, wenn sie im Gegenzug dafür „auch ihre Verpflichtungen los werden“ (RP, ebd.). – Ungeschoren davonkommen, das ist die Devise der Atomlobby. – Demgegenüber denkt Brüssel – Gott sei Dank – etwas anders. Denn nach Meinung der EU-Kommission könnte die geplante Ausgleichszahlung an RWE und Vattenfall, von der oben die Rede war, als „unerlaubte Beihilfe“ (RP, ebd.) verstanden werden, „die den Wettbewerb in Europa verzerrt“ (RP, ebd.).

Man wird dem SPD-Wirtschaftsminister Gabriel eindringlich ins Gewissen reden müssen, hier keinen Eiertanz aufzuführen, sondern die berechtigten „Ewigkeits-Interessen“ der Bundesbürginnen beim Atomausstieg wahrzunehmen, statt den Konzernen vorschnell Wirtschaftserleichterungen zuzusichern für Beträge, die sie laut Bericht der Rheinischen Post niemals werden stemmen können. Weil der Gesamtatomausstieg aber nicht nur wirtschaftliche Dimensionen  aufweist, sondern insbesondere politische Entscheidungen voraussetzt, wäre es in diesem Fall ratsam auch zu überlegen, auf welche Weise einzelne Politiker bzw. Parteien, die eine atomlobbyfreundliche Ausstiegspolitik machen wollen und dadurch mithelfen den finanziellen Haftungsrahmen der Konzerne bewusst zu schmälern oder ganz auszusetzten, juristisch selbst haftbar gemacht werden können. Hier geht es nicht um Peanuts für den deutschen Steuerzahler. Der Prozess um die Vorstände der Deutschen Bank in der Kirschaffäre sei diesbezüglich hier nur als Beispiel angemahnt. Haften sollen alle Verantwortlichen, insbesondere bei allen Fragen, die unter den Begriff der "Daseinsvorsorge" fallen. Der deutsche Steuerzahler wird es auf lange Sicht sowieso tun müssen. Griechische Verhältnisse, bei denen die Wohlhabenden ihr Geld am Staat vorbei ins Ausland geschafft haben, können wir hier nicht gebrauchen! - Und noch ein letztes Wort zum Schluss: Die nach inoffiziellen Berichten (vgl. PuFo) im Fliegerhorst Büchel verbliebenen us-amerikanischen Atomsprengköpfe, die z.Z. rundum erneuert werden, müssen schnellst möglich zurücktransportiert werden. Man kann nicht wirtschaftspolitisch den Atomausstieg propagieren und insgeheim weiter militärisch auf den Einsatz von Atomsprengköpfe bauen.  
(19.09.15) 

Hinter dem Schleier: Ein weiters Unwort des Jahres 2015 sollte der Begriff "Scheuser" sein. Die derzeitge Verwendung des Wortes verschleiert, dass es sich hier um Menschenhandel und damit um eine Form der Sklaverei handelt.
(16.09.15) 

Grenzwertig:
Ich hätte gedacht, den „Antifaschistischen Schutzwall“, der Europa in Ost und West geteilt hatte,  gäbe es seit 1989 nicht mehr. Nur noch grenz-wertige Staaten wie Nord-Korea, Israel oder die USA in Richtung Mexico schützten ihre Grenzen gegenüber Fremden und vermeintlichen Feinden durch Stacheldrahtzäune und übergroße Beton-Mauern. Ansonsten gäbe es weltweit nur freie Fahrt für freie Bürger. – Doch: weit gefehlt!
Seit gestern hat das faschistuide EU-Land Ungarn seine Grenze durch einen neuen Zaun mit Stacheldraht abgeschottet, um Asyl-Flüchtlinge beim Grenzübertritt zu hindern, obwohl sie erklärtermaßen nur Transitreisende durch Ungarn sein wollen. Zudem gibt es ein ganz neues Gesetz, das einen verbotenen Grenzübertritt mit harten und abschreckenden Gefängnisstrafen belegt. Die ungarischen Internierungslager für Asyl-Flüchtlinge gleichen unlängst denen längst vergangen geglaubter Zeiten, welchen in Deutschland nur noch so genannte „Unbelehrbare“ nachhängen. In der Türkei werden diese Eindrücke allerdings noch dadurch verstärkt, dass die gestrigen Bilder aus Istanbul täuschend ähnlich sind denjenigen, die wir aus den Geschichtsbüchern kennen und die die Judenpogrom der Nazis darstellen, während heute Geschäfte und Redaktionslokale der kurdennahen politischen Partei vom asozialen Polit-Mob vor laufender Kamera zerstört werden. Auch in Deutschland brennen die Asylunterkünfte reihenweise ab, ohne dass ernsthaft dagegen eingegriffen würde oder zuvor vorbeugende Maßnahmen ergriffen worden wären, um sie zu schützen. Selbst die arabischen Erdölstaaten verschließen ihre Augen ziemlich fest, so als gäbe es überhaupt keine Brüder und Schwestern, die es aufzunehmen gälte.
Als wäre das nicht schon Rückfall genug, setzt nun auch die Bundesrepublik das europäische Schengen-Abkommen mit ihren nächsten Nachbarn für unbestimmte Zeit wegen humaner Überforderung außer Kraft. – Nicht, als wäre das alles unrechtmäßig, sind alle diese Maßnahmen von rechtmäßigen, teilweise aber nur von nationalen Gesetzen demokratisch abgedeckt, so dass kein verantwortlicher Politiker – oder was sich derzeit so nennt - sich hier und da wird schämen müssen. Und so frage ich mich allen Ernstes, warum mich das alles so traurig stimmt?
(15.09.15)  

Vor dem Hintergrund des Pilotenstreiks: Warum sollten die LKW-Fahrer auf deutschen Autobahnen nicht die gewerkschaftlich die Forderung aufstellen, angesichts der psychischen und körperlichen Belastungen zuzüglich der Verantwortung für das Transportgut mit - sagen wir mal - 60 Jahren eine großzügige Übergangsregelung, analog zu den Piloten - in Anspruch zu nehmen? Warum sollten die LKW-Fahrer nicht auch ca. 1000 Fahrten pro Tag ausfallen lassen, bis ihre Forderungen erfüllt wären? Alterfertige LKW-Fahrer stellen ohne Zweifel ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Stellen die Piloten, die weiterhin mit 55 Jahren ihre Altersbezüge erhalten wollen, ohne automatisch ihre Fluglizenz abgeben zu müssen, nicht ein ähniliches Risiko dar. Wenn nicht, dann sollen sie suzessive bis 60 Jahre arbeiten gehen. Fertig aus. - Nocheinmal: Die geplanten Verlagerungen der Lufthansa ins Billigausland sind indiskutabel. Was die Piloten in Bezug auf ihre Altersbezüge machen aber ebenso. Es fällt mir schwer zu glauben, dass vor diesem Hintergrund noch keine Schlichtung erfolgreich war. Das ist ein großes Defizit unserer Streik- und Gewerkschaftskultur - von der Arbeitgeberseite mal ganz zu schweigen.
(09.09.15)   


Pilotenstreiks sind voll daneben
: Selbst als langjähriger Gewerkschafter der GEW habe ich für die Streiks der Lufthansapiloten und die der Bundesärztekammer absolut kein Verständnis. Woran liegt das? Ich glaube, es liegt daran, dass die Verdienstmöglichkeiten beider Berufsgruppen dermaßen abgehoben sind von den Nettonormalverdiensten anderer Gewerkschafter, so dass ich die Forderungen bieder Berufsgruppen als unverschämt und völlig unangemessen bewerte. In eben diese Richtung gehen nur noch die völlig überzogen Lohnforderungen so mancher Manager mittelmäßiger DAX-Betriebe und diejenigen von Profisportlern – die oftmals zu dumm erscheinen, um selber Danke zu sagen. Man nimmt halt mit, was mitzunehmen ist.
Ebenso die Forderungen der Piloten: Es kann einfach nicht angehen, das Frühverrentungen im selben Umfang fortgeschrieben werden, nur weil es so mal war. Wer mit 55 Jahren in die großzügig berechnete Altersversorgung der Piloten gehen will, der soll doch bitte schön auch seine Pilotenlizenz abgeben. Denn wer mit 55 Jahren dermaßen ausgelutscht ist, dass man ihm keine Passagiere mehr anvertrauen will, der soll doch, wenn er sich weiterhin für fit erklärt, den Garten schuffeln oder in einem Getränkemarkt Bierkisten stapeln. Bitte schön, jedem nach seinem Belieben - als Rentner wohlgemehrt. –
Wenn die Piloten sich selbst aber noch mit 55 Jahren für flugtauglich erklären, dann sollen sie auch länger im Dienst bleiben – wie nicht nur die Arbeitgeber verlangen, sondern wie es der Arbeitnehmergesellschaft im Allgemeinen von der Rentenpolitik vorgeschrieben wurde. Es ist ja geradezu lächerlich, einem Bauarbeiter vorschreiben zu wollen, sukzessive mit 67 Jahren (ohne Abstriche!) in Rente gehen zu müssen, während die Piloten an ihren 55 Jahren (mit weiter vermarktbarer Fluglizenz im Privaten!) festhalten wollen und dennoch ausgemustert werden wollen. Hier fehlt es den Piloten an sozialer Einfühlungsgabe – was ihr Streikansinnen als sehr arrogant erscheinen lässt. Man muss das Ganze einmal in Relation zu dem - Gott sei Dank - gescheiterten Schlichtungsergebnis der Erzieher/innen sehen. Die haben wahre Gründe, zu streiken - wenngleich sie vielleicht nicht eine so große Lobby wie die Piloten haben !
(Bei den Ärzten verhält es ebenso wie bei den Piloten, wenngleich die Argumente freilich anders gelagert sind, was ich jetzt hier nicht ausführen möchte).
Allerdings: Die Lufthansa hat deswegen keinen Freibrief ihre Angestellten ins Billig-Lohnausland auszulagern. Das gliche ja Nokia- oder ehemals auch unsäglichen Schleckermethoden. Hierggegen müssen sich die Piloten zu Recht verwehren und diesbezüglich haben sie meine Solidarität. Man muss jedoch unterscheiden.  
(08.09.15)  


Bei näherem ‚Hinsehen‘: Der gegenwärtige Amoklauf gegen Ausländer und Asylunterkünfte ist nur am Rande der Oberfläche eine Krise der Demokratie. Hier von ‚Terror‘ zu sprechen, verschleiert den eigentlichen Kern des Problems, indem der vermeintliche Gegner übergroß aufgebauscht wird, während der wahre „Freund und Helfer“ zu klein ist, um wirksam gegenagieren zu können. Nein! Vielmehr und eigentlich steckt der moderne Rechtsstaat in seiner tiefsten und nachhaltigsten Krise. Das Beginnt mit dem Versagen staatlicher Stellen bei der NSU und bei der NSA-Aufklärung. Diese Unfähigkeit zum rechtstaatlichen Handeln des Staates zieht sich weiter bis hin zu den erschreckenden Zahlen von zunehmenden Hauseinbrüchen, die nicht aufgeklärt werden, und Tätlichkeiten auf offener Straße sowie im Internet. Es kann doch nicht sein, dass die Bundesländer eine saubere Statistik bereithalten von Orten, in denen Asylunterkünfte gebrannt haben, aber so gut wie keine Tat aufgeklärt oder bisher präventiv hat verhindert werden können.  Hier versagen die zuständigen Stellen zunehmend! So geht es auch nicht an, dass ein Polizeisprecher bei den Krawallen und schweren Ausschreitungen in Heidenau vor Ort dem Fernsehen zu Protokoll gibt, die Einsatzpolizei könne in der Tat keine Festnahmen von Straftätern vornehmen, die gegenwärtig und  live vor der Kamera passierten, weil dazu zu wenig Einsatzkräfte vor Ort seien (ARD, 28.08.15). Für eine Festnahme müssten mindestens fünf Polizisten zum Einsatz kommen, was nicht zu leisten sei, so der Polizeisprecher weiter. Und somit konzentriere sich die Polizei darauf - was sie schon des Öfteren im Osten getan hat-, bloß zuzusehen, sich selbst zu schützen und das ganze Ausmaß der Gewalttätigkeiten aufzunehmen. Gottlob: Die Statistik dankt! Und genau das ist das Empörende an der ganzen Angelegenheit! Bürger/innen - inklusive Flüchtlinge und Asylanten (!) - werden nicht mehr geschützt.
Da, wo es keine Täter gibt, weil sie nicht auszumachen sind, sie nicht verhaftet und entsprechend auch nicht verurteilt werden, versagt nicht zuerst die Demokratie, sondern es versagt primär der Rechtsstaat. Und das ist um vieles schlimmer.
Auf Dauer werden in solchen Situationen Parallelgeselschaften bis hin zur Mafia etabliert, die langsam, aber wirksam vorherrschen - oder aber der braune Mob kehrt zurück, weil er sich fälschlicher Weise bestärkt und sicher fühlt.
Was an dieser Stelle zu tun ist, ist daher ebenso klar: Der Einzelne sei der Hüter seines Nächsten.
Die Gesellschaft muss die kriminellen Täter stellen und rechtsstaatlich Aburteilen, weil Tatbestände bestehen. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was derzeit immer wieder in Russland, China und Ägypten – um nur einige zu nennen – an Menschenverachtung zu beobachten ist.
Auf außenpolitischer Seite muss allerdings - jetzt und sofort (!) - größtmöglicher Druck auf alle Regierungschefs und -Chefinnen ausgeübt werden. Wer sich hier gesamteuropäischen Lösungen verschließt, muss dies vor den Menschrechten rechtfertigen und gegebenenfalls dafür eine Anzeige vor dem Internationalen Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag in Kauf zu nehmen. Es kann hier keine diplomatische Immunität geben. (Dies muss insbesondere auch für diejenigen Regierungschefs derjenigen Länder gelten, die in der Tat glauben und theoretisch schon wieder mal durchspielen, den Einsatz von Massenvernichtungswaffen, wie z. B. auch Atombomben, zum Einsatz zu bringen.) Das sind Barbaren und sie bleiben es (wahrscheinlich), wie sich durch ihr Denken, ihr Tun und durch ihre Strategie ausreichend zeigt.
(29.08.15)



Nicht locker lassen: Es ist zum größten Teil das persönliche Versagen des Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske, der den berechtigten Erwartungen der Erzieher/innen im Schlichtungsprozess nicht nachgekommen ist. Diese dunkle Ahnung mag ihn auch bewogen haben, den völlig unzureichenden Schlichtungsspruch vorsichtshalber von der Basis absegnen zu lassen. Nachdem diese nun  erwartungsgemäß das lächerliche Tarifergebnis, das der geforderten „Aufwertung des Erzieherberufes“ in keinster Weise gerecht wurde, abgelehnt haben, posaunt der Verdi-Chef höchst selbst, „man“ werde sich kämpferisch zeigen. Und das ist gut so. Leider nur hätte Bsirske das früher wissen müssen und sich sehr viel früher ins Zeugen legen sollen. An dieser mangelnden Überzeugungsstelle erkennt man aber sehr deutlich die Nachteile einer großen Einheitsgewerkschaft: Die Verdi-Bosse üben einen – wenn auch vielleicht nur einen unbewussten –, aber dennoch einen kaum zu verbergenden, vorauseilenden Gehorsam, über den die Eisenbahnergewerkschaft nur mitleidig schmunzeln kann. Peinlich ist das Ganze allemal, denn verkauft werden sollte den Erzieher/innen eine banale Jahres-Lohnerhöhung, wohingegen die Hauptforderung unter den Tisch gekehrt werden sollte. Alle Verantwortlichen wären nun gut beraten, es nicht wieder auf die Spitze zu treiben. Denn die Forderungen sind nach wie vor klar, aber auch, dass wenn sie gütiglich nicht erfüllt werden, massive Streiks auf die Kitas zukommen werden, wobei dann wiederholt die „Elterliche Solidarität“ mit der Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen gefordert ist. In einer solchen Situation ist die Politik gefordert. Sie kann sich daher nicht entschuldigen, so als ob sie von Tuten und Blasen keine Ahnung hätte und bisher noch von nichts gehört hätte. Der Bund und die Kommunen sind finanziell gefordert. Es wäre äußerst Schäbig, wenn die verantwortlichen Politiker/innen plötzlich anfingen, die nötigen Finanzaufwendungen für das Kitapersonal aufzurechnen gegenüber den ebenso zusätzlich nötigen Finanzmittelen für Flüchtlinge und Asylbewerber/innen. Die Kommunen dürfen hier wie dort nicht alleine gelassen werden. Ebenso wenig dürfen allerdings auch die Flüchtlinge und Erzieher/innen alleine im Regen stehen gelassen werden. Es geht hier, um es mit einem Wort zu sagen, um eine dringend nötige und gesellschaftspolitisch gerechtfertigte „Umverteilung“ an Gruppierungen, die jede für sich angemessen gewürdigt werden müssen. Dass das alles nicht finanzierbar wäre, ist ein armes kapitalistisches Ammenmärchen. Die Linken machen seit Jahren finanzierbare Vorschläge, die aber wegen eines vermeintlichen Sozialismusverdachtes von den spieß-bürgerlichen Parteien ignoriert werden. Griechenland und G. Varoufakis lässt schön grüßen!
(25.08.15)       


10 Jahre Stolpersteine in Trier:
Stolperstein des Kölner Künstlers Gunter Demnig, Messing und Beton. © Stadtmuseum Simeonstift Trier.
Der erste Stolperstein in Trier wurde im Februar 2005 im Stadtteil Kürenz gelegt. Dass dies genau hier geschah, ist kein Zufall, denn es war der Kulturverein Kürenz, der das Projekt (gemeinsam mit der AG Frieden) in Trier ins Leben gerufen hat. Die Steine des Kölner Künstlers Gunter Demnig sind dezentrale Mahnmale zur Erinnerung an Menschen, die im 3. Reich verfolgt oder ermordet wurden. Zu finden sind sie im Stadtbild genau an den Orten, an denen die Opfer des Nationalsozialismus zuletzt gelebt haben. In den vergangenen zehn Jahren wurden in Trier bereits rund 180 Stolpersteine in das Straßenpflaster eingelassen. Dr. Johannes Verbeek und Dr. Thomas Schnitzler, beide bis heute im Kulturverein aktiv, erinnern mit ihrem Vortrag an die Geschichte und Genese der Stolpersteine in Trier. Nicht nur in den Anfangsjahren haben sich immer wieder Widerstände gegen das Projekt gebildet.
Sonntag, 30. August 2015, 11:30 Uhr, Stadtmuseum Simeonstift Trier, Eintritt: 6 €.
(23.08.15)



Ohne eigene Nase: Der Bundesinnenminister denkt darüber nach wie das Taschengeld für Flüchtlinge gekürzt werden könnte, habe ich im Urlaub in den Nachrichten gehört. Er scheint eigentümlicher Weise keine eigene Nase zu haben. Das ist ein politischer Mangel!
(23.08.15)


Zur Reform der politischen Ordnung. Nur so viel in Kürze: Es ist ein Anachronismus, dass der Deutsche Bundestage geschlossen Betriebsurlaub macht und dadurch nicht Beschlussfähig ist, ohne aufwendige Sondersitzungen einzuberufen. Da jede/r Abgeordnete/r einen bestimmten Wahlkreis in einem bestimmten Bundesland repräsentiert und die politische Gruppierung die dortigen Bürger/innen vertreten soll, wäre es folgerichtig, wenn die einzelnen Abgeordneten gestaffelt nach den Ferien der einzelnen Bundesländer selbst in Ferien gingen. So gäbe es zwar Überlappungen, aber der politische Betrieb wäre fortwährend garantiert. Die einzelnen Abgeordneten, die nicht in Ferien wären, hätten dann Anwesenheitspflicht im Bundestag! Es gibt ja bei allen Posten, die unter den Abgeordneten zur Aufrechterhaltung des politischen Alltagsgeschäfts vergeben werden, überall auch Stellvertreter (manchmal sogar in nicht geringer Zahl !), die, wenn der/die Vorsitzende eines Ausschusses in Urlaub wäre, die Sitzungsleitung übernehmen könnte. Vermittelt durch die durchaus auch sonst übliche Abstimmungsquote, wäre jeder Ausschuss bei Bedarf zudem Beschlussfähig, worauf es in einer modernen Demokratie aber jederzeit ankommt, selbst wenn viele Abgeordnete aus anderen Bundesländern gerade im verdienten (!) Urlaub wären. Die Komplexität der gegenwärtigen, politischen Themen lässt es heutzutage nicht mehr zu, dass der gesamte Bundestag seine Badehose einpackt und das kleine Schwesterlein an die Hand nimmt, um an den Wannsee zu fahren. Es genügte zudem, wenn der Bundestag von jetzt über sechshundert Abgeordneten stark reduziert würde. Das bedeutete zwar etwas Mehrarbeit für den einzelnen Abgeordneten, die aber bei Anwesenheitspflicht durchaus gut geleistet werden könnte, denn schließlich werden die Abgeordneten alimentiert durch den Staat, d.h. also durch den Steuerzahler.  Die Abermillionen Euro, die so eingespart werden würden, könnten in der Tat sozialpolitisch sinnvoller ausgegeben werden. -  Das ganze politische Prozedere muss pragmatischer werden. Nebentätigkeiten müssen rigoros offengelegt werden, oder mit der Diät und den Rentenansprüchen verrechnet werden. Was der Hartz VI Empfängerin billig ist, muss der Bundestagsabgeordneten recht sein! Ich hätte da noch ein paar andere Ideen, die an dieser Stelle aber zu weit führen würden.
(23.08.15)

Man glaubt es kaum: Was die Nachrichten dagegen während dieser Zeit berichteten, ist der nackte Wahnsinn! - Es zeigt das internationale und europäische politische Versagen auf der Ganzen Linie. Wenn es an politischen Lösungen für aktuelle Probleme mangelt, tragen die Politiker/innen die Verantwortung. Sofern Menschenrechtsproblematiken (auch in der EU!) tangiert sind, sind alle Verantwortlichen Fälle für den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Hier muss einmal ein durchgegriffen werden, denn es geht hier um nicht weniger als um die Glaubwürdigkeit von Demokratie und Rechtstaatlichkeit.
(23.08.15)



Wieder einmal war Verlass auf sie: Mit meiner alten, aber gut gepflegten, 800 Marauder (Suzuki) ging es dieses Mal zusammen mit meiner Frau als Sozius zunächst durch Frankreich über La Petite Pierre (Jazz-Festival) nach Colmar (Grünewald und Maria im Rosengarten) und Kaiserberg (Albert Schweitzer) zum Dreiländereck. Von Basel fuhren wir weiter durch die Schweiz bis Neuchatel und durch das Jura begleitet von zahlreichen Solobikern und Gruppen. Vorbei an Zürich nach Winterthur (Rockwoche in der Altstadt). Von dort ging es durch den Schwarzwald (Im Himmelreich) zurück nach Straßburg und von da auch zurück nach Trier. Vierzehn Tage. Zwar mit Regen, aber ohne unterwegs je nass geworden zu sein, mit Übernachtungen in tollen Hostels und Hotels und Pensionen. – Super das Ganze!
(23.08.15)


Dank sei dem Freund
(Kuba, Oktober 1962)

Ein "Hoch" auf Amerika!
Das waren noch Zeiten!
Glasklar immerhin
die Gedanken bis hin
zur gegenseitigen Selbst-
vernichtung. Aber keine
Eskalation! - Wie gut!

Erhalten blieb das Porzelan.
Nur hier und da ein Bruch,
verursacht durch alltäglichen Gebrauch.
Wir aber bleiben hart. Die anderen
müssen weichen, bis zuletzt.
Wir sind im Recht, auch wenn
die Wahrheit krumm geschlagen wird.

Also bricht die Keramik:
z.B. in Vietnam
sehr gründlich, in Somalia
auch im Irak
zuletzt Afgahnistan.
Was bleibt ist nur der Wille
zur entfesselten Gewalt.

Zwar, so sei sie nötig.
Wenn auch nur zum Macht-
oder besser nur zum Selbsterhalt.
Am Ende aller Tage
werden wir das Leben feiern
und unsere Art zu sterben auch.


Hiroshima: 8.15 Uhr Ortszeit.
(06.08.15)

Profit selbst noch im Überfluß? Warum fallen die Benzinpreise eigentlich nicht gehörig? Sollen die börsendotierten Kapitalanleger der Ölkonzerne doch einmal etwas von Angebot und Nachfrage erfahren! Irgendetwas ist hier faul auf diesem Marktplatz. Auch die Lebenshaltungskosten sind in Trier vergleichsweise zu hoch. Woran liegt das denn?
(04.08.15)

 
Mellek (Ostanatolien, 1986)

Sie freilich lebt ihr Leben bescheiden
und will doch alles und noch mehr noch geben.
Ach, wie mag ich sie doch so gut leiden.
Ihre Augen und ihr Lächeln beben,

doch ihre braune Haut brannten Sonnen stark.
Sie, auf sich allein gestellt, will leben:
einfach, frei und will sich Sorgen um ihr Kind.
Ja, sie selbst entwuchs vorzeitig, eben,

ihrer Kindheit, sah ich sie, wie Frauen sind:
unschuldig, offen, wie Muschel und Perle.
Ach, fänd‘ sie doch den einen – nicht nur Kerle.

Sie freilich lebt ihr Leben bescheiden
und will doch alles und noch mehr noch geben.
Ihr Wesen brennt, wie - lieblich – die Sonne, mein Mark.
(03.08.15)


Es ist noch nicht zu spät
: Da empört sich die deutsche Lügenpresse (vgl. Bild-online, etc) darüber, dass der griechische Ex-Finanzminister G. Varoufakis bei einem eventuellen Ausfritt Griechenlands aus der Eurozone, Ermittlungsverfahren gegen deutsche Firmen in Griechenland eröffen wollte, wegen des Verdachts auf "Korruption" (vgl. ebd.). - Das erstaunliche ist daran allerdings, dass zur Zeit von solchen Verfahren nicht mehr die Rede ist. Wenn "Korruption" von deutschen Firmen im großen Stil begangen wurde, dass ist das auch jetzt noch ein rechtsstatliches Strafverfahren wert. - Auf geht's: Ermitteln, anklagen und verurteilen - ohne Rücksicht auf die Person! Dagegen dürfte auch Herr Schäuble nichts einzuwenden haben als rechter Demokrat.
(01.08.15)

In die falsche Richtung: Der Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen verteidigt, wie man ließt, die Ermittlungen gegen das Internetportal Netzpolitik.org (vgl. spiegel online, 01.08.15). Er sagte, diese Maßnahme sei „im Kampf gegen den Terrorismus notwendig“  (ebd.) gewesen, um die Arbeitsfähigkeit seiner Behörde „sicherzustellen“ (ebd.). Der politische Blogg hat zuvor aus internen Berichten des Bundesamtes für Verfassungsschutz zitiert (ebd.), wobei es mal eben darum ging, „die nachrichtendienstliche Überwachung des Internets auszubauen“ (ebd.). – Dieses Vorgehen ist ein Skandal. Und es hilft auch überhaupt nicht, wenn der Generalbundesanwalt Harald Range nach heftigen Protesten „die Ermittlungen am Freitag vor erst auf Eis“ (ebd.) gelegt hat, und der CDU Gutmensch Wolfgang Bosbach Nebelkerzen zündet und den Bundesanwalt H. Range in Schutz nimmt gegen Forderungen, die seinen Rücktritt verlangen. Range müsse wegen dieser Sache „nicht sogleich Zurücktreten“ meinte Bosbach im Handelsblatt (vgl. ebd.). – „Sogleich“ (!), wohl nicht! Aber nach der ganzen Untätigkeit der verantwortlichen bundesdeutschen Behörden in Bezug auf den Spionageskandal der NSA sehr wohl! Welche Wertigkeiten und Maßstäbe hat Herr Bosbach eigentlich, wenn er den folgenden Vergleich wählt? „Wer beim Ermittlungsverfahren kritisiert, hier würde mit Kanonen auf Spatzen geschossen, sollte nicht selber so großes Kaliber wählen“ (ebd.). Das haut dem Fass den Boden raus! – Mit welchem „Kaliber“ hat die Bundesregierung denn auf die NSA geschossen. Ich glaube über die Größe einer „Schreckschusspistole“ ging der Knall gegen die NSA nicht hinaus. Warum eigentlich? Weshalb wird ein kaum bekanntes Bloggerportal strafrechtlich mit großem Pomp verfolgt, während die NSA lustig weitermacht und die deutschen Nachrichtendienste sogar verhöhnt? Neulich sah ist im TV, wie ein amerikanischer Sprecher meinte, er würde sich als deutscher Spionageabwehrdienst schämen, wenn er so maßlos ausspioniert worden wäre! Weshalb liegt die Scham hier eigentlich bei den Übertätern? Weshalb handelt die Bundesregierung hier nur zögerlich bis überhaupt nicht? – Ein solch schräges Verhalten der offiziellen deutschen Behörden sowohl in Bezug auf die NSA als auch in Bezug auf die Blogger fördert nichts als berechtigte Politikverdrossenheit: Die Kleinen will man hängen, die Großen lässt man laufen. Das hat mit Rechtsstattlichkeit nicht das Geringste zu tun. Wenn dieser Schutz der Bürger/innen aber zerbröselt, dann hilft auch keine demokratische Verfassung mehr. – Es geht hier also nicht um irgendetwas, sondern um den Kern unserer Gesellschaft. – Leider in einer völlig anderen Richtung als die Verfassungsorgane wahr haben wollen.
(01.08.15)              

Sofort Handeln: Wenn es stimmt, was verschiedene Medien berichten (spiegel online, RP, TV), dass kurdische Dörfer im Nord-Irak von der türkischen Luftwaffe bombardiert wurden mit dem Ergebnis mehrerer hundert toter Zivilisten, dann gehört der türkische Ministerpräsident Erdogan augenblicklich vor den internationalen Gerichtshofs in Den Haag gestellt. Sollte zudem die Militäraktion, wo zunächst sehr viel spricht – vor allem das penetrante Schweigen der Nato und unkoordinierte der Bündnispartner -, dann sollten sowohl die Verantwortlichen auf Seiten der USA als diejenigen in der Türkei schnellst möglichst vor ein Nato-Kriegsgericht gestellt werden. Denn es kann unmöglich die abgesprochene Strategie der Nato im Kampf gegen die IS sein, den erfolgreichsten Verbündeten, nämlich die kurdischen Peschmerga, die sogar mit deutschen Sturmgewehren ausgestattet und an ihnen trainiert wurden, von hinten durch die Burst zu schwächen und nun selbst zum Feind zu erklären wie es erklärtermaßen der IS ist. – Diese völlig absurde Situation muss sofort beendet werden. Die Verantwortlichen Politiker gehören vor ein internationales Tribunal gestellt.
Ansonsten zeigt sich hier die langjährige Linke Position als besonders zutreffend, nämlich die Nato als das zu betrachten, was sie leider geworden ist: Ein international agierendes Angriffsbündnis und Führung der USA. Die Alternative heißt dementsprechend: Entweder raus aus der Nato oder ein neues Verteidigungsbündnis muss her, das völlig andere militärische Ziele verfolgt als es derzeit die Nato tut. Es ist an der Zeit, quasi als erstes Zeichen, dass es der Bundesregierung ernst ist, dass man ihr nicht auf der Nase herumtanzt, die deutschen Raketenabwehreinheiten aus der Türkei sofort und ersatzlos abzuziehen.
(01.08.15)  

Was soll das?
– Statt den griechischen Ex-Finanzminister G. Varoufakis mit einem lächerlichen Hochverratsprozess zu düpieren, sollten die griechischen Superreichen und Steuerflüchtlinge mit saftigen Klagen und Strafen überzogen werden. Es kann doch nicht sein, dass der „gute“ Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung im großen Stil ein paar Jahre seines Lebens – übrigens völlig zu Recht (!) - im deutschen Knast absitzen muss (- was er mittlerweile als Freigänger mit Firmenfahrzeug und Chauffeur, wie man hört, tätlich auch tut), während die griechische Finanz-Schickeria in London und anderswo den Schampus knallen lässt und sich ihres abschäumigen Lebens erfreut. Es ist nämlich keineswegs so, dass einem - wegen Steuerhinterziehung - verurteilten Bürger die menschliche Würde abgesprochen wird. Insofern ist es auch sehr irreführend, wenn der Bayern-Boss Karl-Heins Rummenigge vor einiger Zeit meint verlautbaren zu müssen, man habe Ulli Höhnes im FC-Bayern die  „Würde wiedergegeben“, indem man ihn als Freigänger wieder eingestellt und ihm einen neuen Job angeboten habe, bei dem er sich um die Jugendarbeit des FC-Bayern kümmern könne – wohlmöglich als „gutes“ Vorbild, das er immer noch sei. - Alles das ist zwar zur Resozialisierung eines verurteilten Steuersünders selbstredend auch sehr gut. Nur ist der ausgefallene Gedanke ziemlich daneben, dass es ausgerechnet erst der FC-Bayern gewesen sei, der die „Würde“ des Herrn Hoeneß wiederhergestellt habe. Bekanntermaßen ist die Würde eines Menschen „unveräußerlich“. Sie besteht daher auch in einem Gefängnis, vorausgesetzt es wird rechtsstaatlich geführt, selbstverständlich weiter. Wenn jemand sich seine „Würde“ genommen hat, dann war es Herr Hoeneß selbst ebenda als er die Steuern hinterzog und meinte, so einfach davon kommen zu können. Das dürfte auch uneingeschränkt für die griechischen Steuerhinterzieher und Steuerflüchtlinge gelten. Sollte daher die griechische Finanzbehörde bei der rechtmäßigen Eintreibung der Steuern überfordert sein, dann würde ich zunächst einmal den einfachen Menschen auf der Straße fragen, wen er dann zu den reichsten fünfzig Griechen zähle, von denen er annehmen könne, sie hätten die Steuern u.U. nicht (vollständig) gezahlt. Hier kann man ja schon aus dem Kopf heraus anfangen, bis das Finanzamt technisch auf der Höhe ist, um zu ermitteln. Im Übrigen tut das in Deutschland besonders gerne der Finanzminister von Nord-Rhein-Westphalen, der des Öfteren mal eben „gezogene“ Steuer-CDs aus der Schweiz ankauft, ohne deshalb sofort einen Prozess an der Backe zu haben, wie sein Amtskollege G. Varoufakis unverständlicher Weise in Griechenland. Was spricht denn dagegen die wahren Steuersünder mit Anfangsverdacht der Hinterziehung sofort bei ihrer Einreise in Griechenland zu verhaften? Das wäre dann auch eine Form der internationalen Gerechtigkeit für Ulli Hoeneß (- freilich neben seiner nationalen Gefängnisstrafe)! Die zahlreichen Milliardäre allerdings laufen zu lassen und nur G. Varoufakis den Prozess zu machen, weil sich einen Plan-B zum Grexit ausgedacht hat, hieße, die Welt auf den Kopf zu stellen. Sozialisten stellen dagegen bekanntlich die auf dem Kopf Stehenden weltweit auf die Füße. Das hilft, seine "Würde" zu bewahren!
(31.07.15)     l             

Schauprozess: Varoufakis, so lese ich soeben, soll wegen Hochverrat in Griechenland der Prozess gemacht werden (T-online). Die griechische Regierung soll sich mal nicht lächerlich machen. Der deutsche Finanzminister Schäuble stänkerte noch in der nächtlichen Mammutsitzung über die Möglichkeit eines "Grexit auf Zeit" - öffentlich und ohne Einicht in sein Tun. Und da soll nun der griechische Finanzminister angeklagt werden sollen, weil er - wie die Bundesregierung und die EU nach eigenen Angaben - ebenfalls einen Plan-B bereit gehalten hat? - Hier werden die politischen Strippen wieder einmal hinten herum gezogen, um unliebsame, weil Menschen, die sich nicht beugen lassen, gefügig zu machen und ihnen mit Gewalt zu zeigen, wo der kapitalistische Hammer hängt. Das sind nichts als "Schauprozesse", von denen wir weltweit schon so machen gesehen haben, ohne dass die Weltgemeinschaft etwas dagegen unternimmt.
(30.07.15) 


Der Wahrheitsfetischist: Der Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer tut dummer als er ist. Der offenbarte Wahrheitsfetischist Breuer habe nach eigenen Angaben „nur die Wahrheit gesagt“, wozu er „noch heute stehe“ (vgl. Spiegel online, ebd.). Ganz offensichtlich ist es dem Bank-Chef weder klar gewesen, noch heute klar, „dass auch die Wahrheit – an falscher Stelle geäußert – ein Lapsus sein kann“, wie der zuständige Richter fragte. Umso aufschlussreicher erscheint die kurze Antwort Breuers, der sagte: „Nein …“, womit er tatsächlich sein hemmungsloses Nicht-Wissen an den Tag legte, nur um seinen Satz weiter zu führen mit den Worten: Nein, denn es war ja allgemein bekannt. Und mehr habe ich nicht gesagt.“ (ebd. Spiegel online).
Dieser Folgesatz haut dem Fass jedoch den Boden aus. Breuer - als ehemaliger oberster Chef der Deutschen Bank - kann in einem Interview nicht mehr sagen, als was alle sowieso schon zu wissen vorgeben sollten? Warum hat er dann aber überhaupt etwas gesagt?
Wenn ein Deutsche-Bank-Chef zu den jährlichen millionenschweren Großverdienern des Management gehört und nichts weiter zu sagen hat, dann frage ich mich ernstlich, warum ich nicht ebenfalls Millionen verdiene, indem ich sage, was vor aller Augen offen steht? Ein jeder Lügner weiß, wann wer selber lügt. Ich darf mich täglicher reicher schätzen als alle Vorstände zusammen.
(28.07.15)       

     


Erdogan
soll den "Freidensprozess mit den Kurden für beendet" erklärt haben, schreibt soeben Spiegel-online. Damit hat Erdogan die Fronten gewechselt. Das bedeutet: Er muss weg vom Fenster (politischer Entscheidungen)! Hier muss die Bundesregierung ohne Kompromiss hart mit der türkischen Regierung verfahren. So geht es nicht an; selbst dann nicht, wenn man im Kielwasser der Super-USA rudert. Kein politisches Kalkül rechtfertigt "verrückte" Entscheidungen. Hier muss sich die vermeintlich freie Weltgemeinschaft wehrhaft zur Wehr setzen.
(28.07.15)

Neue Asylbewerber/innen:
Seit Tagen werden wieder Kurden im Nordirak politisch verfolgt. Ich bin einmal gespannt, was Herr Seehofer (CSU) aus Bayern dazu sagen wird, wenn in einigen Wochen zahlreiche kurdische Familien - völlig zu Recht (!) - um politisches Aysl im Freistaat Bayern anfragen werden? Hier geht es um eine international verfehlte Politik! Wahrscheinlich wird Herr Seehofer (CSU) die Flüchtlinge aus einem neuen Kriegsgebiet aus völlig falschen, politischen Rücksichten schnell ablehnen lassen und abschieben wollen. - So sieht europäische Flüchtlingspolitik derzeit aus (- vor allem in den osteuropäischen EU-Staaten).  
(28.07.15) 

Zeit, etwas zu tun:
"Putin schlägt Blatter für den Nobelpreis vor" (T-online, 28.07.15), so die Schlagzeile von heute. Dazu nicht minder erstaunlich: Obama kann nicht zwischen Peschmerga-Kurden und der IS bzw. zwischen Edward Snowden unterscheiden. Alle gefährdeten die "Nationale Sicherheit". Dazukommen noch eine handvoll menschenverachtende Diktatoren (auf fast allen Kontinenten), die zeitweise von sich reden machen. - Ich glaube wir werden von Menschen regiert, denen es an gesunder Urteilskraft fehlt. Die Verrückten übernehmen die Weltherrschaft! Und die meisten Politiker/innen sehen wort- und tatenlos dabei zu (vgl. auch den UN-Sicherheitsrat, etc.). - Dagegen muss schnellstens etwas kompromissloses getan werden, sonst endet das in einer schlimmen Katastrophe!
(28.07.15 


Ohne Kompromiss: Es ist an der Zeit sowohl dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan als auch dem amerikanischen Präsidenten Obama genau auf die Finger zu sehen und gegebenenfalls auch drauf zu schlagen. Es kann nicht sein, dass beide Präsidenten, die jeder auf seine eigene Weise die Menschenrechte nicht achten (siehe: Guantanamo auf Kuba sowie die Insel-Isolationshaft von Öcalan vor der Türkei), plötzlich nicht mehr unterscheiden können zwischen der Kurdischen Befreiungsfront (PKK) und den  IS-Terroristen. Wenn Erdogan glaubt, er könne ein tapferes Schneiderlein der Terrorbekämpfung werden, indem er kurzer Hand gegen die Kurden Panzer auffahren lässt und gegen den IS Jagdbomber aufsteigen lässt, dann muss man ihm klar sagen, dass er bezüglich der Kurden mit dem Feuer spielt, weil er hier Feuer mit Feuer bekämpfen will. Sollten die USA ihn in der Kurdenfrage undifferenziert unterstützen, weil sie einen neuen und u.U. auch wachsenden Absatzmarkt für ihr Kriegsmaterial in der Türkei sehen, dann muss die EU massiv sowohl auf Erdogan als auch auf den unseligen Friedensnobelpreisträger Obama politischen Einfluss nehmen. Das Erfolgskriterium muss sowohl eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Kurden als auch eine politische Autonomisierung der Kurdengebiete sein. Auf der anderen Seite muss eine völlige Vernichtung des IS-Terrors stehen, dessen Überwindung dann ebenfalls eine Verbesserung der Lebensbedingungen der unterdrückten Moslime vor Ort nach sich zieht. Die Menschen hier wie dort müssen im Mittelpunkt des politischen und militärischen Interesses stehen und nicht hemdsärmelige Machtinteressen von möchte gerne Supermächten und ihren Vasallen. - Was sagt die Nato? Was Menschenrechtsorganisationen?
(27.07.15)         



Nicht allein: Das Bistum Limburg soll sich mal nicht lächerlich machen. Einen Schadensersatz von ca. 3,9 Millionen Euro von dem ehemaligen Bischof zu forden, ist fast ebenso dreist, wie die Summe für besondere Annehmlichkeiten zu verbauen. Der Bischof war sicherlich nicht alleine in seinem Bistum tätig. Die verantwortlichen Aufsichtsräte, die bisher alle Schuld abgewälzt haben, aber bei Zeiten dennoch nicht eingeschritten sind, sollten ebenfals in Regreß genommen werden. Bei diesem Bauprojekt aben eine ganze Reihe Involvierter geschlafen. Es gibt daher nicht nur einen "Buhmann", der nach Rom abgeschoben werden konnte.
(23.07.15) 



Wär ich Grieche,
blieb ich hart. Der Finanzkompromiss mit der EU müsste zurück nach Brüssel, um dort erneut nachgebessert zu werden. So geht es nicht.
(14.07.15)


Deutsch-Europäische Logik:
Der Grieche Aristoteles gilt bekannter Weise als Begründer der klassischen Logik. Seine Lehre von der Verkünpfung zweier Urteile hin zu einem dritten heißt "Syllogismus". - Dies ist nun ein europäischer Syllogismus:
Die deutsche Kanzlerin Merkel sagt: "Es gibt mehr Vorteile als Nachteile." EU Präsident Juncker sagt: "Es gibt keine Sieger und Verlierer." Die Conclusio aus diesen beiden Prämissen lautet also: "Der deutsche Finanzminister Schäuble muss zurücktreten." - Das wäre gut so. Es wäre zwar nicht ganz konsequent, aber allenfalls überfällig! Oder anders ausgedrückt: Die Kuh ist vom Eis, jetzt beginnt sie zu ertrinken.
(13.07.15) 


Pünklich, aber noch vor der Zeit:
"Nicht um jeden Preis", sagte Angela Merkel in Brüssel zu den Verhandlungen mit Griechenland. Ich aber sage: Apokalypse. Klingelingeling ... Die Zeit für die Kanzlerin ist abgelaufen und ihr politischer Totengräber heißt Wolfgang Schäuble. 
Das gibt es nicht alle Tage: Mein griechischer Freund Sokrates Evangelios Allpopulos stieß mit mir per Skyp mit einem extravagenten "Rotkäppchen" an. So kann es kommen.
(12.07.15)

Drehen und Wenden:
Wolfgang Schäuble ist gleichsam die wahre Schlange. Er windet sich, weil er zunehmend einsehen muss, dass seine Auffassung von resteuropäischer Finanzpolitik (harte Kriterien für Kredite und deren Zurückzahlungen mit Zinseszins zur eigenen Profitsteigerung) mit der tatsächlich vorfindbaren Realität (z.B. in Griechenland) kollidiert. Deshalb muss – ganz im Sinne eines Finanzlobbyisten (Bankenrettung statt Armutsbekämpfung) – mit gezinkten Karten gespielt werden. Giannis Varoufakis hat Recht, wenn er die resteuropäischen Strategien der Merkel- und Juncker-Politik mit dem Wort beschreibt: „ Es seien laufend „neue Kredite an eine bankrotte Einheit [wie Griechenland] vergeben worden, während so getan wurde als bleibe sie solvent“ (T-online, 11.07.15).
Diese Heuchelei gehört wesentlich zum resteuropäischen Politikstil. Sie wird in den Letzten Tagen sogar zunehmend sogar von Sigmar Gabriel (SPD) praktiziert, der sich dadurch eine scharfe innenpolitische Grenzlinie zur bundesdeutschen Linken erhofft und dafür wohlwissend in Kauf nimmt, bei der Internationalen, sozialistischen Linken nicht ganz ernst genommen zu werden. – Wie sollte er auch, denn diese offensichtliche Heuchelei in Form von handfesten Lügenmythen bestimmt die Politik der letzten Wochen, Monate und Jahre bis heute. Zu diesen ökonomischen Mythen gehört es auch, dass es keinen Verantwortlichen für die wirtschaftliche Misere der Griechen gibt - außer den Griechen selbst (vgl.: Oliver Blanchard, T-online, ebd.). Das "Opfer" der Sparauflagen des IWF und anderer Gläubiger ist also eigentlich der "Täter". Das vermeintliche "Opfer", also Griechenland, hat sich demnach selbst getötet, quasi aus freien Stücken geht die griechische Wirtschaft Pleite - ohne dass interagiert worden wäre mit anderen Ländern, weshalb man überhaupt erst von "Wirtschaft" sprechen kann!  Sollte nun Oliver Blanchard recht mit seiner These haben, dass Griechenland eigentlich schon seit 2010 pleite gewesen sei, dann hat eben auch Giannis Varoufakis recht (siehe oben), wenn er die Verantwortung der Überschuldung Griechenland den gutbürgerlichen Vorgängerregierungen zuspricht. Das ist ein Punkt, an dem sich Wolfgang Schäuble wohl wieder drehen und wenden wird, nur um unklar bleiben zu können und sich wiederholt zu häuten. Alternativen zu diesen bürgerlichen Widersprüchen ließen sich übrigens besonders gut im Trierer Karl-Marx-Museum studieren. Die politisch so weit verbreitete Argumentation der "Verantwortungslosigkeit" mangels "Tätersubjekte" hat Günther Anders in seiner technikkritischen Philosohie zuerst entwicklt (vgl. G. Anders: Die Antiquierheit des Menschen, wozu auch kapitalistische Formen der Ökologie gehören).  
Ungeachtet dessen will aber der deutsche Finanzminister erklärtermaßen Griechenland aus der Eurozone hinausdrängen – und sei es nur „auf Zeit“ und nur auf Probe, wie er erklärt (vgl. t-online, ebd.), während Kanzlerin Frau Merkel immer das Gegenteil wünscht, ohne etwas Besonderes dafür zu tun, als nur zu beklagen, dass es wohl nicht reiche! (Die Frage ist hier: für WEN?) –
Was aber tatsächlich NICHT „reicht“, ist eine Resteuropäische Einigkeit in dem Willen, nicht auf Kosten anderer Finanzprofitgeschäfte (für die Banken) zu tätigen.
An diesem Punkt muss eine komplett andere gesamteuropäische – und nicht nur resteuropäische (!) – Wirtschafts- und Finanzpolitik ansetzen, die vor allem eines sein muss: sozial – und zwar nicht im Verständnis der Resteuropäer (ohne Griechenland u.a.), sondern im Sinne einer gemeinsamen Arbeitsmarktpolitik, zu der auch die Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden gehört. Mit anderen Worten: Wir brauchen einen klaren Politikwechsel in Europa und kein weiteres Gewinde und Geschachere spießbürgerlicher Polithallunken auf der Grundlage eines profitkapitalistischen Resteuropas, wie es derzeit von W. Schäuble um jeden Preis erhalten werden soll – eben auf Kosten immer anderer. Hier ist ein Kalkül am Werk: Z.B. "Nachsitzen", "Nacharbeiten" und "Verbessern", nur nichts zugeben oder zugestehen.
(11.07.15)      

Abhörskandal NSA: Es ist mir völlig unverständlich, weshalb die verantwortlichen Pappnasen in Berlin nicht als erste Sofortmaßmahme ein ordentliches Asyl für den Whistleblower Edward Snowden beantragen. Dass das Kanzleramt und die Bundesregierung kein gesteigertes Interrese an einem Aufenthalt Snowdens in Berlin haben, kann ich ja noch verstehen, weil dann allenthalben einige politische Köpfe rollen würden. Dass aber die verschiedenen Fraktioen sich nicht zusammenrotten, um erneut einen überparteiischen Antrag zu erstellen oder alternative Wege für ein dauerhaftes Bleiberecht für Snowden auszuloten, ist mir absolut unverständlich und längst hinter dem Verfallsdatum, wenn man bedenkt, mit wieviel krimmineller Engergie, Lüge und Arroganz die NSA und andere Verantwortliche in den USA und auf deutschem Hoheitsgebiet agieren.  
(10.07.15)

Frisches Geld: Es ist schon eine seltsame Formulierung bezüglich eines banalen Zahlungsmittels. Eine Formulierung, die eher bei Nahrungsmittel verwendung findet, die zudem leicht verderblich sind, wie z.B. bei frischem Fisch oder frischem Obst. Was aber soll "frisches" Geld bedeuten? Soll hier eventuell an "frische Frisuren" erinnert werden, die - laut Werbung - selbst groben Stürmen standhalten oder soll nur an ein neues Styling gemahnt werden, wie z.B. an die alte griechische Drachme?          
Die verantwortlichen resteuropäischen Politiker tun sich mit dem entschiedenen griechischen Nein zu mehr Sparauflagen bei Renten, Löhnen und höheren Steuern für die Allgemeinheit schwer. Ja, sie sind geradezu sprachlos angesichts der Alternative, die sich in Griechenland zum neoliberalen Finanzkapitalismus Resteuropas und seinen politischen Lobbyisten auftut.  
Da glauben die Restpolitiker/innen der EU tatsächlich, sie könnten das griechische Volk erpressen, indem sie den vermeintlichen Euo-„Geldhahn“ zudrehen, wie wenn man einen überlebenswichtigen Wasserhahn zudreht, um das Volk auszuhungern. Dabei hätte wohl so viel Unverstand selbst der griechische Ex-Finanzminister Gannis Varoufakis seinem deutschen Amtskollegen und anderen mehr nicht einmal zugestanden. Ganz im Gegenteil:
Vielleicht zeichnet sich die historisch einmalige Chance jetzt in Griechenland ab, ein Experiment weiterzuführen, das 1916 von dem deutsch-argentinischen Kaufmann Silvio Gesell in einem Buch „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ entworfen wurde und zeitweise in Österreich für einen lokalen, wirtschaftlichen Aufschwung ungeahnten Ausmaßeses sorgte, bis es 1933 in den USA durch ein Gesetz von Präsident Rossevelt verboten wurde. Dieser  wurde von den amerikanischen Bankern der Nationalbank vorgewarnt, wonach die Einführung des so genannten „Freigeldes“ nach Silvio Gesell das gesamte amerikanische Geldsystem umstrukturieren würde, was nicht im Sinne kapitalistische Geschäftspraktiken sein könne. Ein Jahr später wurde das Experiment des „Freigeldes“ auch in Europa verboten.
Derzeit gibt es jedoch wieder lokal begrenzte „Tauschringe“ in vielen Städten Deutschlands, die als gültige Parallelwährung z.B. einen „Treverer“ eingeführt haben und dadurch vielen Menschen, die vom Bargeldbesitz – aus sehr vielen, sehr unterschiedlichen Gründen - abgeschnitten sind, helfen am kulturellen und wirtschaftlichen Leben weiterhin mit Würde teilzunehmen.

In meiner „Abhandlung über Gerechtigkeit: eythys = sofort. Bestandsaufnahme und Akzentuierung. Beitrag zu einer moralischen Erkenntnistheorie“ aus dem Jahre 2004, die ich für meine damalige Schule, dem AVG in Trier, geschrieben hatte, als es darum ging, ob die Schulgemeinschaft Schulbau- und Entwicklungspatenschaften in Indien übernehmen sollte, findet sich am Ende des Buches ein Kapitel zur Freigeldlehre nach Silvio Gesell, das an dieser Stelle nun erstmals frei zugänglich veröffentlich werden soll. Das Kapitel zu Gesell wird eingeleitet von einer Begebenheit, die mir ein guter Freund zukommen gelassen hat, mit dem ich an der Schule ein Projekt zum Thema „Erlassjahr 2000“ durchgeführt hatte.

Ich bin der nicht unbegründeten Überzeugung, dass die griechische Regierung, wenn sie denn von den resteuropäischen Regierungschefs vor die Euro-Eintrittstür gesetzt werden sollten, mit der Einführung eines parallelen „Freigelds“ zum bestehenden Euro, zeigen könnten, dass es in der Tat Alternativen zum „Euro-Geld“ gibt, die nichtkapitalistischer Natur sind. Das Wort "Grexit" sollte schon jetzt zum Unwort des Jahres auserkoren werden!

Im Folgenden wird das Kapitel aus meiner Abhandlung auf ca. 22 Seiten zu lesen sein mit einer kritischen Schlussdiskussion:
    
    6. 8 Silvio Gesell und Margrit Kennedy: Geldlos wirtschaften
Die Initiative Ordensleute für den Frieden ist vielleicht den wenigsten LeserInnen bekannt. Dennoch macht sie durch regelmäßige Aktionen auf sich Aufmerksam. Die Gegenwelt einer christlich motivierten „Kontrastgesellschaft“, von der Duchrow weiter oben sprach, wird hier zu leben versucht. Erfahren habe ich von dieser Initiative durch meinen Studienfreund, Thomas Schwiedessen, mit dem ich die ersten Studienjahre in Trier in unmittelbarer Nachbarschaft gewohnt hatte und der jetzt bei den Afrikamissionaren „Weiße Väter“ in Ghana arbeitet. Während seiner ersten Recollectio zur Jahrtausendwende in Trier haben wir u.a. ein gemeinsames Projekt zum Thema „Erlassjahr 2000“ am Auguste-Viktoria-Gymnasium durchgeführt. Ihm verdanke ich vor allem den Hinweis auf die Lektüre des Befreiungstheologen Enrique Dussel. Außerdem habe ich den folgenden Bericht von ihm erhalten, in dem eine Mitschwester der Initiative ein persönliches Plädoyer vor Gericht ablegt.[1] Vor Gottes Angesicht kann selbst ein moderner Rechtsstaat ungerecht erscheinen und deshalb vor dem eigenen Gewissen Widerstand unausweichlich geboten sein.  Ich möchte den etwas längeren Text im Folgenden wiedergeben, weil er sich als Einleitung zu diesem letzten Kapitel lesen lässt.
   Unser Geld ist verfassungswidrig! 
Zur Vorgeschichte: Vier IOFlerinnen (Initiative Ordensleute für den Frieden) hatten sich in den letzten Monaten [im Jahr 2000, J.V.] vor Gericht zu verantworten, weil sie staatsanwaltlich angeordnete Geldbußen nicht bezahlt hatten. Alle vier wurden gerichtlich zur Zahlung von Geldstrafen verurteilt und warten nun auf die Vollsteckung des Urteils. Freiwillig zahlen wollen sie nicht. Zur Anordnung der Geldbußen kam es aufgrund zweier Mahnwachen während des Pfingstkapitels 1999: die erste Mahnwache fand in der Schalterhalle der Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Bank in Köln statt, die zweite vor dem Bundeskanzleramt in Bonn. Am 27.Juni 2000 hatte die „Kleine Schwester“ [so heißt die Ordensgemeinschaft, J.V.] Monika-Maria, IOFlerin aus Frankfurt am Main, ihre Verhandlung wegen der Bannmeilenverletzung vor dem Bonner Amtsgericht. [Die sog. ‚Bannmeile’ war ein Bezirk in Bonn um den alten Bundestag herum, innerhalb dessen keine Demonstrationen aus Sicherheitsaspekten und wegen der partei-politischern Neutralität wegen stattfinden durften, J.V.] Wir dokumentieren im Folgenden eine Erklärung, die sie vor dem Richter abgeben hat in einer gekürzten Version.     Die Erklärung von Schwester Monika-Maria:   Zu meiner Person möchte ich sagen: Ich bin seit über 20 Jahren katholische Ordensfrau. Ich habe jahrelang in den Slums von Haiti mittendrin gelebt. Die Situation dort gleicht einem Konzentrationslager, es gab und gibt fast nichts zu essen. Unsere Nachbarn dort haben sich teilweise von den verbleibenden Mangobäumen unreife Früchte geholt, sie geröstet, um überhaupt irgend etwas essen zu können. Wir, als Schwesterngemeinschaft, haben selbst von umgerechnet etwa 350,- DM im Monat zu acht gelebt, haben geteilt, was wir konnten … was ist das für sie viele … mein Lieblingskind Enel aus der Nachbarhütte starb bei uns, und so viele andere … Ich kaufte dort im Markt ein. Es gab einzelne Aspirin-Tabletten, Garn fadenweise, fünf zusammengebundene Streichhölzer, Tomatenmark aus den geöffneten kleinen Dosen teelöffelweise, Margarine – ein Messerabstrich … usw. … Als ich die Preise sah, begriff ich das System. Eine Garnrolle fadenweise kostete den Ärmsten etwa 7,- bis 8,- DM, ein Päckchen Aspirin 20,- DM. Ich begriff, dass die Ärmsten am teuersten bezahlen, die Geldbesitzer am billigsten einkaufen und dass die Ärmsten die Großgrundbesitzer subventionieren; sie finanzieren den ständig wachsenden Reichtum einiger wenige.
  Wer sich wehrte, wurde entlassen
Hier in Deutschland habe ich als Reinigungskraft in einer Putzkolonne gearbeitet, als Küchenhilfe und ungelernte Verkaufsfrau in einer Bäckerkette. Ich musste Überstunden machen, die nicht bezahlt wurden und körperliche Hochleistungen vollbringen, z.B. ein Treppenhaus mit breiten Treppenstufen, 122, sechs Stockwerke mit einer großen Eingangshalle, einem Abstieg in den Keller plus Ecken und Geländer in 30 Minuten putzen. Ich habe es versucht, und ich bin – Gott sei Dank – körperlich ziemlich fit -, es war nicht zu schaffen. Wir alle waren schweißgebadet. Wer sich wehrte, wurde entlassen. Es gibt ja Ersatz.   Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Die Antwort finde ich in dem zunehmend härteren Konkurrenz- und Existenzkampf, den ein verfassungswidriges Geldsystem mit sich bringt.   Warum ich es wage, unser so widerspruchloses hingenommenes Geldsystem verfassungswidrig zu nennen, möchte ich aufzeigen: Ich gehe von dem aus, was in unserem Land zur Zeit passiert, von unserer Realität:
-          Die Staatsschulden unseres Landes sind etwa dreimal so hoch wie die jährlichen Steuereinnahmen. Sie sind nicht mehr rückzahlbar.
-          Die Unternehmen unseres Landes bekommen mehr an Subversionen vom Staat zurück, als sie an Gewinnsteuern zahlen.
-          Die Regierung unseres Landes ist deshalb zahlungsunfähig, weil sie o   Sich jährlich neu verschuldet; o   Ihre Zinsen mit dem Abbau von Geldern für Arme und Arbeitslose bezahlt; vielleicht bald auch mit unseren Rentengeldern; o   An Bildung und Dienstleistungen spart; o   Die Investitionen in die Infrastruktur unseres Landes zusammenstreicht; o   Die Massensteuern immer mehr in die Höhe schraubt.   Im Bundeshaushalt haben die Zinslasten mittlerweile die Verteidigungsausgaben von Platz zwei verdrängt, und die gesamte geldbezogene Zinsbelastung unserer Volkswirtschaft mit über 550 Mrd. Mark die Größe des Bundeshaushaltes 1997 überholt (Klaus-Peter Schleisiek).
  Die Schuldenfalle  
Ein anderes konkretes Beispiel aus unserer Nachbarschaft, aus dem Alltag in unserem Volk: Eine Nachbarin nahm einen Kredit im Jahr 1976 auf von 20.000,- DM zu einem Zinssatz. Sie zahlte monatlich 400,- DM ab bis 1991. Da wurde ihr Mann arbeitslos, und sie dachte, jetzt muß doch alles längst abbezahlt sein (72.000,- DM), sie hatte aber immer noch 40.000,- DM Schulden, „unerklärlich“ mit dem Zins- und Zinseszinsgeschäften!! Aufgrund des Einsatzes ihres Betriebsrates erließ ihr die Bank 20.000,- DM, und die 20.000,- DM musste sie wieder aufnehmen.
Gestern erführ ich von einer Bankerin, dass sie ihre Arbeit aufgeben will und umschulen möchte, weil sie gezwungen wird, Leuten Kredite aufzuschwätzen …   Das, was einzelnen in unserem Lande passiert, passiert ganzen Völkern. - Das erinnert an Wucher!! Ist es nicht auch Wucher, wenn Schulden von ärmsten Ländern mehrfach durch die Zins- und Zinseszinsbelastungen eingefordert werden und vom Insolvenzrecht kein Gebrauch gemacht wird? Wenn Völker ihre landwirtschaftliche Produktion dazu verwenden, die Schuldzinsen zu bezahlen, anstatt sie für eine ausreichende Ernährung ihrer Bevölkerung zu verwenden? Die Kinder hungern, damit den Kreditgebern die Zinsen bezahlt werden können, Wucherzinsen!   Verfassungswidrig ist ein solches Geldsystem, weil diese Zinswirtschaft auf Rentabilität ausgerichtet ist und exponentielles Wachstum zur Folge hat. Unser Geldsystem PRODUZIERT Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen (soziale Ungleichheit), Arbeitslosigkeit, Hunger und Krieg …   Die Kehrseite des wachsenden Reichtums ist die wachsende Armut. Ich erfuhr, dass die gesamten Spenden pro Jahr der westlichen Welt dafür ausreichen, dass die ärmsten Länder 12 Tage ihre Zinsen bezahlen können. Ein reicher Mann, Bill Gates, bekommt als einen Tageszins das, was ein normaler Angestellter in 333 Jahren als Lohn bekommt. Das ist schreiendes Unrecht! …   Unser aller Leben steht auf dem Spiel. Wir sehen die erschreckenden Veränderungen in unserem Land. Ursprünglich war der Zins als Niedrigzins dazu gedacht, einen Anreiz zu schaffen, Geld im Umlauf zu halten, denn durch den Liquiditätsvorteil des Geldes sind Geldbesitzer geneigt, Geld zu horten. Mit dem Niedrigzins sollen Geldbesitzer dazu gebracht werden, ihr Geld anderen zur Verfügung zu stellen, um so die Wirtschaft in Gang zu halten. Mittlerweile hat sich durch hohe Zinssätze, durch den Missbrauch von Zins und Zinseszins das Geld in den Händen weniger so vermehrt, dass diese bestimmen, wie hoch der Zins ist. Und sie bestimmen den Zins und Zinseszins unwidersprochen so, dass sich ihre riesigen Geldvermögen weiter in unvorstellbarer Weise vermehren. Sie brauchen an der Börse nur große Aktienpakete zu noch relativ hohem Kurs zu verkaufen, die Kurse sinken, die Kleinaktionäre verkaufen, haben Verluste, später kaufen die Großanleger diese Aktien zu niedrigen Kursen wieder auf und die Differenz nennt sich Spekulationsgewinn. …  
Hinweisen auf den Notstand
Herr Richter, wenn ich Recht habe mit diesen Darlegungen, dass unser Grundgesetz verletzt wird, dass sich Geld und leistungslose Geldvermehrung als höchstes Staatsziel durchsetzen und sogar die Politiker sich nicht mehr dagegen wehren, sondern mitmachen, ist es dann nicht gerade das Notwenige auf eine mir mögliche Weise auf diesen Notstand hinzuweisen? Unsere Politiker tragen Mitverantwortung und haben Möglichkeiten an diesem Missstand etwas zu ändern. Im Artikel § 20a unseres Grundgesetzes ist es verankert: „Der Staat schützt – auch in Verantwortung für die künftigen Generationen – die natürlichen Lebensgrundlagen!“ Die soziale Marktwirtschaft ist durch den Systemfehler in der Geldordnung gefährdet. Eine Geldordnung der Vernunft muss geschaffen und dem Reichtum für wenige ein Ende gesetzt werden. Deswegen musste ich gerade an dem Tor zum Bundeskanzleramt stehen. Die Vertreter der G8-Länder, unser Bundeskanzler [Gerhard Schröder, J.V.], haben erhebliche Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass wieder der Mensch und sein Recht zu Leben, das Gemeinwohl an erster Stelle stehen … dass das Geld, welches eine öffentliche Einrichtung ist, sich nicht in den Taschen weniger hinein vermehren darf, sondern im Umlauf bleiben muss und zum Tausch bestimmt ist. Der Bundeskanzler muss darauf Einfluss nehmen, dafür ist er gewählt worden. Ich berufe mich auf § 15 OwiG. Ich berufe mich auch auf § 16 OwiG. Seit etwa 10 Jahren demonstriere ich schon ohne Bannmeilenverletzung. Ich nahm auch andere Wege wahr und entschied mich letztes Jahr für diese Weise, weil die Umstände sich so drastisch verschlechtern und ich realisiert habe, dass ernstzunehmende Proteste ignoriert werden.
  Unfrei Justiz?  
Was bedeutet ein gewaltfreies Stehen am Bundeskanzleramt im Gegensatz zu der sich dramatisch zuspitzenden Situation in unserem Land und weltweit, steigende geplante Arbeitslosigkeit, vorprogrammierter Crash, geplante Kriege? Sterbende Völker? Sterbende Kinder?   Wenn ich heute bestraft werde, dann muss ich das so deuten, dass unsere Justiz als dritte Gewalt ihre Freiheit verloren hat, dass die soziale Marktwirtschaft begraben ist, dass kapitalistisches Wirtschaften mit leistungsloser Geldvermehrung sich durchzusetzen scheint. Es scheint mir, dass es eine unterschiedliche Justiz für die großen, reichen, einflussreichen Personen gibt und die kleinen Leute, zu denen ich gehöre! Müssen wir dann ehrlicher Weise unser jetziges Grundgesetz abschaffen? Herr Richter, ich möchte mit meiner Einlassung zu einer öffentlichen Nachdenklichkeit betragen. Ich muss so handeln, wenn ich an die an Hunger sterbenden Kinder, die meine Familie sind, (§ 46 OwiG) denke … Aufgrund meiner Ordensberufung gehören für mich die Kinder anderer, mit denen ich lebe, zu meiner Familie. Wir haben die Kinder unserer Nachbarn zum Teil miternährt, geteilt, was wir bekommen…   Wir alle tragen Mitverantwortung und können etwas ändern. Das Finanzsystem ist von Menschen gemacht. Wir können es ändern. Es gibt Konzepte. Ich liebe unser Land, unser Grundgesetz, unsere Demokratie. Herr Richter, es geht alles kaputt, wenn wir das so weiter laufen lassen. Ich kann ein Bußgeld nicht bezahlen, denn damit erkläre ich, dass das, was ich getan habe nicht in Ordnung war. Im Gegenteil, ich musste es tun. Heutzutage befinden sich die Konzentrationslager in der menschenunwürdigen Lebenssituation der ärmeren Länder, die durch das weltweite Geldsystem, bzw. deren Machthaber, verursacht werden. Es gibt dort Massengräber, wie Prof. Ziegler [UN-Kommissar für Entwicklungshilfe, J.V.] es ausdrückte. Ich muss meine Meinung öffentlich herausschreien. Es ist ein Notschrei. Die Menschen dort sterben, wir leben in einer Finanzblasenglocke, die sich kurz vor dem Platzen befindet. Mein Gewissen drängt mich dazu. Die sterbenden Kinder sind mir gegenwärtig … die Benachteiligten … Ich beantrage Freispruch.  
Kleine Schwester Monika-Maria

 
***
Viele Aussagen und Sachverhalte, die Schwester Monika-Maria in ihrem Plädoyer anspricht, haben wir auch weiter oben schon kennen gelernt:
-          Die Situationsbeschreibung in den Slums stimmt mit dem Lagebericht der Befreiungstheologen (vgl. Kap. 2.1) überein.
-    Die Kleine Schwester pointiert die Situation überdeutlich, indem sie einen für deutsche Ohren ungewöhnlichen Vergleich mit „Konzentrationslagern“ der NS-Zeit aussagt (vgl. Kap. 3.8.1).
-    Hunger, Elend und Tod der Bevölkerung und vor allem von (Klein-)Kindern in der sog. „Dritten Welt“ werden schweigend von der großen Masse der Mitteleuropäer hingenommen (vgl. 3.10).
-    Ausbeutung in der Bundesrepublik Deutschland wird geduldet (vgl. Kap. 7).
-    Eine Ursache für die ungehemmte Ausbeutung ist die neo-liberale Ideologie der „Konkurrenz und des Existenzkampfes des einzelnen gegen alle anderen (vgl. Kap. 3.9.4).
-    Neu dagegen ist die Begründung der Kleinen Schwester, vor allem „unser so widerspruchslos hingenommenes Geldsystem verfassungswidrig zu nennen (vgl. oben).
-    Die nachfolgende Realitätsbeschreibung stimmt mit dem überein, was wir bei Duchrow, Walden Bello, Samir Amin und Wolfgang Kessler erfahren und gelernt haben: Staatsneuverschuldung, Subventionen und Steuergeschenke für Unternehmer, Abbau von Sozialleistungen und Bildungsfinanzierungen, Massensteuern werden neu erhoben (vgl. Kap. 3.9.4 u.a.).
  -    Die Schuldenspirale und ihre perfide Logik kennen wir seit den Zeiten des israelischen Propheten Amos aus dem 7. Jahrhundert vor Christus. Sie vollzieht ihr Existenz zerstörerisches Werk mittlerweile auch in der Bundesrepublik Deutschland (vgl. Kap. 2.1. C).
-    Das exponentielle Wachstum einer auf Zinswirtschaft basierenden Rentabilität haben wir Karl Marx kennen gelernt sowie die Dialektik von Armut und Reichtum (vgl. Kap. 3.9.4).
-    Wir haben des Weiteren gesehen, dass Gesetze, die allein die Freiheit (aller) präformieren, ungerecht sind. Allein der Blick auf die Gerechtigkeit kann Freiheiten begründen, die ihre Grenze an den Rechten der anderen finden (vgl. 3.5). -    Eine kapitalistische Justiz gestaltet Gesetze zum Vorteil für die (demokratisch legitimierte) herrschende Schicht, wobei unsere Demokratie längst zu einer bloßen Oligarchie verkommen ist (vgl. Kap. 2.1, sowie 3.9.4 und 3.10).
-    Die Korruption, Untätigkeit und Verantwortung der Politiker, am bestehenden Status quo etwas zu verändern, lernten wir spätestens bei  und der Finanzierung der Bildungspolitik kennen (vgl. Kap. 4).
-    Das Kalkül mit militärischer Gewalt bis hin zu Angriffskriegen, für die es jedoch keine UNO-Mandate geben kann, haben wir bei Günther Anders bedacht (vgl. Kap. 3.8.1.1).
-    Grenzenlose Solidarität mit den Ärmsten der Armen überall auf der Welt ist nicht nur ein christliches Ideal, sondern wird auch von Soziologen wie Honneth gesellschaftstheoretisch gefordert (vgl. Kap. 3.9.1 ff).
-    Ein Recht auf Leben und auf ein funktionierendes Gemeinwesen und auf einen gerechten Lohn (vgl. Kap. 3.9.1 sowie Kap. 7).         
-    Die Konsequenz schließlich, handeln zu müssen, teilt Schwester Monika-Maria mit der Einsicht von Prof. Müllers, nach dem es immer auch darauf ankommt, dass gerade „Ich“ gerecht handeln soll (vg. Kap. 3.4).
-    Wir alle tragen Verantwortung (vor Gott) – ein Gedanke der israelitischen Propheten, mit dem sie das Gesetz der Talion des Königs Hammurabi überwanden, hin zu einer allgemeinen Gerechtigkeit und zu einer individuellen Verantwortung (vgl. Kap. 3.2).    

6.8.1 Silvio Gesell’s Freigeldtheorie

A. Der Zusammenhang  
Die Kleine Schwester Monika-Maria argumentierte mit der Aussage, unsere heutige soziale Marktwirtschaft sei vor allem „durch den Systemfehler in der Geldordnung gefährdet“ (vgl. oben).  Ja mehr noch: Unser Geldsystem sei gar „verfassungswidrig“ (ebd.), weil es eine „Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen (soziale Ungleichheit)“ (ebd.) produziere. Den Grund für diese ungerechte Entwicklung sah Schwester Monika-Maria in einer von der Öffentlichkeit unwidersprochenen „Zinswirtschaft“, die auf bloße „Rentabilität ausgerichtet ist und exponentielles Wachstum zur Folge hat“ (ebd.). Demgegenüber verlangte sie, „eine Geldordnung der Vernunft“ (ebd.) zu schaffen, die „dem Reichtum für wenige ein Ende [setzt]“ (ebd.).   Als Beispiel nannte sie das Schicksal einer Frau in der Bundesrepublik, die einen Kredit im Jahre 1976 von 20.000,- DM aufnehmen musste. Die Frau zahlte über 15 Jahre monatlich 400,- DM an Zinsraten ab, so dass sie in diesem Zeitraum eine Rückzahlung von insgesamt 72.000,- DM (!) leistete. Nach diesen 15 Jahren hatte sich jedoch immer noch einen ungetilgten Schuldenberg von sage und schreibe 40.000,- DM, den sie weiterhin abbezahlen sollte. Eigentlich ist diese Summe „unerklärlich“! – Das ist sie jedoch nicht, wenn man von „Wucherzinsen“ und einem „Missbrauch von Zins und Zinseszins“ (ebd.) ausgeht, wodurch ein rein „kapitalistisches Wirtschaften mit leistungsloser Geldvermehrung“ (ebd.) sich gesellschaftlich etabliert. Erst aufgrund einer Intervention des Betriebsrates, der sich mit der Frau solidarisierte und sich gegen die schamlose Ausbeutung der Frau empörte, gelang es, der Frau die Hälfte der Restschulden, also 20.000,- DM zu erlassen. -  Großzügig könnte man meinen, wüsste man nicht, dass die danach noch verbleibende Restschuld ebenso 20.000,- DM ausmachte. – Die ausgebeutete Frau stand nach 15 Jahren also erneut vor dem gleichen Schuldenberg von 20.000,- DM, für den sie wiederum einen Kredit aufnehmen musste, so dass die ganze Schuldenspirale sich von neuem zu ihren Ungunsten zu drehen begann. Der Grund für das ganze Elend ist die gesellschaftlich tolerierte „Zinsschuld“.   „Die Kehrseite des wachsenden Reichtums [z.B. der Bank, J.V.] ist die wachsende Armut [z.B. der Frau, J.V.]“ (ebd.), stellte Schwester Monika-Maria weiter oben fest. Und des weitern bemerkte sie über die Funktion des Zinses:   „Ursprünglich war der Zins als Niederzins dazu gedacht, einen Anreiz zu schaffen, Geld im Umlauf zu halten, denn durch einen Liquiditätsvorteil des Geldes sind Geldbesitzer geneigt, Geld zu horten. Mit dem Niedrigzins sollten Geldbesitzer [aber, J.V.] dazu gebracht werden, ihr Geld anderen zur Verfügung zu stellen, um so die Wirtschaft in Gang zu halten“ (ebd.) – lautet eine auf dem Zins basierende Wirtschaftstheorie. Denn mittlerweile hat sich das Geld in den Händen weniger so sehr vermehrt, dass diese – entsprechend einer Oligarchie – „bestimmen, wie hoch der Zins ist“ (ebd.). Dem sog. „Spekulationsgewinn“ ist weltweit an den üblichen Börsen Tür und Tor geöffnet, um „mit leistungsloser Geldvermehrung“ (ebd.) Differenzbeträge als Reingewinn abzusahnen.   Dagegen fordert die Kleine Schwester von den Finanzpolitikern, dafür zu sorgen, dass der Mensch wieder im Mittelpunkt der Politik stehe und sein Recht auf Leben. Das Geld müsse wieder zum bloßen „Tausch bestimmt werden“ (ebd.), nicht zuletzt auch darum, weil es eine „öffentliche Einrichtung“ (ebd.) ist. Es dürfe somit nicht nur zum Erwerb von wenigen bestimmt sein, die es lediglich zweckentfremdet übermäßig „in die eigene Tasche“ (ebd.) horten.   Mit diese soeben ausführlich dargestellten Aussagen, Forderungen und Konsequenzen, die die Kleine Schwester Monika-Maria in Bezug auf unser kapitalistisches Wirtschaften gezogen hat, hat sie Gedanken von Silvio Gesell antizipiert, dessen „Freigeldtheorie“ nun als Alternative zum zinsbestimmten Geld dargestellt werden soll.[2]    

B. Wörgel – das Beispiel
Der deutsch-argentinische Kaufmann Silvio Gesell (1862-1930) formulierte in seinem 1916 publizierten Buch „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ neue Prinzipien des Geldverkehrs. Ihm war erstens aufgefallen, dass Wirtschaftskrisen sich vor dem ersten Weltkrieg periodisch wiederkehrend einstellten. Zweitens waren sie, wie er beobachtete,  immer mit Preissenkungen und sinkenden Zinsen verbunden. Aus diesen Umständen schloss er nun, dass Preise unter keinen Umständen fallen dürfen.[3]  Wenn bei steigender Warenerzeugung der Zins für sog. Realkapitalien zurückgeht, „weil kein Geld mehr für die Bildung neuer Realkapitalien sich anbietet und der Absatz der hierfür bestimmten Waren … stockt“[4], dann seien wirtschaftliche Krisen unausweichlich. Um diese nun aber zu vermeiden, müsse ein neues Zinssystem etabliert werden, bei dem die Freigabe von Geld nicht nur durch eine Belohnung der Geldbesitzer, also durch Zins, vergütet würde, sondern umgekehrt sollten Geldbesitzer mit einer „Nutzungsgebühr“ belastet werden, wenn sie ihr Geld vom Umlauf zurückhielten. Dadurch würden Zinsen nicht wie heute einen privaten Gewinn darstellen, sondern die zu zahlende Nutzungsgebühr würde eine neue öffentliche Einnahmequelle eröffnen, die der Gemeinschaft zugute käme. Hinter diesem Gedanken steht die These von Silvio Gesell, dass das Wesen des Geldes nur darin besteht, den Warenaustausch durch ein Zahlungsmittel zu gewährleisten. Auf der gleichen Argumentationslinie forderte die Kleine Schwester weiter oben, dass das Geld wieder zum bloßen „Tausch bestimmt werden müsse“ (ebd.), nicht zuletzt auch darum, weil es eine „öffentliche Einrichtung“ (ebd.) ist. Es dürfe somit nicht nur zum Erwerb von wenigen bestimmt sein, die es lediglich zweckentfremdet übermäßig „in die eigene Tasche“ (ebd.) horten. Silvio Gesell nannte sein  Geld, das „frei“ von Zinsauflagen ist, „Freigeld“.   Margrit Kennedy, eine der prominentesten Befürworterinnen der Freigeldlehre von Silvio Gesell, berichtet von ersten Experimenten in den frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Spanien, in Frankreich und sogar in den USA gab es Städte und Gemeinden, die das „Freigeld“ eingeführt hatten, um die hohe Arbeitslosigkeit der zwanziger und dreißiger Jahre zu lindern. Das bekannteste Beispiel ist die österreichische Gemeinde in Wörgel, die damals 4200 Einwohner aufwies. Der Bürgermeister hatte das Buch der „natürlichen Wirtschaftsordnung“ gelesen und überredete den Gemeinderat das Experiment von Silvio Gesell zu wagen.   Es wurde ein Wohlfahrtsausschuss eingerichtet, der eigene Geldscheine ausgab, die mit einem Gegenwert von 32.000 Schillingen gedeckt waren. Die Gemeinde, die Geschäftsleute und die meisten Bürger zahlten alle Rechnungen und Löhne, die anfielen, nur noch mit diesem „Freigeld“. Die Nutzungsgebühr für das Geld betrug 1% monatlich, um die Abwertung auszugleichen. Sie musste von demjenigen bezahlt werden, der das Geld am Ende des Monats besaß. Um dieser Gebühr zu entgehen, zahlten die Bürger von Wörgel nun ihre Steuern sogar im voraus. Der impulsgebende wirtschaftliche Effekt bestand jetzt darin, dass der zuvor ins Stocken gekommene Steuerfluss wieder rotierte. Die Gemeinde ließ mit den wieder neu eingenommen Steuergeldern eine Skisprunganlage bauen und verbesserte die Infrastruktur, um neue Touristen zusätzlich nach Wörgel zu bewegen. „Innerhalb eines Jahres, so berichtet Margrit Kennedy, waren die 32.000 Arbeitsbestätigungen 463mal umgelaufen und hatten auf diese Weise Güter und Dienstleistungen im Werte von (32.000 x 463 =) 14.816.000  Schillingen ermöglicht.“[5]   Durch die Einführung des Freigeldes wurde die Arbeitslosenquote in Wörgel um 25% innerhalb eines Jahres gesenkt. Die anstelle der Zinsen eingenommen Nutzungsgebühren betrugen 12%, also 3840 Schillinge, die für die oben genannten öffentliche Zwecke zum Wohle der Gemeinschaft verwandt wurden. Das alles geschah in einer Zeit, die von wirtschaftlichen Krisen nur so geschüttelt wurde, und in der viele andere Länder in Europa mit steigenden Arbeitslosenzahlen zu kämpfen hatten.   Als über 160 weitere Städte und Gemeinden erwägten, ebenfalls Freigeld einzuführen, sah sich die österreichische Nationalbank jedoch alsbald genötigt, die weitere Verwendung dieses Geldes zu verbieten. Die Nationalbank fürchtete ihr Geldmonopol zu verlieren. Auch in den anderen Länden untersagten die Notenbanken den Gebrauch von sog. „Notgeld“ (- aus ihrer Sicht). Jedoch „stiegen daraufhin die Tauschgesellschaften auf bargeldlose Zahlungsmittel um“[6], denn wenn Geld lediglich auf den Zweck des Warentausches reduziert wird, kommt man auch ohne offizielles (nationales) Geld aus. Der „Notgeldverordnung“ ihrer Regierungen setzen die Tauschvereinigungen sog. „Ausgleichskassen“ entgegen. Erst 1934 wurde durch das gänzliche „Verbot von Einlagen“[7], worunter auch Bargeldabhebungen fielen, den Freigeldexperimenten in Europa ein Ende gemacht. Allerdings begann jetzt der Versuch, das Freigeld im Sinne Gesells in den USA einzuführen. 1933 sagte der bekannteste US-amerikanische Ökonom Irving Fisher, der sich selbst als ein Schüler Gesells bezeichnete: Das Freigeld „könnte der Beste Regulator der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sein, die der verwirrendste Faktor in der Stabilisierung des Preisniveaus ist. Bei richtiger Anwendung könnte es uns tatsächlich binnen weniger Wochen aus der Krise heraushelfen.“[8] Es war geplant das Freigeld in mehreren hundert Städten nach dem Vorbild von Wörgel in den USA einzuführen. Auf vielen Regierungsebenen beschäftigten sich die amerikanischen Beamten mit den Anträgen der Städte, die sich davon Versprachen die hohe Arbeitslosigkeit nachhaltig zu bekämpfen. Doch sah sich keine Verwaltungsebene in der Lage, die Verantwortung für eine so weit reichende Neuerung zu übernehmen. Schließlich verbot auch Präsident Roosevelt im März 1933 die Herausgabe von sog. „Notgeld“. Seine Einführung wäre eine Maßnahme, die das gesamte amerikanische Geldsystem umstrukturiert hätte, was schon damals nicht gewollt war – besonders nicht von der amerikanischen Nationalbank!       

Ein erneuter Anlauf
Wollte man den Ansatz von Silvio Gesell heutzutage erneut aufgreifen, dann müsste als erstes sichergestellt werden, dass der Geldverkehr von seiner an die Erhebung von Zinsen gebundenen exponentiellen Mehrwertentwicklung abgekoppelt würde. Wirtschaftliches Wachstum ist derzeit nicht an die Bedingungen des „natürlichen Wachstums“ gebunden, sondern an die neo-liberalistische Ideologie des Kapitalismus. Diese Ideologie setzt beständiges Wirtschaftswachstum voraus, d.h. nicht nur ein beständiges Wachstum, sondern darüber hinaus eine ständig größer werdende Wachstumsrate. Eine solche exponentielle Kurve würde steil in den Himmel ragen, während eine natürliche Wachstumsrate nach einem gewissen Anstieg parallel zu den zeitlichen Bedingungen verlaufen würde, die verhindern, dass der Anstieg der Wachstumskurve ungebremst in den Himmel wachsen würde. Ein exponentielles Wachstum widerspricht allen Naturgesetzen. In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts war vor allem die sog. Hochzinspolitik der USA dafür verantwortlich, dass zahlreiche Entwicklungsländer in die Schuldenfalle gerieten, deren Struktur sich seit den Zeiten des Propheten Amos 750 v. Chr. nicht geändert hat, wie wir schon weiter oben ausführlich berichtet haben. Wenn nun aber der Zins entfällt, dann müssen auch die Banken für ihre Anleihen die ‚Nutzungsgebühr des Freigeldes’ bezahlen, insofern sie ihr Geld nicht an die Kunden weiterleiten. Der Vorteil allerdings ist, dass das Geld stabil bleibt, weil aufgrund des Wegfalls der Zinsen ebenso die Inflation entfällt. Die Aufgaben der Banken würden nicht wegfallen, es würden also keine Arbeitsplätze abgebaut werden. Durch die ‚Nutzungsgebühren des Freigeldes’ fiele ein Betrag von maximal 1,5% gegenüber einem vergleichbaren Betrag von 8,5% bei zinstragendem Geld. Im Einzelnen setzen sich die beiden Beträge für die Kreditkosten wie folgt zusammen:   1) bei zinstragendem Geld:                                   2) bei der ‚Nutzungsgebühr des Freigeldes’: a) Arbeit der Bank:           0,7%                            a) Arbeit der Bank                           0,7% b) Risikoprämie:               0,8%                            b) Risikoprämie                               0,8% c) Liquiditätsprämie          3.0%                           c) Liquiditätsprämie                         0.0% d) Inflationsausgleich        4,0%                           d) Inflationsausgleich                       0,0%                            

Der Unterschied von 7% ist heutzutage schon in die geltenden Preise, die von allen Verbrauchern bezahlt werden müssen mit eingerechnet. Bei der Nutzung von Freigeld entfielen aber diese 7%, so dass jeder, der eine Ausbildung oder eine Wohnung braucht, nicht wie heute üblich das doppelte für einen Kredit zurückzahlt, sondern im Laufe seines Lebens einen adäquaten Gegenwert in den Kreislauf der Volkswirtschaft zurückzahlt. Der übliche Zins ist also nicht „verteilungsneutral“[9], weil seine Erträge privatisiert werden, während das Freigeldkonzept von Silvio Gesell die zu entrichtende Nutzungsgebühr ‚vergesellschaftlicht’, so dass sie der Allgemeinheit zu Gute kommen kann. Der Vorteil sowohl für die Banken als auch für die die Endverbraucher liegt auf der Hand, denn für beide reduziert sich das Verschuldungs- und Überschuldungsrisiko erheblich. Ein Fall, wie der von der Kleinen Schwester Monika-Maria oben beschrieben, in dem eine Frau jahrzehntelang ihren Kredit abbezahlen mussten, um nach einer Entschuldung einen neunen Kredit wieder aufnehmen zu müssen, wäre mit dem Geldsystem von Silvio Gesell ausgeschlossen.   Würde eine solche Geldreform tatsächlich durchgeführt werden, so würden „achtzig bis neunzig Prozent der Bevölkerung, die beim heutigen System draufzahlen, einen enormen Zuwachs an Kaufkraft (etwa dreißig bis fünfzig Prozent)“[10] erhalten. Die restlichen 10% der heutigen Geldbesitzer könnten auf eine „langfristige gleich bleibende Erhaltung ihrer Geldvermögen“[11] rechnen. Was für sie allerdings wegfiele, wäre ein Zuwachs ihrer Vermögen ohne eigene Arbeit, denn der Zins würde nicht mehr an ihrer Stelle für sie schaffen.    Aus dem Blickwinkel von Rousseau betrachtet wäre das zwar ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch würde sich das durch „Usurpation“ (lat. Inanspruchnahme, hier besser: Diebstahl) bemächtigte Eigentumsgefälle in einer bestehenden Gesellschaft zunächst nicht verändern. Nach Rousseau wären also noch keine gerechten Gesellschaftsverhältnisse hergestellt, denn die Besitzenden hätten nach wie vor auf sehr clevere Art und Weise ihre Vorteile gegenüber allen andern abgesichert! So resümiert Margrit Kennedy schließlich: „Was die Einführung eines Neutralen Geldsystems [nach Silvio Gesell, J.V.] nicht automatisch löst, ist das Problem, wie mit der bisher entstandenen Ungleichheit umgegangen wird.“[12]  Eine unter vielen anderen Möglichkeiten wäre die Einführung einer hohen Erbschafts- und Vermögenssteuer, die politisch parallel eingeführt werden müsste.   Der Geldreform muss darüber hinaus eine gleichzeitige Bodenreform gegenüber gestellt werden, damit beim Übergang vom bestehenden System zum ‚Freigeldsystem’ nach Silvio Gesell „eine Flucht in andere Kapitalien“[13] verhindert wird. Ein ökologischer Umgang mit der Natur, wie ihn nicht zuletzt auch Bernhard Verbeek gefordert hatte, um den Konsequenzen einer von ihm beschreibenden fortschreitenden Umweltzerstörung noch zu entgehen, ist die vordringliche Aufgabe einer funktionierenden Steuerreform, die ebenfalls mit der oben dargestellten Umstrukturierung des Geldsystems einhergehen muss.     Die abschließende Tabelle verdeutlicht noch einmal den wesentlichen Unterschied zwischen dem bestehenden zinstragendem System und der ‚Nutzungsgebühr’ nach Silvio Gesell:                                                    
Umlaufsicherung durch   1. Zinsen                                                                                            2. Nutzungsgebühren   + 6-8%     für langfristige Anlagen + 3-6%     für kurzfristige Anlagen + 0,5- 1% für Girokonten +/- 0%      für Bargeld                                                                       dagegen                                                                                            +/- 0%     für langfristige Anlagen                                                                                             - 0,5-1% für kurzfristige Anlagen                                                                                       - 3-6%    für Girokonten                                                                                       - 6-8%    für Bargeld

Im Gegensatz zu den bestehenden Zinsen, die Einnahmen aus Geld ermöglichen, wenn das Geld verliehen wird, verursacht die Nutzungsgebühr Kosten, die entstehen, wenn das Geld zurückgehalten wird. In beiden Fällen sind die langfristigen Anlagen die günstigsten. Zinsen bilden jedoch vorwiegend eine nur private Einnahmequelle. Sie wachsen durch den Zinses-Zinseffekt exponentiell. Die Nutzungsgebühr dagegen ist eine staatliche Einnahmequelle. Sie erhöht sich nur in dem Maße wie mehr Geld nötig ist, um alle Transaktionen abzuwickeln, d.h.: Die Nutzungsgebühr entspricht dem natürlichen Wachstum.[14]                       

C. Kritik
Freilich gibt es auch kritische Stimmen gegen die Freigeldlehre von Silvio Gesell. Besonders die Gegenargumente von Franz Gächter[15] wollen wir jetzt ansehen Nach Gächter begeht Gesell einen entscheidenden Denkfehler: Statt sinkende Preise als „Folge einer Wirtschaftskrise“[16] aufzufassen, sehe Gesell in den sinken Preisen die Ursache der Krise. Das sei aber falsch. Denn die Wiederbelebung der Wirtschaft in Wörgel verdankte sich nach Gächter allein der verbesserten Zahlungsmoral der Bürger, nicht aber einer vorangegangenen Zinssenkung. Dass gerade das Beispiel von Wörgel als Paradebeispiel der Freigeldlehre zu sehen sei, verdanke sich lediglich dem glücklichen Umstand, dass das Freigeld mit der Notgeldverordnung von 1933 durch die Nationalbank verboten wurde. Wäre dieses Verbot nicht ausgesprochen worden, so hätte sich das Experiment von Wörgel nach einiger Zeit von selbst totgelaufen - nämlich dann, wenn es „zu einer Normalisierung des neuen Geldwesens“[17] gekommen wäre. Die Lösung des Problems sieht Gächter nicht in einer Abschaffung des Zinses, sondern in einer durchgehenden Flexibilisierung des Geldzinses. Denn der Zins sei nun mal „das einfachste und wirksamste Mittel zur Steuerung der Wirtschaft.“[18] Das heißt nun konkret: In einer Zeit der wirtschaftlichen Stagnation oder Rezension müssen sowohl der Staat als auch die einzelnen Betriebe und privaten Bürger vornehmlich Schulden machen, um so den Konsum und die Wirtschaft gegenläufig zur konkreten Wirtschaftssituation wieder anzukurbeln. Ein so geartetes Wirtschaftsverhalten sei mitnichten paradox, denn es gelte in guten Zeiten die angehäuften Schulden wieder abzutragen. Eine Grundvoraussetzung für die Schlüssigkeit dieser Argumentation ist jedoch die von Gächter behauptete Tatsache, dass „in der kapitalistischen Wirtschaft grundsätzlich ein zu großes Sparkapital gebildet wird.“[19] Wenn diese Behauptung tatsächlich stimmt, dann wäre die Verschuldung in Krisenzeiten überhaupt nicht so groß, dass Existenzbedrohungen auf dem Spiel stünden. Vielmehr würde die Wirtschaft damit angeschoben, dass die gesparten Überschüsse durch neue Investitionen auf ein wieder ausgewogenes Maß abgebaut würden. Dass diese Kapitalzusammenballung tatsächlich statthat, begründet Gächter mit dem marxistischen Gedanken eines „Ungleichgewichts zwischen Konsumkraft und Produktionskraft“[20] im Kapitalismus. Die Folge dieser Ungleichheit ist nun, dass „Millionen obdachlos sind, weil zu viele Häuser gebaut wurden“, wie Eugen Varga feststellte. In diesem Umstand drückt sich nach marxistischer Lesart ein Antagonismus aus, wie er in der kapitalistischen Wirtschaftswelt (leider) alltäglich ist. Die vielen Häuser nützen nichts, wenn sie nicht von den Bedürftigen bezahlt werden können: Das ist aber auch der Fall!    Tatsächlich aber zeigt die von Ted Honderich benutze Tabelle der Vermögensverhältnisse in verschiedenen Ländern, dass teilweise große Unterschiede zwischen den oberen 10% der Vermögenden und den unteren 10% der Armen bestehen.[21] Für die Schweiz führt Gächter folgende Zahlen an, die sich auf eine Statistik von 1981 beziehen: Demnach haben ca. 40.000 Steuerpflichtige in der Schweiz ein Vermögen von ein bis mehrfache Millionen Schweizer Franken. Das sind 1,2 Prozent der Steuerpflichtigen, die aber ein Gesamtvermögen von 35 Prozent besitzen. Darüber hinaus „besaßen die reichsten 3% der Steuerpflichtigen in der Schweiz mit annähernd der Hälfte gleichviel Vermögen wie die übrigen 97 Prozent zusammen.“ Vor dem Hintergrund dieser Fakten ergeben sich freilich große Unterschiede, wenn die von Gächter oben angeführte gegenläufige Investitionsverschuldung in Zeiten wirtschaftlicher Krisen von allen Menschen gleichermaßen zur Konsumankurbelung aufgebracht werden soll. Für die meisten Menschen, nämlich 97% ergibt sich dadurch der Einstieg in die Schuldenfalle, denn sie besitzen nicht wie die reichsten 3% das nötige Sparguthaben, das zunächst aufgebraucht werden könnte. Daran ändern auch die von Gächter vorgeschlagenen flexiblen Zinssätze nichts (z.B. in Krisenzeiten weniger Zins als sonst üblich, etc.).   Das Grundproblem der willkürlichen und unbilligen Verteilung des Reichtums und der Einkommen, das der Ökonom Maynard Keynes als eines der Hauptfehler unseres Wirtschaftssystems bezeichnete, ist damit noch nicht gelöst, ebenso wenig wie dafür zu sorgen, dass Vorkehrungen für eine dauerhafte Vollbeschäftigung realisiert würden. -   Beide Probleme hängen zusammen und können nur wechselseitig gerecht gelöst werden!     Ein weiter Kritiker ist Wolfgang Kessler, dessen Positionen wir uns nun zuwenden wollen.    

D. Auch Wolfgang Kessler sieht in der Freigeldlehre von Silvio Gesell „keinen Königsweg zu einer sozialen und umweltgerechten Wirtschaft“.[22] Ebenso wie Gächter beurteilt Kessler den der Zins nicht als die Hauptursache wirtschaftlicher und sozialer Ungerechtigkeiten, sondern der Zins stellt lediglich „in der kapitalistischen Wirtschaft nur einen verstärkenden Faktor dar“.[23]   Die Vorteile der Freigeldlehre beschreibt Kessler wie folgt: Geldknappheit werde vermieden. Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen würde dadurch wachsen. Waren müssten hergestellt werden, wodurch neue Arbeitsplätze geschaffen würden und schließlich die Vollbeschäftigen realisiert wäre. Der Zins wäre abgeschafft, so dass die Ausbeutung der Armen unterbunden wäre. Das Problem einer gerechten Verteilung des Vermögens wäre ohne staatliche Umverteilungsmechanismen gelöst![24] Zudem wäre der Wachstumszwang unterbrochen. Investitionen würden sich jetzt auch dort lohnen, wo zuvor aufgrund mangelnder Rendite nicht investiert wurde, z.B. in soziale und ökologische Projekte. Die Abschaffung des Zinses ermögliche einen Einstieg in eine - lediglich romantische! - ökologische Kreislaufwirtschaft, die jedes exponentielles Wachstum ab absurdum führe.   Unter Berücksichtigung dieser Argumente könne durchaus von einem so genannten „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Marxismus gesprochen werden. Diese mache die Freigeldlehre Silvio Gesells unter alternativen Geistern so interessant, weil sich die offenkundigen Defizite der gängigen (neo-liberalen) Wirtschaftspraxis für jedermann einsehbar darstellten. Dennoch hält Kessler daran fest, dass Zins „nur einen verstärkenden Faktor“[25] in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung darstelle. Das eigentliche Hauptproblem, das für die wachsenden Ungleichheiten zwischen den Menschen verantwortlich sei, sei „das Markt- und Gewinnprinzip“. Denn eine ständige „Konkurrenz“ erzeuge nun einmal Verlierer und Gewinner.[26] Die Gewinner dieses freien Spiels der Kräfte von Angebot und Nachfrage wären u.a. auch am privaten Eigentum an Produktionsmitteln erkennbar. Das bestehende Zinssystem verstärke dieses Kräfteverhältnis gegenüber den Verlieren, die im Extremfall ohne Arbeit und Vermögen in die Schuldenfalle fielen.   Will man nun im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens sowohl ökologische als auch soziale Gesichtspunkte in ein ausgewogenes Gleichgewicht zueinander setzen[27], dann genüge es nicht lediglich den Zins abzuschaffen, denn seine Abschaffung zöge nur eine „rasante Flucht in Sachwerte“[28] nach sich. Der ungebremste Ankauf von Gold, Immobilien und Grundstücken würde eine noch größere Ungerechtigkeit als die schon bestehende schaffen. Es würde sich eine bloße „Wegwerfökonomie“[29] etablieren, da Rationalisierungen gegenüber menschlicher Arbeitskraft, die kostenintensiv sei, preiswerter seien. Der schnellere Umlauf des Geldes und der Waren würde eine grenzenlose „Konsumwut“ nach sich ziehen. Demgegenüber sieht Kessler in einer Politik der kleinen Schritte und des zähen Ringens größere Vorteile, indem die soziale Grundsicherung verbessert und mehr Mitbestimmung gesichert werde. Ökologische Investitionen in eine ökologische Kreislaufwirtschaft trügen zu einem bewussteren Umgang mit Geld sehr viel mehr bei.   Ehrlich gesagt: Bei Kessler klingt hier im letzten Satz vieles wie die offizielle Realpolitik gegenwärtiger Regierungskoalitionen – mehr aber nicht!                                                          
E. Helmut Creutz formuliert auf die Einwände von W. Kessler eine direkte Gegenposition.[30]   Zunächst stellt Creutz fest, dass es eine ökologische Kreislaufwirtschaft ohne sinkende Zinsen nicht geben kann. Vor allem muss aber der Wachstumszwang der Volkswirtschaften unterbunden werden. Dieser Zwang kann jedoch heutzutage nur noch überwunden werden, wenn es gelingt die übermäßigen Wachstumsraten des Geldvermögens durch Zinsgewinne zu stoppen. Nur dadurch würde die private, aber auch staatliche und internationale Verschuldungsspirale durchbrochen werden können: denn alle drei Ebenen sind heutzutage Überschuldet. Ein „Nullwachstum“ könne jedoch nur realisiert werden, wenn es von einem „Zins um null“[31] abgedeckt wäre. Damit bestätigt Creutz die Ausgangsthesen von Silvio Gesell auf das genauste!   Eine Marktwirtschaft sorgt auf die beste Art und Weise für die Bedürfnisbefriedigung der Bevölkerung, weil jeder der beiden Vertragspartner mit dem Glauben das Geschäft verlässt, einen Gewinn gemacht zu haben. Creutz schreibt:    „Geht jemand in einen Laden, um ein Hemd zu kaufen, ist ihm das wichtiger als der Geldschein, den er dafür hergeben muss. Für den Verkäufer ist das umgekehrt.“[32]    Abgesehen davon, dass die Beschreibung dieses Kaufgeschäftes absolut so naiv ist, um die gegenwärtigen realen Wirtschaftsbedingungen zum Ausdruck zu bringen, unter denen produziert wird, ist die weitere Aussage von Creutz sogar definitiv falsch, wenn er schreibt:   „Auf diese Weise sorgt eine Marktwirtschaft für die effektivste Versorgung der Bevölkerung bei günstigen Preisen.“[33]   Wiederum denkt Creutz hier nicht dialektisch, sondern ideologisch neoliberal: Denn unter dem Begriff „Bevölkerung“ fasst Creutz nur deutsche oder bestenfalls europäische Bevölkerungsschichten. Die Bevölkerung derjenigen Länder, in denen z.B. Jeanshosen produziert werden, können von einer „effektivsten Versorgung der Bevölkerung“ keineswegs sprechen: erinnern wir uns nur an die weiter oben beschriebenen Arbeitsbedingungen einer indonesischen Frau (mit einem Kleinkind), die ohne gewerkschaftlichen Schutz 200% Arbeitsleistung erbringen muss, um so gerade nicht zu verhungern![34]          Auch die Vorraussetzung, unter die Creutz seine Aussagen stellt, genügt nicht, um die bestehenden Ungerechtigkeiten zu erklären oder gar zu rechtfertigen:   „[...] vorausgesetzt, Monopole und Preisabsprachen werden verhindert.“ An beidem allein liegt es aber nicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinander geht. Richtig stellt Creutz nämlich fest: Der Kapitalismus in einer Marktwirtschaft zeichnet sich genau dadurch aus, dass er Investitionen, die auch zu mehr Arbeitsplätzen führen können, vor allem über Zinserträge für das eingesetzte Kapital absichert. Die konkreten Eigentumsverhältnisse seien daher gegenüber dem Zinsproblem nur zweitrangig! In einer kapitalistischen Marktwirtschaft gilt demnach:   „Zwangsläufig gehen diese Kapitalkosten, nicht anders wie die für Material und Personal, in die Kalkulation und damit in alle Preise mit ein.“[35]    In der Bundesrepublik macht das mittlerweile zwischen 30% und 40% des Gesamtpreises von jedem einzelnen Ding oder jeder einzelnen Dienstleistung aus. Gegenüber der These von W. Kessler wird aber nun eindeutig klar:   „Der Zins ist also kein verstärkender, sondern der bestimmende Faktor in einer kapitalistischen Marktwirtschaft.“[36]   Wird daher die Freigeldlehre Silvio Gesells umgesetzt werden, muss vor allem der Geldflucht in Grund und Boden ein Riegel vorgeschoben werden. Dieser ist nämlich nicht beliebig vermehrbar. Darum müsse er genauso wie Wasser, Luft und Sonnlicht als eine naturgegebene Grundlage menschlichen Lebens angesehen werden, die nicht privatisiert werden dürfen. Alle diese Grundgüter dürfen nicht für wenige zu leistungslosen Vorteilsnahmen auf Kosten der anderen, vielen werden.   Freilich führen sinkende Zinsen (bestenfalls bei einem Zins um null) nicht zu mehr Konsum oder mehr Kaufnachfrage, denn alle einkommen können nur einmal ausgegeben werden. Wenn nun aber aufgrund des Zinseszinswegfall die Mieten preiswerter würden, weil der Vermieter keine Hypotheken abbezahlen muss, dann könnte die Mietpreisersparnis von z.B. 200 € entweder verkonsumiert werden oder der Mieter könnte um die gleiche Summe seines Lohnes weniger Stunden arbeiten gehen. Die Arbeitsleistung könnte nämlich reduziert werden, weil die wirtschaftliche Nachfrage bei einem Zins um null allein von den Arbeitsleistenden bestimmt wird. Arbeitslose Geldvermehrung durch Zinseszinsgewinne gibt es ja nicht mehr.[37] Niemand wäre also gezwungen, über seine eigenen Bedürfnisse hinaus arbeiten gehen zu müssen.[38] Nur noch die geleistete Arbeit würde belohnt, bloße Zinsgewinnler würden aussterben.[39]   Durch den Wegfall des Zinses käme der Markt relativ schnell zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, aber auch zwischen Arbeitsplätzen und den für eine Versorgung der Bevölkerung benötigten Produktivanlagen. Rationalisierungen würden dann, wenn sie produktivitätssteigernd sind, zu sinkenden Arbeitszeiten für den einzelnen führen können. Überstunden könnten abgebaut werden, denn die Wirtschaft wäre „alleine auf die Nachfrage der Arbeitsleistenden angewiesen.“[40] Die Kaufkraft würde durch die Kompensation der produktivitätssteigernden Maschinen nicht abnehmen. In die anfallenden Preise wären keine Zinseszinsabgaben mehr eingerechnet.   Eine „freie“ Marktwirtschaft könnte dadurch wirklich sozial, ökologisch und nachhaltig gerecht gestaltet werden.   Abschließend wollen wir nun ein zweites Mal den Blick nach Indien wenden, um die globalen Dimensionen der verschiedenen hier angerissenen Lösungsvorschläge abzuwägen. Wiederum soll das in durchgängiger Frageform geschehen, denn die konkrete Umsetzung gerechter Wirtschaftsstrukturen, die soziale und ökologische Aspekte nicht nur nicht aus dem Auge verlieren, sondern miteinander verwoben zusammen konkretisieren, findet allein nicht nur nicht theoretisch, sondern praktisch umgesetzt in der tatsächlichen Projektdurchführung statt.
(Auszug: Trier, den 07.07.2015)

Anmerkungen:
[1] Thomas Schwiedessen, Brief, 2000. [2] Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation, überarbeitete und erweiterte Ausgabe, München, 1994. [3] Vgl. Franz Gächter: Schwachstellen einer Krisenlehre, In: Publik-Forum Materialmappe: Geld, Zins und Gewissen, Oberursel, 1993, S. 20. [4] Edda., S. 20. [5] ebd., S. 16. [6] ebd., S. 17. [7] ebd. [8] ebd., S. 17. Kennedy zitiert Fisher nach: Irving Fisher, Stamp Scrip, New York 1933, S. 67. [9] ebd., S. 19. [10] ebd. [11] ebd., S. 19. [12] ebd. [13] ebd. [14] Vgl. Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation, überarbeitete und erweiterte Ausgabe, München, 1994. – Sowie die Materialmappe von Publik-Forum.   [15] Franz Gächter: Schwachstellen der Kriesenlehre, In: Publik-Forum Materialmappe: Geld, Zins und Gewissen, Oberursel, 1993, S. 20-22.  [16] ebd., S. 20. [17] ebd. [18] ebd., S. 21. [19] ebd. [20] ebd., S.21. [21] Vgl. S. 215 dieser Arbeit. – Sowie das neue Datenmaterial im Jahrbuch Gerechtigkeit 1, Oberursel, 2005. [22] ebd.: Wolfgang Kessler: Freies Geld für freie Bürger – kein Königsweg zu einer sozialen und umweltgerechten Wirtschaft, S. 22f. Hier S. 22. [23] ebd., S. 22. [24] Vgl. dagegen auch bes. S. 324 und S. 327 dieser Arbeit; sowie auch die Argumentation von Creutz auf S. 330 dieser Arbeit. [25] ebd. [26] Zu den Bedingungen der „Konkurrenz“ und ihren Folgen vgl. S. 36, 58f, 109, 113, 154, 176, 185f, 191, 193, 197f, 209 dieser Arbeit.   [27] Vgl. das Schema der Nachhaltigkeit im 21. Jh. mit der Querschnittsaufgabe ‚Gerechtigkeit’ auf S. 163 dieser Arbeit. [28] ebd., S. 23. [29] ebd. [30] ebd.: Helmut Creutz: Ohne sinkende Zinsen keine soziale und umweltgerechte Wirtschaft – Eine Antwort auf Wolfgang Kessler, S. 23-25. [31] ebd., S. 23 [32] ebd., S. 24 [33] ebd. [34] Vgl. S. 91 dieser Arbeit. [35] ebd. S. 24 [36] ebd., S. 24. – Ebenso im 1. Jahrbuch Gerechtigkeit 2005: Dort wird ausgeführt, dass die Finanzminister des G8-Gipfel im Mai beschlossen hatten, den ärmsten Entwicklungsländern Schulden in Höhe von 40 Milliarden Dollar zu erlassen: „Allerdings sind nur 18 Milliarden Dollar davon tatsächliche Schuldenstreichung, der Rest [also 22 Milliarden Dollar, sic!] sind ausfallende Zinszahlungen.“ Vgl.: Armes reiches Deutschland, Oberursel, 2005, S. 192) [37] Vgl. ebenso die Forderung der Kleinen Schwester Monika-Maria weiter oben. [38] Vgl. ebenso die Forderung der Kleinen Schwester Monika-Maria, der Mensch müsse im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns stehen, weiter oben. [39] Vgl. ebd. [40] ebd., S. 24. - Im Jahr 2001 wurden in der gesamten Bundesrepublik 1.733 Millionen  Überstunden absolviert, vgl. dazu S. 294 dieser Arbeit.

Glückwunsch an das griechische Volk: Würde ist nicht verhandelbar! - Offensichtlich kennt Herr Schäuble nicht den europäischen Kant (die Person als Zweck an sich), der von dem internationalen K. Marx in der Formulierung seines Revolutionsimperativs "pünktlich" aufgenommen wurde (alle Verhältnisse umzuwerfen). Ganz offensichtlich kennt diesen Imperativ aber nicht mehr die Großraumgewerkschaft ver.di. Wie sonst ist es erklärlich, dass ver.di sich binnen vierzehntagen zum zeiten Mal über den Tisch ziehen lässt. Zunächst bei der Erzieher/innen, denen eine Aufwertung ihrer Arbeit (Höhergruppierung der Lohngruppen) versprochen wurde und jetzt bei den Postlern, deren Auslagerungen in Tocherfirmen mit niedrigerem Lohnnivaue nicht nur nicht zurückgenommen wurde, sondern bei Neueinstellungen auch weiter fortgeführt werden kann. Dafür haben sich die Strieks wirklich nicht gelohnt. Hier tut ein Blick nach Griechenland Not.
(05.07.15)


Unerlöste Menschen: Was sollen wir Deutsche mit unserer völlig unerlösten Regierung machen? Der deutsche Finanzminister ist nach eigenen Angaben nicht fähig, den griechischen Finanzvorschlägen zu folgen - wobei „nicht folgen können“ in seinem Verständnis eben nicht heißt, er sei unfähig, den rationalen Gehalt der alternativen Finanzvorschlage des griechischen Finanzministers Varoufakis zu erfassen und angemessen zu bewerten. Vielmehr will Wolfgang Schäuble zum Ausdruck bringen, dass er unter seinen unausgesprochenen kapitalistischen Voraussetzungen, die eben darum auch ideologisch zu nennen sind, die notwenigen Konsequenzen einer grundlegend veränderten Politik zum Wohle der Menschen, statt wie bisher zur Kapital- und Bankenrettung, nicht mittragen will. Seine Position ist bei der vorgegeben Argumentations- und Wirklichkeitslage ziemlich willkürlich, weil uneinsichtig für die wahren Probleme in Griechenland: nämlich, dass sich durch immer neue Kredite, die einer kapitalistisch bedingten Schuldenspirale völlig unkritisch nur immer wieder neuen Vorschub leisten, sich die finanzpolitische Lage in Griechenland nur noch mehr verschlechtert, weil sie die kapitalistische Logik in keinster Weise in Frage zu stellen bereit ist. Ein „weiter so“ bedeutet hier nur noch weitere Schuldenberge, die nicht mehr abbezahlbar sein werden. Eine Schussfolgerung, der sich der Minister Schäuble ebenfalls - uneinsichtig und ideologisch verblendet, wie er ist – verschließt, weil er einen „Schuldenschnitt“ nicht akzeptiert und der Deutschen Bevölkerung suggeriert, das real geflossene und virtuell verbürgte Geld, mit dem die Deutschen Steuerzahler die griechische Regierung bisher unterstützt haben, sei rückzahlbar und nicht abzureiben. Das geht an der Realität völlig vorbei.
Die Kanzlerin, Frau Merkel, steht nicht besser da. Ihre Lippenbekenntnisse zeigen derzeit, was sie immer schon waren: heiße Luft aus einem unlauterem Mund. Sie will, indem sie politisch ziemlich indirekt agiert, einen ideologischen Sieg gegen die griechisch-sozialistische Regierung verbuchen, weil sie so offensichtlich auf Zeit spielt. Das ganze Gerede von „die Zeit dränge“, die „Fristen liefen ab“, etc. ist extrem heuchlerisch. Denn im entscheidenden Augenblick taucht sie politisch ab und meint - im Gegensatz zu ihrem französischen Kollegen – man müsse das griechische Referendum, das sie selbst mit ihrer Partei für verfassungswidrig hält, zunächst einmal abwarten – denn es könnte ja sein, dass sich die ungeliebte, sozialistische Regierung Griechenlands selbst erübrigt. Doch genau das ist das Ziel der CDU und nicht – wie immer wieder verbal vorgeschoben, eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort in Griechenland. Das müssen „die“ schon selber auf die Reihe kriegen – allerdings stehen wir Europäer Gewehr bei Fuß, wenn es um die kapitalistischen Ansprüche der Europäischen Großbanken geht. – Nur: Eine solche Position ist politisch ebenso verächtlich, wie Nicolo Machiavelli sie schon vor einigen hundert Jahren an der Person von Cesare Borgia als „Il Principe“ (1513) dargestellt hat: Dieses Denken geht über Leichen und ist darum völlig inhuman und zynisch.  Dem steht aber eine unerträgliche Naivität gegenüber den amerikanischen Machenschaften im NSA-Skandal gegenüber, wo Frau Merkel in keinster Weise die deutsch-europäischen Ansprüche in gleicher, hartnäckiger Weise wie gegenüber Griechenland verteidigen will. Im übrigen sind die USA genauso Pleite wie die griechische Regierung – nur dass die Amerikaner lustig ihr eigenes Geld (fast unbegrenzt) drucken können, was die europäische Zentralbank im Übrigen auch tut, nur Griechenland davon nicht profitiert, weil die europäischen Banken als Zwischenvermittler selber profitable Finanzgeschäfte mit der griechischen „Staatspleite“ machen möchten und alle (anderen europäischen Regierungen) sie ideologisch gleichgeschaltet gewähren lassen. Desgleichen macht es auch keinen Unterschied, ob Jean-Claude. Juncker oder Jeoren Dijsselbloem auf EU-Ebene mit Tsipras verhandeln oder die Kanzlerin mit Francois Hollande im Schlepptau. Alles unerlöste Seelen!     
In die gleiche Richtung geht aber auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel innenpolitisch. Während er noch vor Wochen der Meinung war, für die Energiewende müssten auch die „Gilftgaserzeuger“, insbesondere die der Braunkohlekraftwerke, aufkommen, steht seit gestern, den 02.07.15, fest, dass nicht die Stromkonzerne, sondern die Endverbraucher – sprich also Steuerzahler -  für die zusätzlichen Kosten der Energiewende in Zukunft aufkommen müssen. Indem die Stromkonzerne von zusätzlichen Steuern entlastet werden, damit ihre Profitmagen nicht einbrechen, werden – wie auch im Falle Griechenlands hier wie da die normalen Bürger/innen in Haft genommen. Es ist ziemlich unerträglich, wie S. Gabriel sich auch der gestrigen Pressekonferenz inszenierte, als er jovial einen Arm auf der Rednerpult stützt und sich leicht in Richtung Kamera dreht, um die politisch völlig naiven Sätze zu sagen, dass selbst er (!) nicht damit gerechnet habe, dass es eine Energiewende zum Nulltarif hat geben können. Zum „Nulltarif“ hätte es auch kein Bürger erwartet, aber wenigstens zu einer gerechteren Kostenbelastung, die auch die Stromerzeugungskonzerne angemessen in die Pflicht genommen hätte. Kein Wunder, dass die SPD unter Gabriels Führung den maximalen Abstand zur politischen Linken nehmen muss. Denn auch hier ist ein kapitalistischer Ideologe am Werk, der unverhohlen beste Lobbyarbeit leistet, so dass nach Beendigung seiner politischen Karriere alle Türen in der privatwirtschaftlichen Energiebranche  offen stehen werden – mit Handkuss!
Doch noch ein weitere Fall, ist in diesem Zusammenhang in den Focus zu nehmen: Es ist das unsägliche Elend der sogenannten „Wirtschaftsflüchtlinge“, die über das Mittelmehr aus Afrika und den Bürgerkriegsländern des Nahe Ostens fliehen, um einer humanen Zukunft in Europa entgegen zu sehen. Sie bezahlen die kapitalistischen Profite der Konzerne, Banken und Börsenspekulationen täglich mit ihrem leibhaftigen Leben. Solange es also Länder in der EU gibt, in denen es ein offizielles politisches Wirtschaftsresorts gibt, mit einem Wirtschaftsminister, solange müssen auch die so genannten „Wirtschaftsflüchtlinge“, für die nach CDU/CSU-Meinung das Asylrecht nicht gelten können soll, als politisch anerkannte Asylsuchende in die EU, bzw. in die BRD aufgenommen werden. Alles andere ist ebenso eine bloß ideologische Position unerlöster Politiker-Seelen – egal, wo auf der Welt sie gesichtet werden.  
Wenn sich hier tatsächlich nichts ändert, ändern sich die unerlösten Seelen – sie werden mit der Zeit verrückt! Politisch gilt hier nämlich das gleiche wie in der altbekannten Wissenschaftstheorie von Thomas Kuhn: Ohne grundlegenden Paradigmenwechsel lösen sich Probleme nur dadurch, dass die alten Verfechter mit der Zeit von selbst aussterben. – Und darauf warten wir, wenn und insofern wir politisch inaktiv sind!
(03.07.15)
 



Kommentar zum Artikel „Ein Parkhaus für den Petrisberg“ vom 25.06.15 im Trierischen Voklsfreund:
Es zeichnet gewisse Redakteure des TV, die seit fast einem Jahrzehnt über den Petrisberg berichten als besonders selbstverliebt in die eigenen Formulierungen aus, wenn sie immer wieder von der angeblich so grandiosen „Erfolgsgeschichte“ der Konversion auf dem Petrisberg in Trier berichten, ja als eine „der erfolgreichsten Konversionen des Landes Rheinland-Pfalz“ (TV, ebd.), wie Jörg Pistorius uns immer wieder weißmachen will. Dagegen beruht der angebliche „Erfolg“ nur darauf, dass ein wesentlicher Teil der Erschließung des Petrisberges, von der Verwaltung angefangen bis hin zu den verschiedenen Fraktionen im Rathaus, nicht thematisiert bzw. überhaupt nicht realisiert wurde. Es geht hier um die verkehrstechnische Anbindung der Höhenstadtteile, zu denen der Petrisberg eben auch gehört, mit den unterhalb des Berges gelegenen Stadtteilen von Altkürenz auf der einen und Olewig auf der anderen Seite des Berges. Nur wer die bis heute nicht bewältigte „gesundheitsgefährdende“ (OVG, Koblenz, 2004) Verkehrsbelastung, die die Anwohner/innen tag-täglich ausgesetzt sind,  verschweigt und unter den Tisch kehrt wie zuletzt geschehen mit der Eingruppierung einer Umfahrung unter ferner Liefen im aktuellen Mobilitätskonzept der Stadt Trier – ganz zu schweigen von der Misere einer vernünftigen ÖPNV-Anbindungsalternative, die ebenfalls in der letzten Legislaturperiode vom Stadttrat mehrheitlich gekippt wurde, nur wer also permanent dazu in der Lage ist, diese ungelösten Problematik auszuklammern, der kann, wie Herr Pistorius, sogar schreiben, dass die Anwohner/innen dazu verdammt werden „Feinstaub zu fressen“ (vgl. TV von 2004 oder später) und gleichzeitig von einer großartigen Erfolgsgeschichte schwärmen – wohlwissend, dass letztes eben extrem einseitig bzw. falsch ist, während der Anspruch der Anwohner/innen auf Verkehrsentlastung sogar von den schlafwandelnden Fraktionen im Stadtrat bei klarem Verstande anerkannt wird, aber nicht umgesetzt wird.
Nun aber muss ich lesen, dass auch die Verwaltung über ein Jahrzehnt der Entwicklung des Petrisberges zu einem privilegierten Wohn- und Arbeitsquartier offensichtlich das nötige Parkplatzaufkommen unterschätzt hat, wohlmöglich auch, um das bis heute umstrittene – aber eindeutig viel zu hohe - Verkehrsaufkommen auf dem Petrisberg und durch die beiden Talstadtteile dorthin zu verschleiern (?)! Das räumt mit einer unverhohlenen Flucht nach vorne auch der verantwortliche Chefentwickler der EGP Jan Eitel ein, wenn der TV ihn referiert, so dass der „nach 2004 auf den Forderungen des Gesetzgebers erstellte Parkraumplan aus heutiger Sicht zu knapp war“ (TV, ebd.). Besonders rund um das so genannte Ärztehaus sei der Prakbedarf in Beziehung zu  „mittlerweile bis zu 200 Patienten pro Tag“ (TV, ebd.) zu sehen, wobei das angesprochene „Orthopädikum“ nur ein Betrieb von mittlerweile „175 im Wissenschaftspark“ (TV, ebd.) angesiedelten Betrieben mit Besucherfluktuation sei. Auf diese Art und Weise kann man sich natürlich beständig selbst übers Ohr hauen und vorgeben, man habe das alles nicht kommen sehen. In diese Richtung weist auch der erstaunliche Satz von Jan Eitel, der allen Ernstes sagt : „Wenn mir vor zehn Jahren oder auch fünf Jahren jemand vorausgesagt hätte, dass wir auf dem Petrisberg ein Parkplatzproblem bekommen würden, hätte ich ihn kaum ernst nehmen können.“ (TV, ebd.) – Hellau! Doch genau diese Prognose haben die Aktivisten der „Bürgerinitiative Lebenswertes Kürenz“ schon vor Beginn der Landesgartenschau im Jahre 2004 nicht nur vorausgesagt, sondern auch bei dem entsprechenden Karnevalszug 2004 thematisiert, indem sie als Prakscheiben verkleidet durch die gesamte Stadt mitgelaufen sind, eben um auf das drohende Parkproblem aufmerksam zu machen. Wenn dies allerdings kein Mensch weder in der Verwaltung, noch im Rat und schon gar nicht in der Entwicklungsgesellschaft (EGP) ernst nimmt, dann muss man sich als Bürger/in auch nicht wundern, wenn auf diese Weise Mythen im Trierischen Voklsfreund gestrickt werden, an denen absolut nichts dran ist. Ich für meinen Teil freue mich durchaus zu den „Bekloppten“ gehören zu dürfen, von den Jan Eitel sagt, er würde sie „kaum erst nehmen können“ (TV, ebd.).
Vor diesem Hintergrund verwundert es allerdings auch keinen betroffen Anwohner mehr, wenn die Kommunalpolitik der Stadt Trier insbesondere zur Verkehrsproblematik in dieser Stadt ein Fluidum des bloß Lächerlichen angenommen hat.
So lägen für ein zukünftiges Parkhaus auf dem Petrisberg  zwar noch keine offizielle „Verträge“ vor, wie der Ortsvorsitzende des Stadtteils Kürenz Bernd Michels (CDU) im TV sagt, aber dennoch sind die Planungen schon sehr konkret“ (TV, ebd.), was mich als interessierten Bürger sehr verwundert, denn dieser Artikel ist das erste, was ich über ein „Parkhaus“ auf dem Petrisberg erfahre. Und wenn ich mir die beiliegende Skizze zum Artikel genau ansehe, dann muss ich sagen, dass der Standort eines möglichen, künftigen Parkhauses auf dem Petrisberg sehr ungünstig gewählt erscheint. Denn gegenüber dem großräumigen Gelände des Wissenschaftsparks mag zwar noch etwas Platz auf dem ansonsten völlig zugeknallten Petrisberg sein, ich glaube aber keinesfalls, dass den Besuchern der zahlreichen Arztpraxen, die, vom geplanten Parkhaus aus gesehen, fast 700 Meter weiter vorne liegen, etwas geholfen ist. Schon gar nicht ist aber den Besuchern gedient, die mitunter sehr alt und gebrechlich den weiten Weg dennoch zu Fuß zurücklegen müssen, was die meisten sich wohl ersparen werden und dadurch weiterhin den milden Verkehrsfluss auf dem Petrisberg durch Ein- und Aussteigen behindern werden, was unweigerlich zu unangenehmen Staus führen wird, weil der Petrisberg verkehrstechnisch überbelastet ist. Beim nächsten Karnevalzug schlage ich eine Gruppe vor, die eine Verkehrsentlastungsstraße nicht für das Aveler Tal, sondern für den Petrisberg thematisiert – wem auch immer dabei geholfen ist. Jedenfalls kann Herr Pistorius seinen ganz privaten Mythos von der „Erfolgsgeschichte“ des Petrisberges fortschreiben. Vielleicht ist da ja noch etwas Parkraumplatz im Allerwertesten der beiden so hochgelobten Macher Peter Dietze (SPD) und Helmut Schroer (CDU), die von ihm bei jeder Ungelegenheit gelobthuddelt werden, obwohl sie nur – wenn überhaupt - halbe Arbeit geleistet haben, wie so mancher Verantwortliche in dieser Sache.
(28.06.15)                

Urabstimmung: Der Schlichterspruch zwischen der Gewerkschaft ver.di für die Erzieher/innen und den öffentlichen Arbeitgebern ist lächerlich. Was erreicht wurde, ist nicht mehr als eine Lohnerhöhung wie sie eigentlich in jedem Jahr anstünde, sollten ordentliche Löhne bezahlt werden. Wer aber in einen Streik gezogen ist, um eine gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung seiner Arbeit und Qualifikationen grundlegend gewürdigt zu bekommen, indem eine wesentliche  Höhereingruppierung (um zwei bis drei Ordnungen) auf der Lohnskala des öffentlichen Dienstes zu Recht zu erreichen, der darf sich nicht mit diesem Häppchen abspeisen lassen, zumal nicht, wenn der abzuschließende Tarifvertrag über eine Länge von fünf unangetastet bleiben soll. Dafür hat sich der ganze Aufwand wahrlich nicht gelohnt. Und es muss die Handlungsführer beschämen, wenn sie ihr Ergebnis in einer weiteren Urabstimmung bei den Erzieher/innen zur Diskussion stellen. Ganz offensichtlich ist die übergroße Gewerkschaft ver.di nicht in der Lage, die Bedürfnisse und gerechten Forderungen ihrer Mitglieder/innen gegenüber den öffentlichen Arbeitgebern durchzusetzen. Alleine das spricht schon gegen die zukünftige Gesetzgebung von Ministerin A. Nahles von Tarifabschlüssen durch Einheitsgewerkschaften. Man darf den Erzieher/innen den Mut und die Kraft wünschen, diesen einseitigen Schlichterspruch mehrheitlich abzulehnen. Ebenso wird man von den Eltern fordern müssen, dass sie ihre Kinder nicht einseitig gegen die berechtigten Interessen der Erzieher/innen instrumentalisieren. Es geht hier nicht um die Solidarität zwischen den Eltern, sondern um die gegenüber den Erzieher/innen. Denn die Eltern könnten sich ja auch berechtigter Weise (!) mit den Erzieher/innen solidarisieren und gemeinsam gegen die starrköpfigen Arbeitgeber protestieren, die eine angemessene Würdigung der erzieherischen Tätigkeiten nach wie vor nur mit kostenlosen Lippenbekenntnissen unterstützen, nicht aber durch eine angemessene, dauerhafte Entlohnung. – So nicht!
(28.06.15)      


Immer das Gleiche
Schon vor zweitausend Jahren erzählte einer folgende Geschichte:
Es war einmal ein Edelmann, der wollte vor seinen Freunden, aber besonders vor seinen Feinden groß da stehen. Und weil er es sich leisten konnte ging er auf Reisen, nicht aber ohne seine Angelegenheiten zuvor zu seinem Bestem so zu regeln, dass er getrosten reicher als jemals zuvor zurückkommen könnte. Dazu verteile er einen großen Teil seines Vermögens an europäische Regierungschefs mit dem Auftrag, sein Kapital zu vermehren. Der größten Volkswirtschaft gab er 100 Milliarden E-Que, weil sie von einer machtbesessenen Frau regiert wurde. Einer weiteren großen Nation gab er 75 Milliarden E-Que, weil sie eine ruhmreiche Vergangenheit hatten. Mit Abstand folgten noch weitere Regierungen, denen zwar kleinere Beträge überwiesen wurden, dafür aber mit umso größerem Nachdruck klargestellt wurde, sein „Kapital“ zu vervielfachen, ohne dass er selber tätig werden müsse. Denn er war ein über die Grenzen seines Reiches gefürchteter Mann, von dem man sich offen sagte, er würde „ernten, wo er nicht gesät habe“. Als letztes Land gab er einem ansonsten nur zu urlaubszwecken benutzen Land an der südlichen Sonne den kleinsten Betrag von ca. 1 Milliarde E-Que.
Nach geraumer Zeit traf der Edelmann wieder zuhause ein, um seinen Reichtum zu begutachten. Der Reihe nach ließ er die europäischen Regierungschefs bei einem so génannten G-8-Gipfel antreten. Der wirtschaftspolitische Musterknabe, der von einer Regierungschefin vertreten wurde, brüstete sich groß, indem er behauptete, er habe zu den 100 Milliarden E-Que, die er erhalten habe, weitere 75 Milliarden E-Que hinzu gewirtschaftet. Das erfreute den Edelmann und er übertrug der Regierungschefin einen Kontinent, den sie für ihn bearbeiteten sollte. Die ehemals große Nation trat vor dem Edelmann an und rühmte sich, das „Kapital“ um weitere 25 Milliarden E-Que vermehrt zu haben. Außer sich vor Freude übertrug der Edelmann größere Wirtschaftsaufgaben an seinen treuen und guten  Diener mit der gesteigerten Erwartung, noch mehr zu „ernten, ohne dass er gesät habe“. Als letztes Land traten aber die Vertreter des Urlaubsparadieses vor den Edelmann. Sie gaben dem Edelmann sein eigentümliches Geld in einem „Schweißtuch“ eingewickelt zurück, mit den Worten: Wir wussten, du bist ein gnadenloser Mensch, der dort „erntet, wo er nicht gesäht hat“, darum geben wir dir dein „Eigentum“ unversehrt zurück.
Das verschlug dem Edelmann den Atem. Er tobte und schimpfte verächtlich. Wüssten diese Scharlatane den nicht, wer er sei? Hätten sie denn keine kapitalistischen Prinzipien? Wüssten sie denn nicht wie fürchterlich seine Strafen seien, besonders für ihr Volk? Hätten sie noch nie von Verarmungen der Bevölkerung gehört, von Rentenkürzungen, von Arbeitslosigkeit und dem sicheren Existenzminimum, das nicht einmal zum Leben reicht?  „Hättet Ihr doch mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.“ Darum nimmt diesem untreuen Volk das Geld und gebt es meiner treuen Dienerin, der Regierungschefin der mächtigsten Volkswirtschaft. „Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat! - Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus“ und übergebt ihn dem bestehenden Elend der übrigen „Dritte-Welt-Länder“. „Dort nämlich wird Heulen und Zähneknirschen sein“. – Die Lebensverhältnisse werden dort so schlimm sein, dass die Menschen zu hunderttausenden aus ihren Ländern flüchten, durch trockene Wüsten gehen und nicht sich scheuen, im Mittelmeer zu ertrinken, nur um dem wirtschaftlichen Elend zu entkommen. - Doch meine Feinde, die einem anderen Ideal anhängen als meiner kapitalistischen Ideologie, „bringt sie her, und macht sie vor meinen Augen nieder“. (Vgl.: Mt 25, 14-30; Lk 19, 11-27)
          Die gängige Interpretation dieser Geschichte überträgt die geschilderten Verhältnisse ins bloß religiös-fromme, indem sie die realen Lebensbedingungen der Menschen ignoriert, die eigentlich den politischen Hintergrund dieser Erzählung bilden. In diesem konservativen, rechtsgerichteten  Verständnis wird die gesamte Erzählung zu einer einzigen Allegorie. Dem „Edelmann“ entspricht dann der am Ende der Zeiten wiedergekommene „Herr,  Jesus Christus“, der als richtender Gott über Lebende und Tote zu Gericht sitzt. Diejenigen, die in der Gesichte das „Kapital“, das hier als frommer „Glaube“ verstanden wird, vermehrt haben, werden fürstlich „belohnt“, indem sie in den christlichen „Himmel“ kommen, während der letzte „Diener“, der sein „Talent“, d.h. der seinen „Glauben“ nicht vermehrt hat, in die so genannte „Hölle“ geschickt werden, einem Ort der Verdammnis, an dem besagtes „Heulen und Zähneknirschen“ das tägliche Brot sind. Das rechtsgerichtete, konservative Verständnis dieser Erzählung wird vor allem von der Überlieferungstradition bei Matthäus (vgl. Mt 25, 14-30) gestützt, wo von „guten“ und „schlechten“ Knechten des „Edelherren“ die Rede ist. Es geht der Katholischen „Kirche“ in dieser Interpretation vor allem um die Verständlichmachung des Theologuminons der so genannten „Parusieverzögerung“. Darunter versteht die Katholische Kirche die zwischenzeitliche Herrschaft des jeweiligen Stellvertreters Christi auf Erden, also des Papstes, bis der „Herr, Jesus Christus“ am Ende der Tage wiederkommen wird, „zu richten die Lebenden und die Toten“. Eine Zwischenzeit die bis heute 2015 Jahre anhält, wobei ein Ende nicht in Sicht ist. Allerdings setzt diese Interpretation explizit voraus, dass der historische Jesus sich bei seiner mehrfach angekündigten „Naherwartung“ des nahen Endes der bestehenden Weltordnung sich schichtweg vertan habe. Diese ist eine dreiste Unterstellung, um das eigene Missverständnis im Verständnis dieser Erzählung plausibel machen zu können, um die Geschichte ins „bloß Fromme“, aber politisch absolut unwirksame, konservativ umzulenken.      Dagegen stützt sich eine im Folgenden präferierte „befreiungstheologische“ Interpretation der Erzählung von den „Talenten“ vor allem auf die historisch und politisch differenzierte Überlieferungstradition bei Lukas (vgl. Lk 19, 11-27). Hier herrscht eine zum Teil ganz andere Wortwahl vor, die den konkreten, politischen Horizont noch mitüberliefert, vor dem die Geschichte von dem historischen Jesus in einem seiner Gleichnisse inszeniert wurde. Dem „Edelmann“ entspricht in dieser Interpretation nicht der Auferstandene Herr, Jesus Christus, sondern eine konkrete, historische Gestalt, die als einer der beiden Söhne des jüdischen Vasallenkönigs Herodes identifiziert werden kann. Die „Reise“, auf die sich der „Edelmann“ in der Erzählung begibt, lässt sich historisch als Antrittsbesuch beim römischen Kaiser belegen, auf dem einer der beiden Söhne als neuer jüdischer Vasallenkönig eingesetzt werden soll, um die Vorherrschaft der Herodianischen Dynastie fortsetzen zu können, mit dem Privileg, mit der römischen Besatzungsmacht in Israel weiterhin äußerst vorteilshafte Geschäfte abwickeln zu können. Besonders profitable „Kriegsgewinnler“ war damalige Oberschicht, die vor allem aus den Reihen der jüdischen Partei der „Sadduzäer“ kamen, die z.B. auch beim Tempelbetrieb römische Münzen zuließen, womit die religiös notwendigen „Opfertiere“ bezahlt werden konnten mussten. Dagegen wendet der historische Jesus sich explizit.    
Allerdings darf man sich die römisch dominierte Wirtschaft in der damaligen Zeit, d.h. also vor ca. 2000 Jahren, nicht als fairen Tausch von Waren im gegenseitig einvernehmlichen Handel vorstellen. Vielmehr herrschten die damaligen römischen Besatzer mittels eines durchrationalisierten und ausgeknüngelten Gewaltsystems. Aufgebrachte Bürger/innen, die gegen die Neueinsetzung eines weiteren jüdischen Vasallenkönigen protestieren, indem sie den Herodessöhnen nach Rom nachreisen, werden brutal aus dem Wege geräumt, wie es auch heute noch bei diktatorischen Regimen durchaus an der Tagesordnung ist. Die „Regierungschefs“, von denen oben in der Erzählung die Rede war, müssen in einem befreiungstheologischen Kontext, der ausdrücklich konkret und politisch verstanden werden muss, als angehende „Statthalter“ in großen Metropolen verstanden werden, die von dem „Edelmann“ in einem Casting-Verfahren auf ihre Tauglichkeit hin geprüft werden, aus der durch die römische Besatzungsmacht unterdrückten Stadt- und Landbevölkerung einen möglichst hohen Tribut und Zins herauszupressen. Dieses als „Drückersystem“ organisierte Ausbeutungsverfahren wird von dem historischen Jesus anhand zahlreicher Erzählungen von ungerechten und darum verhassten so genannten „Zöllnern“ und deren überhohen Zinseszinsgewinnen beschrieben, die der Bevölkerung abgepresst wurden. „Soziale“ Gerechtigkeit war damals wie heute auch ein Fremdwort für die vorherrschende Minderheit der politisch Mächtigen und wirtschaftlich Reichen.
Vor diesem Hintergrund rückt daher umso mehr die Gestalt des letzten „Regierungschefs“ in der obigen Erzählung in den Fokus des Verständnisses. Es in der Überlieferung bei Matthäus der so genannte „schlechte Knecht“. Derjenige also, der aus Furcht vor dem „Edelmann“, das ihm übertragene „Kapital“ vergäbt, bis er es wieder zurückerstatten muss. Dieser, in der konservativ rechtsgerichteten Interpretation als „fauler Sklave“ bezeichneter Casting-Kandidat, der für ein höheres Regierungsamt mit überreichen wirtschaftlichen Privatgewinnen  auserkoren werden sollte, entpuppt sich in der befreiungstheologischen Interpretation als ein – modern gesprochen – „Systemverweigerer“, der das rein kapitalistische Ausbeutungssystem der römischen Besatzungsmacht samt ihren Handlangern nicht weiter mitspielen will. Er sieht, dass eine weitere Verelendung  und Tributverschuldung der Bevölkerung nur aufgehalten werden kann, wenn die „Schuldenspirale“, die seit dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bis heute zutreffend (!) von dem altisraelitischen Propheten Amos exemplarisch aufgezeigt wurde, durchbrochen werden wird. Wohlbewusst, unter welch großer Gefahr er dem „Edelmann“ gegenübertritt, hat er das Schicksal der protestierenden Bürger/innen vor Augen, die von dem neu eigesetzten jüdischen Vasallenkönig bestialisch umgebracht wurden, nachdem er in seine „Heimat“ zurückgeehrt war, um die ausbeuterischen Regierungsgeschäfte als „Oberlobbyist“ der römischen Interessen des ungehemmten Kapitalismus zu seinem persönlichen Profit, und im Gefolge daran der gesamten sadduzäischen Oberschicht, auszunutzen. Dieses brutale und augenscheinlich ungerechte frühkapitalistische Ausbeutungssystem kann nur entlarvt werden, wenn man die repressive Gewalt, auf der es selbst beruht, unterläuft. Genau dies tut der biblische „Systemverweigerer“ bei Lukas, wenn er auf Verlangen, aber voller Ironie, sein „Kapital“ in ein „Schweißtuch“ gehüllt einfach zurückgibt. Nicht einmal der eingeforderte Gewinn durch den Zinseszins der profitablen Banken, die zwar vorgeben das „Kapital“ arbeiten zu lassen, tatsächlich aber die Bevölkerung um ihr Erspartes bringen (vgl. Amos), wird dem „Edelmann“ als oberkapitalistischem Ausbeutungserpresser erstattet. Nichts, als das, was zuvor verliehen wurde, wird – gerechterweise (!) – nachher zurückgegeben. Der so genannte „Systemverweigerer“ handelt dementsprechend gemäß der von dem historischen Jesus in seiner – nicht authentischen (!) - „Bergpredigt“ als „gerecht“ präferierten „goldenen Regel“ (Mt 7,12). Er handelt somit als einziger in der oben dargestellten Gesichte wirklich ethisch im Sinne Jesu. Er handelt entsprechend der „Naherwartung“ Jesu „eythys“, d.h. „sofort“, wodurch das von Jesus erwartete zukünftige „Reich Gottes“ als „Gerechtigkeit“ heute noch (!) voll und ganz erfüllt wird, wie er dem „guten“ Häscher am Kreuze noch verheißen hat.   Den jetzt geforderten Übertrag in die aktuell heutige Zeit im Jahre 2015, in der die europäischen Finanzminister den Gesamteuropäischen Gedanken an die Wand gefahren haben und die europäische Presse nicht in der Lage ist, außerideologisch, antikapitalistisch zu berichten und die Fakten zu benennen, die außerhalb der getrübten Sichtweise der Regierungsvertreter/innen und kapitalistischen Institutionen wie der „Europäischen Zentralbank“ und dem „Internationalen Währungsfonds“ liegen. Es wird – wenn überhaupt – nur das kapitalistische Drückersystem der Banken gerettet. Es werden mit keinem Euro und mit keiner Wirtschaftsinvestition, die in Brüssel derzeit (nicht!) beschlossen werden, die konkreten Lebensverhältnisse der griechischen Menschen vor Ort verbessert. Jedes „weiter so“ an zusätzlichen Milliarden-Hilfen verschuldet das griechische Volk nur umso mehr bei ihren europäischen Geberländern. Der deutsche Finanzminister hat nicht einmal die Traute, konkret auszusprechen, dass die in die bisherigen Bankenrettungspakete investierten Milliarden Euro nichts als „verbranntes Geld“ sind, das die griechische Bevölkerung nicht nur mit ihrer derzeitigen Wirtschaftraft nicht wieder zurückbezahlen wird können, sondern wohl überhaupt nicht mehr tilgen kann - wie im übrigen auch die US-Bürger/innen nicht in der Lage sein werden, ihre Schulden irgendjemandem zurückzuzahlen - die sie erst kürzlich durch Aufstockung mittels frisch vermehrter Geldflüsse aus der eigenen Druckerpresse vor einem Staatsbankrott gerettet haben. Hier wie da wird früher oder später ein gewaltiger Schuldenschnitt gemacht werden müssen, von dem die weitaus größte Anzahl der Bevölkerung nicht einmal etwas wird mitbekommen werden – so ungerecht sind die derzeitigen Kapitalverhältnisse weltweit verteilt. – Man kann nur hoffen, dass die sozialistische, griechische Regierung und das sie demokratisch legitimiert habende griechische Volk nicht vor den verschleierten Finanzrepressionen der übrigen Euroländer und deren kapital-lobbyistischen Finanzministern und deren ideologisch-verbildeten Regierungschefs und –frauen kapitulieren werden, die scheinheilig sagen, wir wollen helfen, aber das genau Gegenteil tun, indem sie weiter erpressen, weitere Schuldenberge (für andere Menschen) anhäufen und dadurch weiterhin nur unfrei machen, statt zu befreien.                           Es ist die gleiche Geschichte seit tausenden von Jahren. Wenn hier überhaupt etwas hilft, dann nur „Aufklärung“ zum Mut des eigenständigen Denkens und Urteilens – selbst gegen den durch Dummheit medial gelenkten kapitalistischen Mainstream.             
(28.06.15)


***

Trier, den 19.06.15
"Ich bin der, der 'ich werde dasein' heißt" (Ex 3,14).
In der Stunde größter Not bist Du Beistand mir und Rettung.
Heute Nacht verstarb meine Mutter, Irene Verbeek, im Alter von 85 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit lebenssatt.
Ein Ebenbild Gottes warst Du uns, mit einer Seele, die nicht zu Grunde geht.
Um uns herum ist tiefe Stille.



Tut
Großbritanien derzeit etwas anderes als Griechenland in Bezug auf die Teilnahmebedingungen ihrer Mitgleidschaft in der EU? Hier wie da wird über Sonderbedingungen ganz freizüzgig verhandelt. Sollten die EU-Finanzminister nun aber Griechenland fahren lassen, so sollten sie allemal auch Großbritanien vor die Tür setzen, denn es ist schon ziemlich dreist, was Großbritanien sich derzeit leistet. Der entstehende Schaden wäre allerdings vergleichbar mit dem der FIFA um Sepp Blatter herum, wenn Griechenland und/oder Großbritanien aus der EU herausgeworfen werden sollten. - Ein Kurswechsel tut hier wie da dringend Not!
(29.05.15)


Mich dünken feine Unterschiede:
Gibt es eigentlich irgend jemanden, der behaupten würde, die USA wäre weniger Pleite als Grichenland? Erinnern wir uns: Schon zwei mal während der Obama-Regierung hätte die USA sich finanztechnisch selbst ad absurdum geführt. Beide male sah die finanztechnische Lösung gleich aus: Die legitime Verschuldung wurde erheblich erhöht und die Druckerpressen für den US-Dollar fleißig angeschmissen. - Mehr nicht! - Und Griechenland soll in der EU pleite gehen, weil ein deutscher Finanzminister, also ein Diener des Volkes, meint, "Die Deutschen seien nicht an allem schuld" (vgl. Bild-online, 28.05.15)? Warum sagt eigentlich niemand diesem älteren Herrn, dass "Deutschland" freilich nicht "an allem" schuld sei - aber doch an so machem, was politisch auch anders hätte gehändelt werden können und wofür er selbst als Diener die politische Verantwortung trägt. Weder der deutsche Steuerzahler, noch der griechische Normalo gehören haftbar gemacht. Glaubt denn irgend jemand, die USA würden ihre Schulden-Verbindlichkeiten irgendwann noch abbezahlen werden können? Warum spielen die politisch Verantwortlichen auf dem derzeitigen G7-Gipfel eigentlich nicht Dauer-Monopoli, statt nutzlose Reden zu halten, die eh nichts bewirken werden? Es gäbe etwas zu tun - aber nicht mit diesem Personal, das die einen krault und die anderen hart vor das Schienenbein tritt!
(28.05.15)   


Null-Punkte-Kommentar in der ARD:
Bemerkenswert am Eurovision Song Contest 2015 ist keinesweg das Null-Punkte Ergebnis für Deutschland, wenngleich es in dieser Entscheidenheit nicht ganz gerechtfertigt erscheint, ebenso wenig bemerkenswert ist das leidige Geblinke auf das die Show durch überhandnehmende Lichteffekte reduziert wurde, vielmehr und besonders ärgerlich war der völlig unangemessene Kommentar, mit dem die Interpreten vorgestellt wurden, bzw. durch abschließemde Seitenhiebe diffamiert und vorab bewertet wurden. Eine Bewertung, die vorab durch einen Kommentator - und zwar durchweg spitz unter der Gürtellinie - vorgenommen wurde, statt Informationen zu den Liedern und Interpreten abzuliefern, legt die Zuschauer, die eigentlich bewerten sollen, an ein Gängelband der Unmündigkeit, indem er vorab subtil und unterwchwellig für oder gegen einen Interpreten Stimmung macht (vgl.: zu Großbritanien, etc.). -
Kommentare werde im Nachhinein - wie dieser hier - abgegeben. Was allerdings gestern Abend in der ARD live ablief, war mediale Manipulation, wie wir sie - leider - auch schon von politischen Meinungsmachern zuhauf gewohnt sind. Das ist eine journalistische Schande, die im Nachhinein die internationale Null-Punkte-Abgabe gegen Deutschland, nicht aber gegen Ann Sophie, durchaus gerechtfertigt erscheinen läßt.
(24.05.15 


So schöne Argumente – und so widersprüchlich:
Da wird der Streik zwischen der GDL und der Deutschen Bahn ganz plötzlich abgebrochen (- wie übrigens schon ein Jahr zuvor als freiwilliger Ausdruck des guten Willens der GDL gegenüber der DB) und schon wird des Weiteren über den Streikführer Herrn Weselsky despektierlich weiter gelästert, er habe „ plötzlich keine Zeit mehr“ (Spiegel-online, 21.05.15).  Ganz im Gegenteil: Die lang gestellte Forderung der Gewerkschaft an die DB, schriftlich zuzugestehen, dass die GDL ihre gesamte Mitgliedschaft tarifrechtlich vertreten dürfe, wurde endlich von Herrn Weber als Verhandlungsführer der DB unterschrieben ( - wogegen er sich die ganze Zeit gewehrt hatte). Insofern wird die deutsche Wirtschaft dem Verhandlungsführer der DB endlich wohl etwas ins Gewissen geredet haben, bei den einkalkulierten 100 Millionen Euro Verdienstausfälle für die Gesamtwirtschaft. Das ist insofern auch ganz in Ordnung. Wenn man aber nicht davon sprechen will, die DB sei vor der Gewerkschaft „eingeknickt“ (Spiegel-online, ebd.), dann wird man auch nicht der DB Glauben schenken wollen, die dreist behauptet, man habe „nicht nachgegeben“ (ebd.). Welch ein lächerliches Spielchen wird da weiterhin von Herrn Weber medial aufrechterhalten!? Zumal der entscheidende Kommentar der DB zur Selbstpositionierung in diesem Tarifkonflikt wie folgt dargestellt wird:
„Es könne doch nicht sein, dass der Lohn eines Zugbegleiters plötzlich davon abhängt, in welcher Gewerkschaft er sei, argumentiert die Bahn. Und an dieser Position habe sich [aus Sicht der Bahn, J.V.] nichts geändert“ (ebd.).
Allerdings geht aus Arbeitgebersicht sehr wohl, was ebenfalls aus Arbeitgebersicht bei den Gewerkschaften nicht gehen können soll:
So berichtete kürzlich der der TV, dass die Klage von Trierer Busfahrern, abgewiesen worden sei, für gleiche Arbeit gleichen Lohn zu erhalten, weil 110 Busfahrer in einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke ausgelagert wurden, die nun mehrere Hundert Euro im Monat weniger verdienten als ihre 40 Kollegen/innen, die bei der Muttergesellschaft der Stadtwerke angestellt wären und dazu noch ein halbe Stunde weniger arbeiten müssten.  Offensichtlich kann ein unterschiedlicher Lohn bei gleicher Arbeit sehr wohl davon abhängen bei welcher Firma man in einem Großkonzern – wie etwa der DB oder den Stadtwerke Trier – angestellt ist. Aber keinesfalls darf es sein, dass verschiedene Gewerkschaften unterschiedliche Löhne und Arbeitskonditionen für ihre Mitglieder aushandeln. – Hier geht es doch wohl ganz offensichtlich um Macht-Hemisphären der Arbeitgeberseite, die etwas überkommen sind. Insofern wird man den Trierer Busfahrern, wenn sie die genaue Begründung des Gerichtes in Trier studiert haben, weshalb es keinen gleichen Lohn bei gleicher Arbeit geben können, wenn man in unterschiedlichen Tochterfirmen mit je eigenen Verträgen arbeitet, einen guten Rat mit auf den Weg geben müssen: Streiken, Streiken und noch mal Streiken.     
Es muss den Bossen klargemacht werden, dass alles geht, wenn gleiches Recht für alle gilt – auch und gerade in Betrieben ebenso wie bei öffentlichen Arbeitgebern und nicht zuletzt auch beim Land bzw. Bund als Arbeitgeber (vgl. die Kitabeschäftigten und Landesbeamten wie z.B. Lehrer). Für den durch Streiks entstandenen gesamt-wirtschaftlichen Schaden sollten die Arbeitgeber haften müssen, denn sie wollen die Unterscheide ohne Mitbestimmung! Man vergegenwärtige sich nur einmal wie viele Betriebe aus dem Arbeitgeberverbänden ausgeschieden sind, damit für sie keine Tarifverträge mehr bindend sein müssen. – Diese Spielchen müssen beendet werden, denn es muss gesamtwirtschaftlich selbstverständlich werden, für geleistete Arbeit gut bezahlt zu werden, bei noch besseren Arbeitsbedingungen. Alles andere wären sittenwidrige Verträge.     
(21.05.15)   

Verantwortung:
Wenn einer, wie Griechenland, die Schlinge um den Hals am Baum der Schulden hängt, dann liegt es immer (!) an der Eile der anderen, die ihn hochhält oder runterzieht! - Die "anderen" sind in diesem Falle die großschwätzenden EU-Finanzminister, die ihrem Diener-Amt einmal nachkommen sollten, wenn ihnen etwas an der EU läge - und zwar "mit großer Eile", statt von anderen zu verlangen, Weltrekord zu laufen! "Wir haben viel Zeit verloren ...", meint EU-Kommissionspräsident Valdis Dombrovski. Allerdings fragt man sich hier, wessen Zeit ging verloren? Griechenland kann binnen einer viertel Stunde durch entsprechende Unterschriften wieder Zahlungsfähig sein, ebenso wie der EZB- Zentralbänker Draghi einstmal verkündet hatte, dass alles von der EZB für die europäischen Finanzmärkte getan werden wird. Selbst Ramschanliehen werden von der EZB aufgekauft (- entgegen so mancher Kritik). Es wird hier also Geld ohne Ende gedruckt. Vor diesem Hintergrund muss dann aber auch gelten:
Löhne und Gehälter werden nicht gekürzt, sondern angehoben, so will es die Gewerkschaft (vgl. derzeit Erzieher/innen, Lokführer sowie 110 Busfahrer in Trier!) naturgemäß. Es wäre ja noch schöner, würden alle EU-Bewohner plötzlich zu potentiellen "Arbeitgebern" oder zu lobbyistischen Finanzminstern, die sich zieren entsprechendes Geld für die kleinen Leute auszugeben. -
Daher gilt: Wer andere hängt, wird desgleichen Todes sterben, denn die (nächste) Krise kommt und sie ist schon da (vlg. K. Marx)! Wer Augen hat, zu sehen ...
"Die widersprüchliche Bewegung der kapitalistischen Gesellschaft macht sich [...] am schlagensten fühlbar [vor allem für die Griechen!, J.V.] in den Wechselfällen des periodischen Zyklus, den die moderne Industrie [mitsamt ihrer sie ermöglichenden Finanzwirtschaft, J.V.] durchläuft und deren Gipfelpunkt - die allgemeine Krise ist." (K. Marx: Das Kapital, MEW, 23, 28).
(16.04.15) 


Ganz wie in der sog. "Dritten Welt"
: Das Brechmittel (hier in der doppelten Bedeutung des Wortes) gegen stupide Arbeitgeber lautet: Streik, Streik und noch mal Streik!
Dies gilt derzeit für den Vorstand der Deutsche Bahn, die öffentlichen Arbeitgeber der Kita-Angestellten und nicht zuletzt auch für die verantwortlichen Arbeitgeber der Busfahrer zweiter Klasse in Trier (vgl. Tv, 10.05.15). - Wem die Einsicht fehlt, der muss fühlen! Das gilt besonders dann, wenn Recht und Gerechtigkeit weit auseinander klaffen wie derzeit bei den Busfahrern in Trier. - Das erscheckliche an diesem Umstand ist, dass die Stadt Trier für sich damit Reklame macht, eine "Faire Trade City" zu sein, was als ein Verdienst des alten OBs gefeiert wird. Der saß aber auch als geborenes Mitgleid im Vorstand der Stadtwerke, neben zahlreichen anderen Lokalpolitikerinnen aller Fraktionen im Stadtrat. Was nützt es da also, wenn der Verkehrsverbund zwar die fast jedes Jahr ansteigenden Fahrpreise "einfrieren" will (vgl. TV), wenn die Mehrzahl der Busfahrer schamlos ausgebeutet wird - und das offensichtlich mit legalen rechtlichen Unternehmensstrukturen (vgl. TV, ebd.): Auf Dauer gestellte Leiharbeiter mit einem Lohndamping! Ganz wie in der sog. "Dritten Welt" mitten in Trier!
(11.05.15)


Zu traurig
: Es gibt nicht wenige Zeitungen und Magazine, die würde ich nicht einmal empfehlen, um sie sich durch die Mitte des Hinterns zu ziehen. Man könnte davon glattweg schmerzhafte Hämorieden bekommen. Die Steigerung dieser medialen Unsäglichkeiten kann lediglich nur dazu dienen, die zahlreichen Streikfeuer anzuheizen. Die Asche schmieren wir uns aus lauter Trauer ins Gesicht.
(10.05.15)

Und täglich lügt die Lügenpresse
. Zwar mitunter sehr subtil, doch immerhin kontinuierlich. Da wird z.B. aus einer schlichten „Kutte“, wie sie Rockerclubs weltweit tragen, plötzlich eine „Kampfjacke“ Bild-online, 10.09.15), was doch sehr viel besser zum medial vermittelten Image der „Nachtwölfe“ passt, die, weil sie auf der vermeintlich falschen Seite stehen, runtergemacht werden müssen. Aber nicht nur das: Gleiches gilt in Bezug auf die wochenlang immer wieder eingestreute Berichterstattung über den „plötzlichen“ EU-Rausschmiss Griechenlands, das mir nichts, dir nichts über Nacht Pleite sein könnte – was jetzt und die ganzen Wochen zuvor möglich werden könnte. Dabei gehört die EU-Länder zu den größten Gläubigervereinigungen, neben Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). „Man“ ist hier jedoch nicht in der Lage, Griechenland zu stützen, während „man“ jetzt schon, nur einen Tag nach dem Wahlausgang in Großbritanien, darüber nachdenkt, mit welchem politischen Entgegenkommen die Inseln in der EU gehalten werden könnte. Die wollen unter Umständen per Volksabstimmung aus der EU austreten, während Griechenland bisher immer verlautbart hat, einen solchen Schritt erwäge man überhaupt nicht. „Man“ misst hier ganz offensichtlich mit zweierlei Maßstab – wie so oft, wenn plötzlich alle naiven Menschen in der EU zu Arbeitgebern mutieren.
So geschehen in den Stellungsnahmen des Plebs bezüglich des wiederholten Streikes der „Gewerkschaft der Lokführer“ (GDL). Wer sich aber in diesem Konflikt nicht bewegt, ist die Deutsche Bahn, die seit Monaten (!) keinerlei ernst zu nehmende Verhandlungsangebote auf den Tisch legt. Sondern meint diktieren zu können, wen die Gewerkschaft vertreten dürfe und wie (unterschiedlich) die Gehälter auszufallen haben. Dabei dürfte es ein unstrittiges Grundrecht (!) sein, dass sich Arbeitnehmer zu Gewerkschaften zusammenschließen können und diese dann freilich (!) für alle (!) ihre Mitglieder verbindliche Lohn- und Arbeitsstrukturabschlüsse aushandeln. – Nicht so bei der Deutschen Bahn, die sich weigert verschiedene Tarifabschlüsse mit verschiedenen Gewerkschaften abzuschließen. Weshalb eigentlich? Wegen der Kontrolle? Aber gleichzeitig verbrennt der Deutsche Bahnvorstand unter Führung von Herrn Weber täglich mehrere Millionen Euro und Schaden somit dem deutschen Wirtschaftsstandort insgesamt. – Was aber macht die „Lügenpresse“? Sie dreht die Verantwortlichkeiten einfach um; macht personalisierte Hetze gegen den „Überbringer“, der – aus Ihrer Sicht – schlechten Nachrichten – ganz wie zu Zeiten des dunkelsten Mittelalters. Der Kopf muss ab: „Herr Weselsky kämpft um sein Überleben“ (Bild. Online, ebd.). – Wie lächerlich darf Meinungsmache eigentlich in einer Medien-Demokratie sein?
Dazu bietet „man“ den Verantwortlichen Politikern und Konzernmogulen in jeder ihrer veröffentlichten Äußerungen eine Hintertür. Wunderbar wird dies sichtbar in einem Artikel auf         „t-online-Nachrichten“ vom 10.05.15. Hier wird dem deutschen Finanzminister nach längerem medialen Entzug das Wort zur Griechenlandkriese bereitet. So ist nach Meinung des Ministers „eine überraschende Staatspleite Griechenlands nicht ausgeschlossen“ (t-online, 10.05.15). Gleichzeitig titelt dpa aber die eindringliche Warnung Schäubles: „An uns darf das nicht scheitern“ (t-online, ebd.). – Ja hier fragt „man“ sich doch, wer trägt hier denn die Verantwortung? Die „Lügenpresse“ suggeriert: Natürlich immer die anderen! – Alle anderen in diesen Konflikt involvierten EU-Politiker haben Narrenfreiheit! Und so räsoniert Schäuble weiter: „Erfahrungen anderswo auf der Welt haben gezeigt …“ (t-online, ebd.). – Ja aber, was interessieren uns, EU-Bürger/innen, denn die Verhältnisse „anderswo auf der Welt“ (ebd.)? Doch genau das ist eben nicht (!) die Aufgabe von Herrn Schäuble und die der anderen EU-Politikern aus Brüssel, „anderswo auf der Welt“ nach dem Rechten zu sehen, sondern einzig und alleine – in diesem Fall – in Bezug auf die Mitgliedschaft der Griechen (- und demnächst der Inselbewohner) alles (!) zu tun, damit die europäische Europapolitik nicht an „Kleingeld“ scheitert. Denn – so Schäuble -, „an uns darf das nicht scheitern“ (ebd.)? – Da fragt „man“ sich doch: An wem sollte es denn scheitern? „Deutschland werde ‚alles tun, um Griechenland unter verantwortbaren Konditionen in der Euro-Zone zu halten‘, sagte Schäuble weiter“ (ebd.). - Aber: was heißt hier eigentlich „alles“ aus dem Munde von Schäuble? Es heißt nämlich nichts anderes als eine „Hintertür“ zu öffnen, denn schon im gleichen Satz schränkt Schäuble sein Wörtchen konditional dermaßen ein, dass es völlig unglaubwürdig ist, zu meinen, „alles“ bedeutete alles! Ganz im Gegenteil: Es werden im gleichen Atemzug Bedingungen genannt, unter denen Griechenland – nach Meinung von Herrn Schäuble – in der „Zone“ verbleiben dürfe, nämlich nur „unter verantwortbaren Konditionen“ (ebd.). - An dieser Stelle wird „man“ sich jedoch fragen müssen, ob Herr Schäuble jemals etwas von dialektischem Denken mitbekommen haben mag? – Wahrscheinlich nicht, denn sonst wüsste er sehr wohl, dass die Rede von „verantwortbaren Konditionen“ keineswegs eindeutig ist. Aus wessen Sicht redet er hier dann: Aus der Sicht der Griechen, die doch wohl gänzlich andere „verantwortbaren Konditionen“ (ebd.) anführen als es die EU-Scheinheiligen über Monate hinweg tun. Aber: „An uns darf das nicht scheitern“, meine Herr Schäuble, der doch gerade die repräsentierte „Verantwortung“ für Deutschland trägt! Also: Was nun? Darf es an uns nicht scheitern, oder unter Umständen doch sehr wohl? Dazu der Minister, der vor allem auch der deutschen Bevölkerung verantwortlich sein müsste, nicht zuletzt weil er „Minister“, also „Diener“ des Volkes ist: „Es gibt Fragen, die ein vernünftiger Politiker nicht beantworten darf“ (ebd.), sagt der Minister Schäuble! – Na, was? Bilden die „Politiker“ jetzt schon einen Staat im Staate? Steht er über dem Souverän? - Das passt ja wunderbar zum Gebaren der Bundesregierung im NSA-Skandal, bzw. zum Skandal des Bundesnachrichtendienstes, bzw. zum Skandal des Kanzleramtes. Keiner der verantwortlichen Politiker/innen scheint hier die Fragen des Untersuchungsausschusses ernsthaft zu beantworten: Alle haben mit jedem Satz, den sprechen, eine Hintertür geöffnet. – Keiner trägt Verantwortung! Es sind immer nur die anderen, die scheitern. – Doch das ist zu dumm! Dabei käme es darauf an, die verschiedenen Situationen als Chancen für die EU zu sehen, eine bessere und gerechtere Politik zu etablieren.  Die oben kritisierte Presse ist in dieser Sache nicht hilfreich.
(10.05.15)

Glück auf! Die Streiks der GDL und der Kitabeschäftigten verdienen unsere vollste Solidarität. Es geht überhaupt nicht an, den "Überbringer schlechter Nachrichten" an den Pranger zu stellen, als ob er, Herr Weselsky, die gesamte Republik erpresste, wenn die geamten Mitglieder, der Gewerkschaft, die er vertritt, zu legitimen Kampfmitteln in einem Arbeitskampf mit den Arbeitgebern wiederholt aufgerufen. Es kann nicht sein, dass der Verhandlungsführer der Bundesbahn "heilig" gesprochen wird, wenn er es doch seit Monaten in der Hand, weninigstens ein gescheites Angebot der Arbeitgeberseiter auf den Verhandlungstisch zu legen. Das ist (leider) aber nicht gescheehen. Die Millionen Verluste, die täglich der deutschen Gesamtwirtschaft verloren gehen, hat der Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite, Herr Weber, zu verantworten. Hier einen Schlichter kurzfristig aus dem Ärmel zu zaubern, während der Streik weitergeht, ist in der Tat mehr als ein schlechter Witz. Herr Weber sollte lehren sich zu bewegen: Ein klassischer Tanzkurs wäre hier wohl angebracht!
Ebenso haben die Erzieher/innen die von ihnen geforderte, generelle  Höhergruppierung in eine obere Lohngruppe verdient. Wenn die Kommunen bzw. Länder nun jammeren, sie könnten das nicht finanzieren, ist auch das nur Hohn und Spott wert. Die gleichzeitg in den Medien diskutierten überaus hohen Steuermehreinnahmen in Millionen höhe, könnten locker vom Bund auf die Länder und Kommunen umverteilt werden, wenn der politische Wille da wäre. Vorausgesetzt: Und dann bliebe immer genügend Geld übrig, um die "klate Progression" abzuschaffen. Nicht wahr, Herr Schäuble? - Solange der politische Wille aber fehlt, nicht nur Arbeitgeber-Lobbyismus zu betreiben, gilt es weiter zu streiken! - Glück auf!
(08.05.15) 


Warum das eigene Licht unter den Scheffel stellen? Seltsam scheint das Statement des ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden Dr. Dieter Graumann, wenn er sich die Vorwürfe der jüdischen Nebenkläger/innen im NS-Prozess gegen den früheren NS-Mann Oskar Gröning zu eigen macht. Die „Nebenklägeranwälte empörten sich“ (TV, 28.04.15, S.5) über die jüdische Auschwitz-Überlebende Eva Kor, weil sie dem angeklagten, früheren  NS-Mann Oskar Gröning wiederholt „die Hand zur Versöhnung reicht“ (TV, ebd.). Der Vorwurf der Anwälte gegen Frau Kor lautet, sie „inszeniere ihr Verzeihen und Vergeben immer wieder in der Öffentlichkeit“ (Zitat TV, ebd.). – Wo aber sonst sollte „Verzeihen und Vergeben“ stattfinden, wenn nicht in der Öffentlichkeit? Diese „Öffentlichkeit“ ist ebenso konstituierend für ein aufrichtiges (!) Entschulden wie sie es auch ist, wenn es darum geht, für „ermordete Eltern und Geschwister Klage zu führen zu wollen“ (TV, ebd.), wie es die anderen 49 jüdischen Nebenkläger/innen zurzeit tun. Es ist daher wenig hilfreich – ja sogar in einer Gesellschaft eher „Zwiespalt“ säend -, wenn Doron Kiesel als Professor für Interkulturelle Erziehung in Erfurt und Wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden in der „Jüdische Allgemeine“ vom 30.04.15 verlauten lässt, „[w]enn eine verfolgte jüdische Überlebend auf die psychischen Entlastungswünsche eines Täters eingeht, dann verantwortet sie einen folgenreichen Tabubruch. Erst recht, wenn Vertreter der politischen Führung ihre Handlung als vorbildlich bezeichnen“ (Jüdische Allgemeine, ebd.).     Die Rede ist hier – und das muss anscheinend ausdrücklich betont werden (!) - von einer zutiefst humanen Geste, zu der aber nicht jeder Mensch fähig, aber auch nicht jeder Mensch verpflichtet ist, zumal nicht, wenn er selbst (!) ein Opfer eines Täters ist. Ob Oskar Gröning im Sinne der Anklage überhaupt ein Täter ist, muss und wird das zuständige Gericht in Lüneburg feststellen.  Er selbst sieht sich als „frei von strafrechtlicher Schuld“ (TV, ebd.). Dagegen bekennt er sich - nicht erst mit Prozessbeginn - zu seiner moralischen Schuld ausdrücklich. Vorgeworfen wird ihm von der Staatsanwaltschaft „Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen“ (TV, ebd.). Als Teil des NS-Regimes ist er moralisch ebenso „verantwortlich“ wie wir als Nachfahren der Tätergeneration heute noch moralische Verantwortung für den Genozid tragen. Die Frage seiner persönlichen „Schuldverstrickung“ wird dagegen das Gericht im Namen des deutschen Volkes entscheiden. An dieser Situation ist – einmal abgesehen von dem immer unerklärlichen Umstand eines „Völkermordes“, der hier wir dort aber nicht in Frage gestellt wird - überhaupt nichts befremdlich! Das sieht „eigentlich“ auch der Autor in der „Jüdischen Allgemeine“ vom 30.04.14 so, denn zu seiner moralischen Entlastung gesteht er Frau Kor das Recht zu, zu verzeihen: „Aber es ist ihre individuelle Entscheidung“ (Jüdische Allgemeine, ebd.)! - Wie sollte es denn anders sein, ließe sich an dieser Stelle rückfragen? Der Autor selbst gesteht dagegen sein eigenes Unverständnis, wenn er von sich sagt: „Ich persönlich finde es zwar mehr als befremdlich, dass Frau Kor den SS-Mann Oskar Gröning, dem Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen vorgeworfen wird, umarmt und verzeiht“ (Jüdische Allgemeine, ebd.). – Aber das ist sein gutes Recht. „Befremdlich“ wird seine Meinung moralisch erst dann, wenn er behauptet, „[p]roblematisch wird die scheinbare Versöhnung durch ihre öffentliche Inszenierung“ (Jüdische Allgemeine, ebd.). Dagegen wird man unmissverständlich einwenden müssen: Anders als öffentlich geht Versöhnung - und auch privates Verzeihen - letztlich nicht. Denn ebenso muss die Schuld öffentlich festgestellt werden, denn sonst wäre die Behauptung in einem Rechtsstaat eine üble Nachrede, die selbst als Tatbestand ohne Ansehen der Person strafwürdig ist. Wenn dagegen der Autor des Artikels in der „Jüdischen Allgemein“ meint, beklagen zu müssen, dass „Frau Kors Umarmungsgeste eine positive und lobende Kritik bewirkt“, die dagegen „eigentlich“ als eine „Unanständige Versöhnung“ (Jüdische Allgemeine, ebd.) angesehen werden müsste, dann irrt er sich nicht nur, weil er nicht gewillt ist, in dieser „Inszenierung“ einen allgemein menschlichen Akt zu erblicken, sondern er vergreift sich auch im Ausdruck. Das tut mir persönlich Leid für ihn, denn er hat kein Recht die „individuelle Entscheidung“ von Frau Kor zu kritisieren. – Es genügt, wenn er sich eingesteht, sie nicht zu teilen – was schlechterdings sein individuelles Recht ist.

Er belässt es dabei aber nicht. Denn er ist ausdrücklich der Meinung, dass dem falschen Lob der „deutschen Mehrheitsgesellschaft“ (Jüdische Allgemeine, ebd.) als Reaktion auf die Versöhnungsgeste von Frau Kor, „in diesem Fall vermutlich ein schamhaftes Wegschauen angebrachter gewesen wäre“ (Jüdische Allgemeine, ebd.). - Diese Formulierung erstaunt
nun aber auch den unpolitischsten Leser und Zeitgenossen: Dass „Weggucken“ angemessener gewesen wäre, erinnert doch geradezu – nur umgekehrt (!) - an den Hauptvorwurf, der der damaligen deutschen Bevölkerungsmehrheit gemacht wurde und von dem man noch heute völlig zu Recht sagt, keiner dürfe „Weggucken“, wenn es um Antisemitismus oder Rassismus in der Gesellschaft gehe! - Dieser Widerspruch irritiert in doppelten Sinne: Einmal, weil „Versöhnung“ nicht anders als öffentlich vollzogen werden kann, wenn sie denn einen moralischen Anspruch erheben will und zum anderen, weil auch „ein schamhaftes Weggucken“ (Jüdische Allgemeine, ebd.) mitunter unmoralisch ist. Diesen Umstand zu vermitteln, bemühen sich unzählige Pädagogen seit Kriegsende täglich, den nachkommenden Generationen verständlich zu machen! – Vor diesem Hintergrund sind die Äußerungen des Autors ein Schlag in Gesicht eines jeden aufrechten Menschen. Letztlich oder „eigentlich“ ist aber auch die Meinung des Autors der Jüdischen Allgemeinen vor dem Hintergrund verständlich, den er in einer weiteren Aussage wie folgt auftut:
„Wenn eine verfolgte jüdische Überlebende auf die psychischen Entlastungswünsche eines Täters eingeht, dann verantwortet sie einen folgenreichen symbolischen Tabubruch“ (Jüdische Allgemeine, ebd.).   
Wenn der Autor der Meinung ist, die Gesten von „Versöhnung“ (Jüdische Allgemeine, ebd.), sowie von „Verzeihen und  Vergeben“ (TV, ebd.), seien ein moralsicher „Tabubruch“ (Jüdische Allgemeine, ebd.), weil Frau Kor dafür die Medien sucht, dann muss auch daran erinnert werden, dass 49 Nebenkläger/innen anwaltschaftlich in diesem Prozess ebenso öffentlich vertreten werden, „weil sie für ihre ermordeten Eltern und Geschwister Klage führen“ (TV, ebd.), wie der „Trierische Volksfreund“ zu Recht berichtet. Sollte der Angeklagte Oskar Gröning vom Gericht für schuldig im Sinne der Anklage gesprochen werden, also der „Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen“ (Jüdische Allgemeine, ebd.) überführt worden sein, und deshalb rechtmäßig verurteilt sein, dann eröffnen sich für die Nebenkläger/innen unter Umständen weitere zivilrechtliche Möglichkeiten, die, wenn sie in den USA durchgefochten werden, Entschädigungen in mehrfacher Millionenhöhe nach sich ziehen könnten. Dieses – wiederum rechtmäßige – Ansinnen zu unterminieren, darin besteht der Vorwurf meines Erachtens, den der Autor in der „Jüdischen Allgemeine“ zwar nicht explizit auszusprechen sich wagt, der aber seine scharfe Formulierung eines „folgenreichen symbolischen Tabubruchs“ (Jüdische Allgemeine, ebd.) verständlich machte.  Diese Umstände, etwas zu verschweigen, was öffentlich nicht an die große Glocke gehängt werden soll, weil eigene Interessen rechtlich zu Recht eine gewisse Rolle spielen, scheuen sich die Interessensanwälte der Nebenkläger/innen dagegen nicht auszusprechen. Sie behaupten, das individuelle Vorgehen von Frau Eva Kor „passt nicht zusammen“ (TV, ebd.), denn einerseits mache sie ihr Verzeihen öffentlich, andererseits trete sie aber wie alle anderen Nebenkläger/innen „im Namen der Ermordeten“ (TV, ebd.) auf, um Gerechtigkeit und Genugtuung zu erlangen.

Sie selbst rechtfertigt ihr Tun mit den Worten: „Meine Vergebung spricht die Täter nicht frei“ (Zitat, TV, ebd.). Das ist eine kluge und weise Unterscheidung, die moralisch zudem Bestand hat, es sei denn, man unterstellt ihr „unanständig und verräterisch“ (Jüdische Allgemeine, ebd.) zu sein – ein Wort das der Autor in der „Jüdischen Allgemeine“ der gesamten „Mehrheitsgesellschaft“ der bundesdeutschen Öffentlichkeit unterstellt. Allerdings reicht diese Unterstellung noch nicht zur Rechtfertigung der Ablehnenden Haltung gegenüber Frau Kor. Vielmehr dreht der Autor Ihre Motivation zu Gunsten seines Unverständnisses um: Während Frau Kor ihr Bedürfnis nach Vergebung gegenüber dem NS-Täter als „einen Akt der Selbstheilung und Selbstbefreiung“ (TV, ebd.) qualifiziert, macht der Autor des Artikels in der „Jüdischen Allgemeine“ aus ihrer eindeutigen (moralischen) Haltung einen (wohlmöglich rechtlichen) „Tabubruch“, indem er unterstellt, Frau Kor wolle bloß den „psychischen Entlastungswünschen eines Täters“ (Jüdische Allgemeine, ebd.) nachkommen. Das Gegenteil ist der Fall! Nichts spricht jedoch für diese erstaunliche Verdrehung des Autors in dem Text der „Jüdischen Allgemeine“, außer der Wille des Autors, Frau Kors Haltung öffentlich zu diskreditieren. Sein Statement gegenüber Frau Kor ist daher dreist. Es ist selbst noch dann dreist, wenn man – wie der Autor - nicht ausschließen mag, dass Frau Kor eine narzisstische Kränkung erlitten hat, bzw. selbst eine narzisstische Neigung aufweist.    Spätestens an dieser Stelle wird man feststellen können, dass es dem Autor der „Jüdischen Allgemeine“ in seinen Aussagen an einem moralischen Differenzierungswillen ermangelt. – Das tut mir Leid, denn hier werden Dialoge abgebrochen und erst gar nicht geführt, die aber zu führen dringender nötig ist, denn je.
(02.05.15)

PS.
Zum Thema "Vergebung" vgl. meinen Sonettenkranz "Lang ist die Zeit, es ereignet sich aber das Wahre" (Hölderlin) auf dieser Homepage vom 17.12.14. Es geht bei diesem Gedichtzyklus unter anderem auch um die existentielle Frage, ob man Herodes den biblischen "Kindermord" vergeben könne?).


Rückmeldung: Zu der Veranstaltung "10 Jahre Stolpersteine in Trier" des Kulturvereins Kürenz e.V. bekamen wir durchweg gute, mündliche Rückmeldungen der anwesenden Gäste. Der folgende Brief ereichte uns erst heute. Er soll ausdrücklich nicht verheimlicht werden:

Kordel, den 27.04.15
An den Kulturverein [Kürenz e.V.], Sehr gerne hätte ich Ihre Einladung zur Veranstaltung „10 Jahre Stolpersteine Trier“ angenommen. Leider befand ich mich zu dieser Zeit in Urlaub an der Blumenriviera und konnte deshalb Ihrer Einladung nicht folgen. Der Zeitpunkt 20.00 Uhr ist für mich sehr schlecht [- zu diesem Zeitpunkt sollte die Veranstaltung beendet sein. Sie begann schon laut Einladung um 18.00 Uhr, J.V.], da ich weder einen Führerschein noch andererseits mobil bin.
Es tut mir sehr leid, da ich durch Ihren Verein erst die Wahrheit über den wahren Grund des Ablebens meines Opas erfahren habe.
Ich möchte Ihnen deshalb nochmals ganz herzlich für Ihre Arbeit danken und Ihnen aus vollem Herzen versichern, es ist gut, dass es Sie gibt.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre M. S.
(30.04.15)


Pharisäer: Es ist schon besonders auffallend und sehr erstaunlich, dass deutsche Top-Manager anscheinend die altüberlieferte deutsche Spruchweisheit nicht mehr kennen. Ein krasser Fall dieses Kalibers ist der ehemalige VW-Vorstandschef Ferdinand Piech. Sollte er noch nie etwas von der Weisheit gehört haben, die mit den folgenden Worten überliefert wird: "Wer anderen eine Grube gräb, fällt selbst hinein!"? - Schlecht bestellt scheint das Feld der deutschen Wirtschaft und nicht zuletzt auch das der Banken im Fall des Prozesses gegen ehemalige und derzeitige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank. - Wer klagt da noch geggenüber Griechenland? Nur die Pharisäer!
(28.04.15)


Korso nach Berlin: Rocker und Biker wollen und sollen fahren! Die Einreise der russischen „Nachtwölfe“ pauschal zu verbieten ist lächerlich, wenn keine Straftaten einzelner Personen vorliegen. Liegen sie vor, sollten die Betroffenen festgenommen werden. So handelt der Rechtsstaat. Stattdessen werden hier jedoch nur Nebenschauplätze für politische Konflikte eröffnet, die vorrangig durch Politiker/innen – wenn sie denn können (!) – gelöst werden müssen, nicht aber durch Fahrverbote, die einen bloßen Aktionismus zum Ausdruck bringen, aber keinen Fortschritt bezüglich der aktuellen Problematiken zwischen Russland und der EU, bzw. der BRD. Auch Polen sollte sich etwas zusammennehmen und als Rechtsstaat agieren. Alles andere lenkt einfach nur vom Unvermögen der Politiker/innen ab, gangbare Lösungen für die anstehende Diplomatie zu finden. Wenn Wladimir Putin Lust, Zeit und Spaß hat, sollte er sich auf sein Harley-Dreirad setzen und seinen Nachtwölfen nach Berlin fahren. – Nur zu! Das ist wesentlich besser als bloße machtpolitische Spielchen zu spielen. Freie Fahrt für freie Biker durch ein noch freies Europa!
(27.04.15)  

Weg vom Fenster: Wenn stimmt, was die Medien gestern und heute berichten, dass der BND das Kanzleramt schon im Jahre 2008 erstmals vor den Spionagevorhaben der NSA informiert und gewarnt hatte, dann ist es an der Zeit, dass die ehemaligen Kanzleramtschefs Roland Pofala und Thomas de Maizière Verantwortung übernehmen. Als Minister ist de Maizière nicht mehr vertrauenswürdig. Pofala sollte seinen Aufsichtsratsposten bei der Bahn räumen müssen, denn was will die Bahn mit einem vertrauensunwürdigen Lobbyisten? - Leider interessiert die "Glaubwürigkeit" scheinbar nur die Börse - und hier auch nur nach eigenem Bedarf und Nutzen!
(27.04.15)


Trier, den 10.04.15

Betr.: Einladung zur Veranstaltung „10 Jahre Stolpersteine Trier“

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Schreiben möchten wir Sie herzlich zu unserem Jubiläum „10 Jahre Stolpersteine Trier“ einladen.

Am 22.04.2015 werden wir uns in den Räumen der VHS-Trier (Palais Walderdorff, Raum 5) ab 18.00 Uhr bis voraussichtlich 20.00 Uhr treffen, um das bisherige Projekt des Künstlers Gunter Demnig sowie dessen Realisierung in Trier durch den Kulturverein Kürenz e.V. vorzustellen. Dabei werden wir sowohl die Anfänge Revue passieren lassen als auch besonders hervorzuhebende Entwicklungen ansprechen. Insbesondere werden wir einige Schülerprojekte in Erinnerung rufen und die von Trier ausgehende Impulswirkung auf die Gedenkarbeit in der Region aufzeigen.         

In zwei Vorträgen wird die besondere Problematik der Aufarbeitung, des Erinnerns und des Gedenkens bezüglich der Euthanasie- und Zwangssterilisationsopfer vergegenwärtig.          

Dazu begrüßen wir als Gastreferentin die Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft Bund der Euthanasie-Geschädigten und Zwangssterilisierten“ Frau Margret Hamm.             
Wir freuen uns ganz besonders auch auf einen zweiten Kurzvorvortag einer Schülerin der 8. Klasse des MPG über die Verfolgungen von Menschen mit Down-Syndrom. Gerd Demerath wird zwischen den Vorträgen mit zwei Stücken auf der Laute für den musikalischen Rahmen sorgen.                 

In Zusammenarbeit und im Namen der VHS-Trier freuen wir uns auf Ihren Besuch.
Wir erwarten zudem zahlreiche Stolpersteinpaten sowie Angehörige der durch diese Gedenkarbeit gewürdigten Personen.
        
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Johannes Verbeek
       (1. Vorsitzender des Kulturvereins Kürenz e.V.)
PD Dr. Thomas Schnitzler
       (Wissenschaftlicher Beirat im Vorstand)

PS.
Gunter Demnig wird ab 13.00 Uhr an fünf verschiedenen Stellen 16 Stolpersteine in Trier verlegen. Ein genauer Ablaufplan wird noch veröffentlicht.)

(12.04.15, vgl. auch den Button: "Stolpersteine Trier" auf dieser Homepage)


Zeit für Ostermärsche
: Büchel muss Atomwaffen frei werden! – International müssen Atomwaffen geächtet werde!
Diese Forderungen sind umso dringlicher als in der letzten Woche zahlreiche Medien darüber berichtet haben, dass sowohl der russische Präsident Putin auf der Krim als auch seine Militärberater in Brüssel mit der Option eines atomaren Erstschlages gedroht haben sollen. Eine Haltung, die seit Beendigung des „kalten Krieges“ als längst überwunden galt.
Insofern muss der „kalte Krieg“ nicht nur „kalt“ gehalten werden, sondern er muss anständig „vereist“ werden wie eine böse Warze, die nur auf diese Weise zum Absterben gebracht werden kann. Krieg darf nirgendwo eine Option werden! –
Dafür stehen die Ostermärsche auch in diesem Jahr!
(06.04.15)
 

Wann ist es soweit? Wenn sich die Finanzminister der EU in Bezug auf die Griechenlandkrise „beruhigen“ wollen, dann sollen sie am Methadonprogramm ihrer Regierungen teilnehmen oder direkt nach Holland fahren, um dort ein einem Coffee-Shop Krisensitzungen über die Finanzfähigkeit der Griechen abzuhängen.
Wer käme denn auf die Idee, Zweifel daran zu hegen, ob die Griechenland je seinen Kreditverpflichtungen wird nachkommen können, wenn er selbst die notwendigen Zahlungsströme an die griechischen Banken verweigert, wie es die EU zur Zeit gegenüber ihren selbstangefixten Junkies tut? Denn gerade darin besteht seit Altes her das gewinnbringende Dealen:
Abhängigkeiten werden geschürt, indem für reichlich Nachschub gesorgt wird – sei es an Geld oder Drogen! In so einer Situation sind Dealer und Junkies geradezu symbiotisch verschwistert!
Ich habe noch nie von einem Finanzdealer gehört, der je damit gedroht hätte, seine Kundschaft nicht mehr weiter mit dem abhängig machenden Stoff versorgen zu wollen – um dann selber aufgeregt durch die Gegend zu laufen, so dass die Abhängigen beruhigend auf ihn einwirken müssen, mit den Worten: Wir bezahlen den Stoff bei Zeiten – komme, was da wolle!
Bei den wirklich großen Finanzcrashs sind bisher immer die „Geldgeber“ aus den Fenstern der Banken und Börsen gesprungen, nicht aber der kleine Mann auf der Straße.
Umso erstaunlicher ist es daher, dass die EU-Finanzminister offensichtlich ihren Osterurlaub familienfreundlich in Holland verbringen, statt fleißig zu sein und den Griechen zu helfen, das nötige Kleingeld zu verdienen, das sie brauchen, um es an die EU-Finanzminister weiterreichen zu können.
Das nenne ich mit Absicht einen Sinkflug einleiten!
„Hört dieses Wort“ – so Amos im 7. Jh. Vor Chr. – „die ihr die Griechen und Schwachen unterdrückt und die Sozialisten zermalmt“ (Am 4,1a.b), indem ihr sagt: Wir werden schon dafür sorgen, dass Tsipras seine Wahlversprechen nicht wird einhalten können und ungläubig wird vor seinem Volk– seht, an uns kommt keiner vorbei, ohne sich nicht tief zu verbeugen!
Ihr aber sprecht: „Schafft griechischen Wein herbei, wir wollen trinken und feiern“ (Am 4,1c), so billig und wollen nicht teilen unseren übergroßen Auslandshandelsüberschuss mit denen, die wir mit unseren Krediten in immer größere Schuldenspiralen locken und trieben.
„Wir hassen den, der zur Gerechtigkeit mahnt, und wer Wahres redet, den verabscheuen wir“ (Am 5,7).
„Nun“ – spricht der Barmherzige -, „weil ihr von den Hilflosen Pachtgeld, hohe Steuern und Zinsen nehmt, darum baut ihr Häuser aus behauen Steinen“ - wie die neue EZB-Bank in Frankfurt a.M. – „und wohnt nicht darin“ (Am 5,11c), weil – wie ihr sagt - euer Geld den Erdkreis umrundet. Die Asylsuchenden bleiben vor euren Türen und kommen nicht zu euch hinein.
„Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Galas nicht riechen“ (Am 5,21), denn „ihr trinkt Wein aus großen Humpen, ihr salbt euch mit feinstem Öl und sorgt euch nicht über den Untergang eures Bruders Griechenland“ (Am 6,6).
Ihr wirtschaftsmächtigen Finanzminister der EU, ihr dünkt euch sicher mit euren Bilanzen – solange die anderen kaufen und mit geborgtem Geld bezahlen -, ihr mächtigen Finanzminister seid aber nicht in der Lage Griechenland vorbehaltlos zu retten, ihr wollt sogar den „Abfall“ (Am 8, 6c) der Börsen zu reichlichem Geld machen für euch und eure eigenen Taschen.
„Spruch des Herrn: Mein Volk, die EU, ist reif für das Ende!“ (Am 8,2c).
Die großen Konzerne ziehen ins Ausland, sie sagen: Dort liegt das Geld auf der Straße, das wir aus  der Arbeit aller erpressen.
Wohlan: Schere dein Haar und gehe in Trauer; du hast sie nicht unterstützt die Veränderung, die alle Verhältnisse revolutioniert, in denen der Mensch ein geknechtetes, zerschundenes und kapitalistisch gequältes Wesen ist, das von dir ausgepresst und weggeworfen wird. – Wann ist es soweit?
06.04.15)

          

"Glück auf!", Herr Leibe, in Trier - Augustinerhof.
(01.04.15)


Machen wir dem Licht ein Garaus:
Einmal im Jahr wird weltweit dazu aufgerufen, abends für eine Stunde das (elektrische) Licht auszuschalten, um dem kaum wahrgenommenen Lichtsmoke der europäischen Großstädte entgegenzuwirken. Heute Abend ist es wieder soweit! – Machen wir dem Licht den Garaus!

In einer undatierten Glosse, aus denen das Buch „Die Vollzähligkeit der Sterne“ von Hans Blumenberg seinerseits seine Dicke und Vollständigkeit erreicht (1. Auflage, 2011), vergleicht Blumenberg zwei aufschreckende Mittel gegen „den Selbstgenuss der Dekadenz“ im ausgehenden 19. Jahrhundert, indem er die Errungenschaft der „Hygiene“ mit der der „Beleuchtung“ vergleicht. Während durch die Einführung penibler Hygienevorschriften „das unsichtbare Heer der Bakterien“ zunächst vertrieben werden konnte, aber andererseits aber durch die „ständige Fortzüchtung von Resistenzen“ kaum ein Jahrhundert später „nahezu eine Million Hospitalinfektionen jährlich“ gezählt werden müssen (der TV berichtete erst kürzlich über die Problematik multiresistenter Krankenhauskeime), ist unser Umgang mit der Beleuchtung weder in unseren „Eingeweiden spürbar“ noch irgendwie beklagenswert. Denn das neue, elektrische  „Licht“, das gegen die „Entfinsterung der Städte“ gerichtet war und damit bis heute aufklärerisch wirkt, in dem auch in Trier wissenschaftlich erhobene „Angsträume“ - besonders für alleinspazierende Damen - des Nachts mit superhellen LEDs ausgeleuchtet werden, ermöglichte nicht nur neue Erfahrungs- und Gehräume, sondern auch eine „buchstäbliche Erfüllung der Aufklärungsutopien: deren bekannteste - bekanntlich - ein Licht der Erkenntnis in die dunklen Hirne der meisten Menschen zu werfen beabsichtigt.

„Was am Anfang des Jahrhunderts ein Triumpf gewesen war, läßt die Welt an dessen Ende um eine ganze Dimension verarmen – schreibt Blumenberg -. Die Lichtfluten, die der Nacht und allem Verbrogenheiten in ihr – den leiblichen wie den kriminellen – den Garaus machen sollten, kontaminierten die Atmosphäre ineins mit dem Ausstoß an Gasen und Stäuben, ohne die der Lichtstrom nicht zu gewinnen war. Der Gedanke daran lag in weiter Ferne, als F.T. Marinetti am 20. Februar 1909 ins ‚Manifeste du Futurisme‘ den triumphierenden Imperativ aufnahm: „Tod dem Mondschen!“. Da war „Elektirsch“ schon ein nahezu sakrales Attribut“ (ebd., S. 304) – meint Hans Blumenberg (1920-1996).     

Die fundamentale anthropologische Opposition-Sichtbar/Unsichtbar muss heutzutage wiederholt bedacht werden, denn sowohl die Ausstöße der deutschen Kohlekraftwerke sollen neu besteuert werden müssen (vgl. TV) als die nicht erst seit heute bekannte Problematik der multiresistenten Krankenhauserreger (vgl. TV) müssen dringend politisch angegangen und vor allem auch gelöst (!) werden.  
Also fangen wir mit dem Licht an, damit der schöne „Mondschein“ fortlebt!
(28.03.14) 


 Allen „Schrott“ nach Athen: Sollte der Griechische Staat tatsächlich bis zum 01.04.2015 durchhalten und nicht zuvor Pleite gehen, was der deutsche Finanzminister Herr Schäuble zwar nicht zu wissen vorgibt, aber auch nicht ausschließen mag – wenn er denn als verantwortlicher Minister Handeln können würde wollen, um zu verhindern, was nicht sein soll -, dann möchte ich hiermit offiziell vorschlagen, dass dem griechischen Staat zu seiner finanziellen Haushaltskonsolidierung aller „Schrott“ aus den europäischen Geldbeuteln überschrieben wird. Denn kein Mensch braucht die 1 Cent, 2 Cent und 5 Cent-Stücke in seinem Protmonee, die die Börse nur unnütze aufblähen und unnötig schwer machen. Würde aber aller sogenannter „Schrott“ der gesamten Europäischen Geldunion der griechischen Bank überschrieben, wäre diese nicht nur auf absehbare Zeit liquide, sondern auch übervoll. Die EZB müsste diesen "Schrott" nicht einmal aufkaufen, sondern sie müsste ihn nur 1 : 1 "umtauschen" in vernünfitge Euroscheine! - Damit wären zwei Fliegen mit einer Finanzklappe geschagen:
Was den Griechen an dauerhaftem Geldsegen über die Runden hülfe, täte den europäischen Geldbörsen auch nicht weh.
Ganz im Gegenteil: Es wirkte befreiend an der linken oder rechten Pobacke von Jedermann!
(28.03.15)     


Das stille Lachen der Thrakerin: Wenn, wie die Medien berichten, angestrebt wird, im Jahre 2025 eine Expedition zur Besiedlung des Mars in Angriff nehmen zu wollen, so wird man dies mit dem Lachen jener thrakischen Magd kommentieren müssen, von der gesagt wird, sie hätte den ersten Philosophien, der diesen Namen verdient habe, Thales von Milet, dereinst zu nächtlichen Stunde, den Kopf zum Himmel erhoben, um dort die Sterne zu beobachten, in den Brunnen fallen gesehen, der vor ihm war.
Dieser Umstand wird tradiert mit den Worten, Thales habe, wenngleich er das Entfernte habe studieren wollen, das Naheliegende übersehen.
So könnte es auch den zukünftigen Marskosmonauten ergehen:
Wie wollen sie den fernliegenden Mars dauerhaft besiedeln, wenn es der Menschheit nicht einmal gelingt, das Naheliegende fragile, die Erde, lebenswert zu erhalten? -
Diese Variante der Rezeption der Anekdote zu Thales möchte ich der Abhandlung von Hans Blumenberg „Das Lachen der Thrakerin“ hinzufügen.
Obwohl ich dem Neukantianismus verpflichtet bin - besonders in Form der „Philosophie der symbolischen Formen“ nach Ernst Cassirer -, wird alles darauf ankommen, unsere naheliegende „Lebenswelt“ (Husserl) als lebenswert gestaltend zu verstehen.
Bleibt in der ursprünglichen Erzählung, die von Platon überliefert wurde, unklar wie laut das Lachen der thrakischen Magd war und wer – wenn überhaupt – es gehört haben mag, so wird unser heutiges Lachen den kompletten Kosmos erschallen! Selbst Günther Anders (vgl.: Der Blick vom Mond) wird sich ein stilles Schmunzeln nicht verkneifen. Ja: Wir haben Großres geleistet und noch Größeres vor uns, lautet der gegenwärtige Narzissmus!
(24.03.15)
  

Manche Leute
halten sich tatsächlich, letztendlich für erfolgreich, angesichts ihrer alltäglichen Taten und ihres übergroßen Horizontes projizierter Selbstverwirklichungen. - So gesehen in Trier bei der Laudatio eines "großen" Mannes sowie bei einer Schülerrede zum Abitur 2015. Selbstverständlich gilt mein Lob bei solcher Selbst- und Fremdeinsicht ungeteilt.
(22.03.15)


Überflieger:
Es wunder mich seit einiger Zeit, dass es offensichtlich in der BRD keinen Menschen gibt – und schon gar nicht irgendeinen Politiker -, der der Pilotenvereinigung endlich einmal sagt, wo der Hammer hängt. Wie könnte es sonst sein, dass die Mehrheit der bundesdeutschen Arbeitnehmer /innen derzeit nicht weiß, wie sie die Rente mit 67 Jahren würdevoll erreichen können soll und die Piloten demgegenüber allen Ernstes nicht mit sich darüber reden lassen, ob es angemessen ist, dass der alte Zopf, schon ab 55 Jahren Übergangsgelder in Empfang nehmen zu können,  in der heutigen Zeit nicht endgültig abgeschnitten gehört? Hier scheint doch etwas aus dem Lot geraten zu sein und keiner will es ihnen sagen! Wo kommen wir denn da hin?  Woher und warum diese demütige Angst? – Lassen wir sie doch fliegen, wohin sie wollen – nur ohne uns!  Und also mit ihren leeren Kisten hoch über Berlin! 
(20.03.15)



Medien-Hype:
Die Frage, ob der griechische Finanzminister G. Varoufakis einen Mittelfinger hat, den er in Richtung Deutschland gestreckt haben könnte, ist ganz analog der Frage, ob die Bundeskanzlerin Frau Merkel eine Nase hat, die in Richtung des Deutschen Volkes etwas angewachsen ist? Wer kennt nicht Pinocio, dessen Nase kurze Beine hatte, weil Frau Merkel einmal meinte: "Mit mir kommt keine Maut!" - Und so wird eine Sau nach der anderen durchs Dorf gejagt, um der griechischen Links-Regierung ein Beinchen nach dem anderen zu stellen. - Zu dumm nur, dass auch Frau Merkel eine Nase hat!
(19.03.15)


Persönliche Empfehlung:
Man sollte, ab einem bestimmten Alter, statt fremdes Geld, lieber die Zahnlücken im eigenen Gebiss zählen und beheben. - Das wäre für alle Beteiligten erquicklicher. Mit anderen Worten: Eine Altershöchstgrenze für aktive Politiker sollte eingeführt werden, nicht zuletzt auch um der jüngeren Generation willen. Frischer Atem sollte aus dem öffentlichen Mund schlagen.
(15.03.15)


Wiederholt
wird von den Medien kolportiert, Griechenland könne sogar "unbeabsichtigt" (T-online, 14.03.15), sozusagen als "Unfall", den Euroraum verlassen. Für dieses Szenario wurde sogar ein eigenes Wörtchen erfunden (vgl., ebd.). Wie schön auch nur, dass mittlerweile sogar der Bundesfinanzminister W. Schäuble sich diesen Umstand ganz gut vorzustellen vermag, indem er dieses Wörtchen in den Mund nimmt (vgl., vor einigen Tagen, eba.).
Das zeichnet aber die Heuchler aus: Lippenbekenntnisse allenthalben, aber hintenrum ganz anders Handeln oder Schönwetterpolitik betreiben. In diesem Zusammenhang kommt so ein Neologismus doch ganz gelegen: Suggeriert er doch, die griechische, "radikal-linke" Regierung, fahre den eigenen Wagen Schnur stracks an die Wand. Besser geht's wohl kaum, wenn man sich als europäischer Finanzminister und Banken-Lobbyist die Hände in völliger Unschuld waschen will. - Zu dumm nur - wirklich ganz beschissen -, dass die EU-Verantwortlichen Damen und Herren dabei vergessen haben, nicht nur im selben Bus zu sitzen, sondern sogar das Navi selbst eingestellt zu haben. Sie, die verantwortlichen EU-Finanzminister, steuern Griechenland an die Wand! Warum sollte man denn G. Varoufakis nicht beim Wort nehmen, wenn er wiederholt sagt, Griechenland wolle überhaupt nicht aus dem Euroraum austreten? Wer, bitte schön, will es denn? Und vor allem warum? - Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, erfind' ich mir ein neues Wort. - Ganz recht, den Linken zeigen wir es mal, damit auch klar ist, wo es hier lang geht und wer das Sagen hat! Der Minister Schäuble, von dem wir neuerdings wissen, dass er auch eitel ist (vgl. t-online. ebd.), der navigiert höchstselbst. - Haftet der denn auch oder wer? So sieht wohl finanzpolitische Propaganda im 21 Jh. aus, die zwischen Sozialismus und Kapitalismus ideologisch geprägt ist.
(14.03.15.)     


Mit großem Sachverstand – oder auch nicht: Was soll man von diesem Sachstands-Niveau im Deutschen Bundestag halten, wenn der CDU-Politiker Klaus-Peter Willsch seine Ablehnung für das anstehende Finanzpaket für Griechenland mit den folgenden Worten begründet, die das deutsche Fernsehen dankenswerter Weise im Originalton gesendet hat:  "Schauen Sie sich Ministerpräsident Tsipras an, schauen Sie sich Finanzminister Varoufakis an: Würden Sie von denen einen Gebrauchtwagen kaufen? Wenn die Antwort darauf Nein ist, dann stimmen Sie auch mit Nein heute." (ARD, sowie:  Die Welt, 27.0215)
Die Frage müsste hier eigentlich lauten: Wer hat diesen sachkundigen Menschen eigentlich in den Bundestag gewählt? Und: Würden diesen Politiker mit seinem ausgewiesenen finanzpolitischen Sachverstand erneut ihr Vertrauen aussprechen und ihn wiederholt in den Bundestag wählen?
Wenn „Ja“, dann wundern Sie sich nicht, wenn die neue griechische Regierung seit Amtsantritt immer wieder, wieder Wiederholt, dass die von der EU verbürgten Finanzmittel zur strategischen Bankenrettung in Griechenland „nicht zurückgezahlt werden können“ – und schon gar nicht unter den bestehenden Bedingungen der geltenden Verträge. „Alle [verantwortlichen Politiker in der EU, J.V. ] wissen das“, sagte Varoufakis erst gestern erneut (vgl. t-online.). Leider scheint auch der Bundesfinanzminister W. Schäuble diese simple Rede des griechischen Finanzminister G. Varoufakis nicht zu verstehen! Jedenfalls äußerte sich W. Schäuble diesbezüglich während der verschiedenen Verhandlungsrunden mehrfach öffentlich, so als wäre er mit dem simplen Verstehen des Inhaltes dieser Aussage sichtlich überfordert (vgl. …).
Der von den griechischen verantwortlichen Politikern seit Anbeginn der neuen links-rechts Regierung geforderte „Schuldenschnitt“ scheint bei den europäischen Amtskollegen, besonders aber bei denen, die ein christliches „C“ in ihrem Parteiprogramm zur Schau stellen, keineswegs Erinnerungen wachzurufen, weder an die neuere Geschichte der Bundesrepublik noch an das Jahr 2000 mit dem weltweiten Aufruf eines „Jobel-Erlass-Jahres“ für Länder der damaligen sog. „Dritten Welt“. Es scheint so, als wüssten Schäuble und Co. Überhaupt nichts anzufangen mit der altbiblischen Forderung „nach sieben mal sieben plus eins Jahren“, nach denen eine Komplettentschuldung stattfinden solle. Dies geschieht zu Zeiten des Alten Testamentes vor dem zentralen, Identität stiftenden  Ereignis, an das sich das Volk Israel im religiösen Kult immer wieder erinnern solle:
„Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat der Herr, dein Gott, dich freigekauft. Darum verpflichte ich dich heute auf dieses Gebot“ (Dtn 15, 15).
Der sozialpolitische Aspekt in diesem religiösen Gebot wird zudem unmissverständlich ausgedrückt: „Doch eigentlich sollte es bei dir [in Israel, J.V.] gar keine Armen geben“ (Dtn 15, 4). Deshalb fordert das geltende Recht: „Jeder Gläubiger soll den Teil seines Vermögens, den er einem anderen [z.B. Griechenland, J.V.] unter Personalhaftung als Darlehen gegeben hat, brachliegen lassen“ (Dtn 15, 2b). -  An dieser Stelle wird also der heutzutage von Griechenland geforderte „Schuldenschnitt“ expressis verbis schon zu Zeiten der „Richter“ im Alten Testament, also 1200 bis 1020 v. Chr, gefordert. Das passiert nicht von Ohngefähr, denn auch die alten Gesellschaften wussten – was die modernen Finanzminister unter neokapitalistische Ideologie heutzutage nicht mehr zu wissen scheinen -, dass die „Würde“ des Schuldners gegenüber den Ansprüchen des Gläubigers absoluten Vorrang besitzt. Und weil dies ein bestehendes „Sozialgesetz“ ist, soll es im religiösen Kult permanent wiedererinnert  werden, damit die verantwortlich Handelnden Menschen vor „Gott“ und „vor dem Nächsten“, der nicht erst seit der französischen Revolution ein „Bruder“ (MT, 25.40) ist, gut – und das  heißt: human  handeln. Denn:
„Wenn du ihn [den verschuldeten Sklaven, J.V.] freigibst, sollst du ihn nicht mit leeren Händen entlassen. Du sollst ihn von deinen Schafen und Ziegen, von deiner Tenne und von deiner Kelter so viel mitgeben, wie er tragen kann“ (Dtn 15, 13f).
Von einer besonderen Schuld, die der Sklave begangen haben sollte, ist an dieser Stelle nicht die Rede. Es macht keinen Unterschied, ob er selbstverschuldet „Sklave“ geworden ist oder auch unverschuldeten äußeren Umständen. Wohl aber wird ermahnt, dass die Gläubiger nicht „verhärtet“ über die Schuldner richten sollen: „Du sollst ihm etwas geben, und wenn du ihm gibst, soll dein Herz nicht böse darüber sein“ (Dtn 15, 10). – Ganz im Gegenteil:
Der Text basiert nämlich nicht auf einer utopischen Idealisierung, sondern er ist aus einer realpolitischen Sichtweise geschrieben. Das zeigt sich an der abschließenden Einsicht:
„Denn die Armen werden niemals aus deinem Land verschwinden“ (Dtn 15, 11). Deswegen lautet das sozialpolitische Fazit schon im 1200 Jahrhundert vor Christus: „Du sollst deinem Not leidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt [d.h. auch in der Euro-Gemeinschaft der EU, J.V.], deine Hand öffnen“ (Dtn 15, 11c).         Wer dazu nicht in der Lage oder nicht gewillt ist, der ist ideologisch nicht nur verbrämt, sondern er ist eindeutig ein kalter Krieger des Kapitalismus. Vor diesem Hintergrund sollte man die Aussagen des griechischen Finanzministerns G. Varoufakis verstehen, wenn er meint, es komme auf eine neue Finanzordnung in der gesamten EU an, die für alle Mitgliedsländer ein Leben in Würde und Wohlstand bedeuteten. In einem Artikel in Publik Forum (PUFO, 4/2015) erinnert neuerdings auch Christoph Fleischmann daran, dass die Bundesrepublik Deutschland ihr „Wirtschaftswunder“ in den 50’ziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat haben können, weil „im Londoner Schuldenabkommen vom 27.Februar 1953 Deutschland von den Kriegsgegnern fünfzig Prozent (!) der Auslandsschulden erlassen wurden; und für die weiteren fünfzig Prozent wurden günstige Rückzahlungsbedingen gewährt“ (PUFO, ebd. S. 29). Mit diesem „Schuldenerlass“ sind aber nur die finanztechnischen Vorbedingungen benannten, die inhaltlich damit ausgefüllt wurden, dass „die Gläubigerstaaten viel aus Deutschland importierten“ (PUFO, ebd.). – Nichts anderes fordert der griechische Finanzminister G. Varoufakis derzeit von den EU-Gläubigerstaaten. Dafür bedarf es freilich etwas Zeit, die Hardliner wie der deutsche Finanzminister W. Schäuble den Griechen nicht zubilligen will, weil ihm nichts an der Not der des griechischen Volkes vor Ort liegt, denn dieses sei schließlich an seiner misslichen Lage selber schuld, während für Deutschland der Mythos vom „fleißigen Deutschen“ (PUFO, ebd.) weitererzählt wird, die nicht erst um 11.00 Uhr im Café den faulen Tag in der Mittagssonne vergeudeten.  Dem deutschen Finanzminister geht es als Oberlobbyist der bisherigen strategischen Bankenrettung im Gefolge von J.-C. Juncker primär nur um die kapitalistischen Bilanzen derselben.
Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, ignorieren sie geflissentlich. „Hypokrisie“ gilt der Theologie der Befreiung aber als eine von fünf „Pathologien“ der römisch-eurozentrierten Kirchen, denen vor allem Berufspolitiker aus täuschungsstrategischen Gründen verfallen sind (vgl. das sog. „Kairos-Dokument, 1989).            Wer soweit nicht in die Zusammenhänge der Geschichte zurücksehen will, dem sei das entsprechende Kapitel über die „Schuldenfalle“ von Sarah Wagenknecht „Freiheit satt Sozialismus“ (erw. Neuauflage ,  2012, S. 213ff) anempfohlen. Hier die griechische Problematik ausführlich erläutert und – wenn wundert’s – durchaus im Sinne von G. Varoufakis gelöst. Im Gegensatz zu den Vertreter/innen der deutschen Bischöfe, die statt zu „Schreien“ (nabii), es lieber vorziehen, „mit großer Sorge“ zu schweigen, wird hier immer wieder ein Gespräch gesucht. Nur der deutsche Finanzminister mitsamt der konservativsten (Lügen-)Presse („Wir sagen Nein!“) macht dumme Vorwürfe und sieht sich selbst genervt, statt die tatsächlichen finanzpolitischen Probleme mit nur in Europa (!) anzugehen.
(01.03.15)   


Zur gegenwärtigen Lage der Welt insbesondere der Lage Griechenlands:
Es seien an dieser Stelle nur einige, allgemein bekannte Zitate von Karl MarX zusammengestellt, die, bezogen auf die gegenwärtige Lage der Finanzwelt, für sich selbst sprechen, von denen ich mir aber nicht sicher bin, ob der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sie überhaupt kennt? Wie anders könnte er in verschiedenen Interviews der vergangenen Tage wiederholt sagen, er wüsste gar nicht, was die Griechen wollten (vgl. ARD und ZDF-Nachrichten)?!.
Wer einen solchen Satz nach wochenlangen Verhandlungen öffentlich ausspricht, muss ziemlich bescheiden Denken wollen können müssen, ja man könnte geradezu fragen, ob er überhaupt „Herr“ der Lage sei – oder eben doch nur ein „Knecht“?
Zum besseren Verständnis des dialektischen Gegensatzes zwischen den Griechen und der EU insbesondere Herrn Schäuble als unverständiger „Hardliner“ der EU-Kommission:

„Eine Entwertung des Kreditgeldes […] würde alle bestehenden Verhältnisse erschüttern.“
(Das Kapital; MEW, 25, 532)

„Wird Kapital ins Ausland geschickt, so geschieht es nicht, weil es absolut nicht im Inland beschäftigt werden könnte. Es geschieht, weil es zu höherer Profitrate im Ausland beschäftigt werden kann.“
(Das Kapital; MEW, 25, 266)

„Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen die Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein.“
(Zur Kritik der politischen Ökonomie, Vorwort; MEW, 13, 9)

„Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausdruck, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Kapitalistenklasse verwaltet.“
(Manifest der Kommunistischen Partei; MEW, 4, 464)

"Anderen etwas vormachen und sich dabei selbst etwas vormachen – das ist die parlamentarische Weisheit im Kern.“
(Brief an Danielson; MEW, 35, 157)

„Steuern sind die wirtschaftliche Grundlage der Regierungsmaschine und von sonst nichts.“
(Kritik des Gothaer Programms; MEW, 19, 30) 

„Aber der Demokrat, weil er das Kleinbürgertum vertritt, also eine Übergangsklasse, worin die Interessen zweier Klassen sich zugleich abstumpfen, dünkt sich über den Klassengegensatz überhaupt erhaben.“
(Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte; MEW, 8, 144)

„Revolutionen werden nicht von einer Partei gemacht, sondern von einem ganzen Volk.“
(MEW, 34, 514)

„Eine neue Revolution ist nur möglich im Gefolge einer neuen Krise. Sie ist aber auch ebenso sicher wie diese.“
(Klassenkämpfe Frankreich; MEW, 7,98)

„Das Recht auf Arbeit ist im bürgerlichen Sinn ein Widersinn, ein elender, frommer Wusch.“
(Klassenkämpfe in Frankreich; MEW, 7, 42)

„Wenn die Demokraten die Regulierung der Staatsschulden verlangen, verlangen die Arbeiter den Staatsbankrott.“
(An die Mitglieder des Kommunistischen Bundes; MEW, 7, 253)

„Ist nicht jede Staatsschuld eine Hypothek, die dem Fleiß eines ganzen Volkes auferlegt wird, und ein Beschneiden seiner Freiheit?“
(MEW, 15, 124)

„Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen einer herrschenden Klasse.“
(Manifest der kommunistischen Partei; MEW, 4, 459)

„Was den Kommunismus auszeichnet ist nicht die Abschaffung des Eigentums überhaupt, sondern die Abschaffung des bürgerlichen Eigentums.“
(Manifest der Kommunistischen Partei; MEW, 4)

Zitiert nach:
Heute Marx. Unschlagbare Zitate. Auswahl von Johannes Oehme, Berlin, 2005.

Unbescheiden wie ich bin, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ich als Philosophielehrer, der ich unnachgiebig bin, die zitierten Werke allesamt nicht nur gelesen, sondern eher auch studiert und meditiert habe, sehr geehrter Herr Schäuble!
(22.02.15)

Schäuble und Co
haben in Brüssel lediglich einen Pyrrhussieg errungen. Ihr vermeintlicher Triumpf gegenüber Griechenland bedeutet jetzt schon den Untergang ihrer geheuchelten EU-Einheit. Auf lange Sicht ist jeder Lobbyismus - insbesondere auch der Finanzlobbyismus - tot gegenüber der Selbstbestimmung eines aufgeklärten Volkes. Die Totengräber um Juncker schaufeln ihr eigenes Grab. Das ist die Logik des herrschenden Wirtschaftssystem. Es kommt, wie es kommt,solange das herrschende Recht das Recht der Herrschenden ist!
(21.02.15)

Nachtrag zur fünften Jahreszeit,
in der auch einige Politiker/innen gedankliche Aussätze zu verzeichnen hatten:
Wer nicht als Narr geboren wurde, der sollte sich auch nicht als Diktator aufspielen!
(20.02.15)

In Haftung nehmen:
Sollten die Finanzverhandlungen mit Griechenland scheitern, sollte man den deutschen Finanzminister Schäuble in die Wüste schicken. Er sollte persönlich für das Scheitern der Verhandlungen und die möglichen Folgekosten für den Steuerzahler Haften! Denn es kann nicht sein, dass ein deutscher Finanzminister sich in einem Interview vor laufender Kamera über seinen griechischen Kollegen Gianis Varoufakis lustig macht und mit Reporten äußerst provokativ und dreckig lacht (gesehen in ARD-Nachrichten am 18.02.15)! Das geht auch dann nicht, wenn man der Meinung sein sollte, Varoufakis sei ein arroganter, stolzer Gockel! Offensichtlich macht Herr Schäuble derzeit eine Stammtischpolitik, die weit entfernt davon ist, seriös zu sein! Wenn schon die Griechen für Ihre Schulden haften sollen müssen, warum dann auch nicht europäische Finanzminister, die den EU-Karren an die Wand zu steueren bereit sind? - So geht es nicht mehr weiter! Die narrenfrei Zeiten sind vorbei! Die Finanzpolitik der BRD (und insbesondere die der EU) ist nur ein Beispiel von vielen anderen Baustellen. Siehe: Die EU-Flüchtlingspolitik oder die Vermittlungen im Ukraine-Konflikt zwischen Russland und den USA, ect.) Das "Trojanische Pferd" ist Schäuble selbst. Er ist ein Lobbyist der Banken und Finanzwirtschaft, nicht der einer für die Menschen vor Ort - nicht in der BRD und nicht in Griechenland und nicht in der EU.
(20.02.15)

Am Boden:
Wer, wie Jürgen Klopp, glaubt, er würde sich "durch Selbstkritik nur noch weiter schwächen" (Zitat: Morgenmagazin 06.02.15), der weiß nicht, wo er stehen könnte, wenn er denknotwendige Konsequenzen zöge.
Der Trainer des BVB scheint nicht mehr fähig zu sein, mit Abstand objektive Einsichten zu gewinnen und umzusetzen. Ihm fehlt - vor lauter Selbstüberschätzung und selbstverliebter Nähe zu sich selbst - die Tugend (= Fähigkeit) zur Selbsteinsicht. Das ist der Anfang vom Ende. Und ein Scheitern an sich selbst! Das hat nämlich noch keinem geschadet, dass aus Kritik Einsicht wird. Fatal ist nur, wenn man durch Selbstkritik in der Lage wäre, etwas zu verändern, nur dazu nicht gewillt ist. Das eben ist ein Fall für die "Selbst-Aufklärung" des Denken nach Immanuel Kant. Jürgen Klopp geht hier am "Gängelband" seiner eigenen Vermarktungs- und Imagestrategie.
(06.02.15)

Fauxpas: Böswillig, dumm oder nur dämlich? Auf Seite 2 des Trierischen Volksfreundes vom 02.02.15 werden zehn Persönlichkeiten aufgeführt, die die Deutschen am meisten bewundern. Soweit, so gut! Jedoch wird auf Rang 6 "Edward Snowden (31), EX-Spion" (TV, ebd.) aufgelistet. Auch das geht in Ordnung. - Was aber unter keinen Umstanden geht, ist, Edward Snowden mit der Berufsbezeichnung "Ex-Spion" zu diffamieren!
Edward Shnowden war nie (!) ein Spion. Das, was er ist, wird unter der Bezeichnung "Whistleblower" benannt und gewürdigt!
Wer aber den Unterschied zwischen einem "Spion" und einem "Whistleblower" nicht kennt, der wird auch den Unterschied zwischen einer "kritischen" Presse und einer "Lügenpresse" nicht kennen. - Ein wahrer "Voklsfreund" sieht anders aus!
(02.02.15)

Hilfe: In der Edathy-Fragestunde des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages trat der CDU-Obmann vor die Presse, um über einige Befragungen auch von Bundestagsapgeordneten zu berichten. Sein kurzes Statement ist bedeutend, sprach er doch davon, dass einer der befragten SPD-Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht nur völlig "arrogant" aufgetreten sei, sondern auch mit "erheblichen Gedächtnislücken". Er litte gleichsam unter einem "Totalausfall seines gesamten Erinnerungsvermögens". Dem Sprecher dieser Meldung stand seine "Fassungslosigkeit" ins Gesicht geschrieben. Nach RP-Bericht vom 30.01.15 handelte es sich um den SPD-Abgeordneten und früheren Edathy Vertrauten Johannes Kahrs. 
Wen dem aber so ist, dass Abgeordnete entweder auf das schamloseste vor dem Untersuchungsausschuss Lügen oder aber einen "totalen Gedächtnisaussfall" beteuern, in dem sie sich an rein gar nichts mehr erinnern können oder vorgeben, sich an nichts mehr erinnern zu können, dann muss man diese Menschen vor sich selbst schützen - und die Bürgerschaft vor ihren Entscheidungen im Bundestag (!) -, indem man diese "Punkt-Kranken" unmittelbar aus dem Gesprächsraum zum Amtsarzt führt und auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen sollte! Bestätigt der Amtsarzt einen "Totalausfall" an Geistesstärke (bzw. Schwäche), sollten die Parteien Konsequenzen ziehen müssen und Nachrücker nomminieren. -
Dass dieses Verfahren missbraucht werden kann, liegt jedoch auf der Hand. Ebenso wie es auf der Hand liegt, dass die Berufung auf die eigenen "Gedächnislücken" de facto zu der Feststellung führen, die Bundestagsabgeordneten seien nicht in der Lage, ihr Amt verantwortungsbewußt auszuführen. -
Konsequenzen diesbezüglich müssen aber so oder so möglich sein. Denn die Freiheit eines Bundestagsabgeordneten kann nämlich nicht in der berüchtigten "Narrenfreiheit" bestehen.
Erinnert sei nur an den Ausspruch von Linkenchef Gysi: "Bei den Linken gäbe es 10% Irre - wie in jeder anderen Partei auch!" Die Frage, die sich hier stellt, ist allerdings, wie diese Menschen es schaffen, in den Bundestag gewählt zu werden?
(30.01.15) 


Fragezeichen:
Wie lächerlich ist es eigentlich, wenn ausgerechnet EU-Präsident Jean-Claude Juncker (Luxemburg) mit dem neuen griechischen Ministerpräsidenten Tsipras darüber reden will, dass Griechenland geltende Finanzverträge einhalten solle? Das System "Juncker" hatte doch jahrelang besondere Steuervorteile in Luxemburg etabliert, wie kann er jetzt glaubwürdigerweise davon sprechen, eine einheitliche Finanzpolitik in Europa durchsetzen zu wollen? Nun, vielleicht darum, weil die einheitliche Finanzpolitik derzeit opertun ist, und jetzt wiederum gewisse "Vorteile" zeitigt. Die Frage ist allerdings für wen und, ob zu Recht? 'Jetzt' ist die Zeit gekommen (der 'kairos' also), statt weitere Banken und deren Lobbyistensysteme zu retten, eine gerechtere Sozialpoilitk für die Mehrheit der Bevölkerung in der EU vor Ort zu gestalten. Die alten kapitalistischen Funktionäre werden sich über kurz oder lang nicht selbst überleben. Das Rentenzeitalter des Euro-Kapitalismus muss eingeläutet werden. Zur Erinnerung: Die Demokratie kam unlängst auch aus Griechenland ins Abendland. 
(20.01.15) 

Glückwunsch
an die Linke in Griechenland: Ein Hoch auf die Internationale!
(Bedingt auch auf die Linke in der BRD; noch bedingter auf die Linke in Trier - Unterkante Wasserkante, blubb in RLP).
(25.01.15)

  Gesellschaftskunde: „Wie Unzufriedenheit das Miteinander zerstört“ schrieb Dorothee Krings in ihrer Kolumne „Gesellschaftskunde“ am 15.01.15 in der Rheinischen Post (RP). -
Wie wahr! Denn unzufrieden bin ich ganz und gar mit ihren völlig unkritischen Schlüssen, die sie im Verlauf ihrer Kolumne zieht. So lautet ihre Unterüberschrift, die einem Syllogismus ähnelt, mit drei Sätzen:
„Immer mehr Menschen haben das Gefühl, zu kurz zu kommen.
Und sehen keine Chance auf Genugtuung.
Also suchen sie nach Sündenböcken.“ (RP, ebd.)

Während ich den beiden ersten Sätzen durchaus zustimmen kann, bin ich durchaus erstaunt, weshalb der Schluss dann lauten solle, dass die Menschen, die nach Maßgabe ihres  eigenen Gefühls, zu kurz gekommen seien und zudem keine Chance sehen, daran etwas zu ändern, „also nach Sündenböcken suchen“ würden (RP, ebd.), statt danach, was nahe liegen würde, nämlich nach Schuldigen zu suchen, die für ihre Situation auch tatsächlich verantwortlich sind?

Es kommt Frau Kings überhaupt nicht in den Sinn, dass es überhaupt nicht nötig ist, nach vermeintlichen „Sündenböcken“ suchen zu müssen, wo man konkret z.B. verantwortliche Politiker, Unternehmer, Chefs und andere Übeltäter benennen kann, die einem die eigenen Lebenschancen in de facto versauen, weil sie ursächlich daran beteiligt sind, dass „man“ selber mit dem vorgegebenen Umstand herumlaufen muss „nicht belohnt zu werden, mit dem was einem zusteht“ (RP, ebd.), weil es andere lange schon vor einem selbst erreicht haben, ohne dass sich aber für einen selbst Möglichkeiten eröffneten, berechtigter Weise „erreichen zu können, wohin man strebt“ (RP, ebd.).
 
Vor diesem Hintergrund weicht Frau Krings daher zielstrebig in die Märchenwelt aus. Und als Beispiel nennt sie sogleich „das gedemütigte Aschenputtel“! Stets geht es aber auch in der Märchenwelt – wie Frau Krings zu berichten weiß – „um späten Ausgleich, um plötzliche Gerechtigkeit“ (PR, ebd.), also um Motive, die auch in der realen Welt eine ziemlich große Rolle spielen – hier aber, wegen der persönlichen und  gesellschaftspolitischen Umstände der „zu Unrecht Benachteiligten (sic!) “ (RP, ebd.), eben nicht zum Tragen kommen können. Soweit, so gut!

Allerdings beendet Frau Krings ihren letzten Gedanken, der sich um die ausgleichende Gerechtigkeit in der Märchenwelt dreht, mit der wirklich „schrägen“ Behauptung, dass die zum Schluss nun endlich erlange „Gerechtigkeit“ [in den Märchen (?)] „mindestens so süß ist wie Rache (sic!)“ (RP, ebd.)!
 
Hier werden von Frau Krings plötzlich und völlig unmotiviert Ressentiments geschürt, die weder im Märchen noch in der Wirklichkeit zu Tage treten, denn die meisten Leser sowohl von Märchen als auch von Tageszeitungen (!) wissen zwischen einer erhofften Genugtuung durch Gerechtigkeit für erlittenes Unrecht wohl zu unterscheiden und einer billigen „Rache“, die lediglich andere ins Elend stürzt, aber an der eigenen – ebenso elenden - Situation nichts ändert. Es ist daher völlig daneben, von (objektiver) Gerechtigkeit zu Reden und dabei das nur subjektive Gefühl von Rache zu unterstellen bzw. den Lesern zu suggerieren, es ginge bei dieser Sache eigentlich nur um niedere Beweggründe. Da hilft es auch nicht mehr, wenn Frau Krings anerkennend von einem Bedürfnis des Genres „Märchen“ redet, in welchem jedem Menschen das „tiefe in der menschlichen Seele verwurzelte … Bedürfnis nach Anerkennung“ (RP, ebd.) zu aktivieren versucht wird bzw. das nach Achtung und Respekt, wenn es denn um eine vermeintlich „höhere Gerechtigkeit“ (RP, ebd.) gehen solle. Warum aber geht es denn nicht einfach nur um „Gerechtigkeit“, die einem nicht gewährt wurde? Und wir kennen viele kleine Beispiele, in denen andere genau um diese Gerechtigkeit geprellt wurden.

Frau Krings braucht jedoch diesen Gegensatz von „höherer Gerechtigkeit“, um ihre weiteren Schlüsse plausibel machen zu können, wonach nämlich, wenn die erhoffte Gerechtigkeit tatsächlich ausbleibt oder unendlich auf sich warten lässt, die jetzt „unzufriedenen“ Menschen im wirklichen Leben „andere Ventile“ (RP, ebd.) suchen, weil sie „neidisch“ (RP, ebd.) geworden sind und daher nun „nach Sündenböcken suchen“ (RP, ebd.).

Obwohl weiter Oben zunächst davon die Rede war, „dass den zu Unrecht Benachteiligten am Ende noch Genugtuung widerfährt“ (RP, ebd.), wechselt Frau Kings jetzt ihre Darstellungsebene nicht nur vom Märchen hin zur Beschreibung der Wirklichkeit, sondern sie wechselt (unausgesprochen) auch die von ihr Unterstellten Gefühle der betroffenen Menschen. Während oben noch von einem Gefühl, „nicht erreichen zu können, wohin man strebt“ (RP, ebd.), die Rede war, bzw. von dem bestechenden Gefühl, „keine Chance auf Genugtuung“ (RP, ebd.) erkennen zu können, so wird denselben Menschen jetzt unterstellt, sie ließen ihren ganzen Frust an anderen aus, „an Minderheiten, an allen, die sich nicht wehren können“ (RP, ebd.).
Warum aber, so muss ich an dieser Stelle fragen, erkennt Frau Krings denn nicht, dass zu denjenigen, die sich nicht erwehren können, nicht auch die von ihr oben Benannten „zu Unrecht Benachteiligten“ (RP, ebd.) gehören?
Warum stehen diese Menschen plötzlich in direktem Gegensatz zu den „Schwächeren“ (RP, ebd.), von denen Frau Krings jetzt als „Minderheit“ (RP, ebd.) spricht und die sie den oben noch als zu Unrecht benachteiligten Menschen gegenüber setzt, weil sie sich nicht erwehren konnten oder können?

Plötzlich wirkt hier in die Situation eine „destruktive Kraft“ hinein, wie Frau Krings diese „Unzufriedenheit“ (RP, ebd.) nun nennt. Leider wirkte diese „destruktive Kraft“ aber auch schon in denjenigen Situationen, in denen es tatsächlich objektiv „benachteiligte Menschen“ gibt, die völlig zu Recht das subjektive Gefühl haben, „zu kurz zu kommen“ RP, ebd.) bzw. zu kurz gekommen zu sein.

Doch lesen wir: „Je mehr auseinanderdriftet, was Menschen verdienen, je ungerechter Anerkennung verteilt wird, desto giftiger wird die Unzufriedenheit“ (RP, ebd.).
Leider verschweigt Frau Krings an dieser Stelle, wessen „Unzufriedenheit“ ansteigt. Diese Auslassung der Benennung eines konkreten Subjekts, ermöglicht es jedoch Frau Krings Ursache und Wirkung (wiederum stillschweigend) an dieser Stelle ihrer Argumentation zu vertauschen. Denn sie benennt an dieser Stelle fälschlich als Ursache nur die „giftige Unzufriedenheit“ derjenigen Menschen, die meinen, sie seien zu kurz gekommen. Sie benennt aber überhaupt nicht den Umstand, dass diese Menschen tatsächlich auch zu kurz gekommen sind und somit de facto ein (objektives) Recht haben, persönlich unzufrieden zu sein! Frau Krings bewegt sich scheinbar nur in einer Märchenwelt, der keine reale Welt gegenüber zu stehen scheint, in der Menschen in der Tat unrecht erleiden müssen.    Und so schlussfolgert Frau Krings denn auch: „Statt die Ursachen in den Blick zu nehmen, ist es einfacher, über Motzkis zu lästern“ (RP, ebd.).  Der Ausdruck „[…] über Motzkis zu lästern“ (RP, ebd.) kennzeichnet an dieser Stelle aber erneut einen „salto mortale“ in der Argumentationsführung. Wurde den zunächst „Benachteiligten“ (RP ebd.) bisher eine „giftige Unzufriedenheit“ (RP, ebd.) unterstellt, die die gesamte Atmosphäre der Gemeinschaftlichkeit zu zerstören drohte, so lästern nun andere Menschen über eben diese „Unzufriedenen“ und beschimpfen sie als „Motzkis“ (RP, ebd.), d.h. also als Störenfriede. Tatsächlich stehen sich jetzt, wenn man das Ganze an dieser Stelle generalisieren will, „Bevölkerungsgruppen einander feindlich gegenüber“ (RP, ebd.).
Es gibt aber keinen ersichtlichen Grund, an dieser Stelle verallgemeinern zu müssen, ebenso wenig wie es weiter oben galt, sich nach vermeintlichen „Sündenböcken“ umzusehen. Die Alternative weiter oben war ja, die wirklich Verantwortlichen zu benennen, die die eigenen Chancen vereitelten. Und an dieser Stelle gilt es jetzt auf die tatsächlichen „Risse in der Gesellschaft“ (RP, ebd.) hinzuweisen, die deutlich werden. Es gilt nicht wieder auf die Ebene der Märchen auszuweichen und zu konstatieren, dass „der Gewinner [dort (!), J.V.] alles bekommt“ (RP, ebd.). Der „Gewinner“ in den Märchen war ja auch der zunächst arglistig von bösen Gestalten getäuschte, der am Ende rehabilitiert wurde, nicht ohne Hilfe von „guten Mächten“. Die Verlierer in den Märchen sind sodann die offensichtlichen Bösewichter, die anderen keine Chance ließen und darum zu Recht jetzt bestraft werden.    
Nicht so bei Frau Krings: Hier stehen dem alleinigen Gewinner in den Märchen „zu viele Verlierer“ (RP, ebd.) in der Wirklichkeit gegenüber, die „sich keine Gesellschaft leisten kann“ (RP, ebd.). Damit verkennt Frau Krings allerdings aber ihre eigenen „Verschiebungen“ in ihrem eigenen Text und damit auch die wirklichen Mechanismen, die eben nicht so stringent verlaufen, wie sie in dieser Kolumne plausibel machen will: Es geht in der Tat auch „um späten Ausgleich“ (RP, ebd.), aber es geht nirgendwo um späte „Rache“ (RP, ebd.), denn nur die Gerechtigkeit ist „süß“. „Bitter“ dagegen ist immer die „Rache“ wie im Übrigen aber auch jegliches Unrecht.

Was in den Märchen scheinbar noch gewusst wird, sollte auch in der Wirklichkeit nicht vergessen werden. Darum ist es auch jederzeit „tödlich“ für einen Märchenerzähler, wenn er an endscheidender Stelle, auch nur etwas an seiner Erzählung verändert. – Es fällt auf! Und aus keinem anderen Grund fällt es auch auf, wenn man anderen unterstellt, sie suchten „Sündenböcke“ aus bloßem Neid, wenn die sich in der Tat völlig chancenlos fühlen, eben weil sie zu kurz gekommen sind. Und alle wissen es. Und besonders auch die Verantwortlich, die vermeintlichen Sozialpolitiker unserer wunderbaren Märchenrepublik, die gutbürgerlichen Abgeordneten (fast aller Parteien). Wen wundert es da, dass „Unzufriedenheit das Miteinander zerstört“ (RP, ebd.)? – Frau Krings nicht und mich auch nicht!
(20.01.15)  

          


Ein Kardinalfehler: Es ist ein entscheidender Fehler, zu meinen, aufgrund der jüngsten Ereignisse in Frankreich, seien Kabarettisten, Komiker und Karikaturisten die neuen Intellektuellen unserer Gesellschaft.
Wer mit dem populistischen Sätzchen: „Satire darf alles!“ daherkommt, der weiß nicht, was Freiheit - und schon gar nicht, was Weisheit - bedeutet.
 
Gerne würden gewisse Teile der bürgerlichen Presse ihre Verantwortung für eine Jahrzehntelange nur selektive Berichterstattung über die entscheidenden Zusammenhänge und notwendigen Veränderungen in unserer (Welt-)Gesellschaft verschweigen und unter den Tisch kehren. Aber die bestehenden Probleme können nur gelöst werden, wenn die Politiker endlich einmal ihrer Verantwortung gerecht werden würden und da Grenzen setzen, wo sie notwendig sind, um der Bevölkerung insgesamt (und nicht nur Wenigen) die größtmöglich frei Entfaltungsmöglichkeit ihrer Lebensprioritäten gewährleisten würde.
 
Unabdingbar dazu ist aber die Kantische Einsicht, dass die eigene Freiheit da selbsteinsichtig und aus eigenem Antrieb, denn das heißt nicht fremdbestimmt (!), begrenzt werden müsse, wo die frei Entfaltung eines anderen beeinträchtigt werde.
 
Mit anderen Worten: Die Pressefreiheit ist zwar ein hohes Gut, aber sie Steht nicht höher oder gar über der freien Religionsausübung oder der Meinung, Atheist sein zu wollen. Da, wo die Belange der Religionsausübung anderer tangiert werden, muss die freie Meinungsäußerung respektvoll geschehen. Das heißt freilich nicht, dass nicht auch Aberglaube und Missstände innerhalb der Religionen - und umgekehrt: aus Sicht der Religionen in der Gesellschaft (!) – aufgedeckt, thematisiert und kritisiert werden dürften. Sicherlich dürfen auch „Witzchen mit Onkel Fritzchen“ W. Busch) gemacht werden, aber die Grenze dessen ist bloße Diffamation, Respektlosigkeit und menschenverachtender Zynismus. Es bedarf hier einer alten Tugend, nämlich die eines „Taktgefühls“ für ethisch angemessene Reaktionen gegenüber dem Anderen.

Wer diesbezüglich etwas näheres  Lesen möchte, der sei auf zwei Bücher verwiesen, die etwas in Vergessenheit geraten sind, weil sie nicht zum modernen Kanon der Bildung gehören:
An erster Stelle sei hier auf das Buch „Vom Gespräch des Heiden mit den drei Weisen“ von Raimundus Llullus aus dem Jahre 1274 verwiesen. Sodann auf das Büchlein von Nikolaus von Kues: „De pace fidei“ aus dem Jahr 1453 und nicht zuletzt auf Gotthold Epharim Lessings Ring-Parabel in Nathan der Weise. Alle drei Bücher stehen in dem sehr aktuellen Zusammenhang, einen Frieden zwischen den Religionen und Kulturen zu ermöglichen, indem von einsichtigen Menschen und Gläubigen eine „Religion der Vernunft“ (Hermann Cohen) etabliert werden solle, in der folgende Grundsatz der einen Verehrung (upanishad) gelten solle: „una religio in rituum varietatae“ – die „eine Religion in der Vielfalt der Riten“ solle gemeinsame Verehrung „aller“ Menschen finden, die ethisch einsichtig sind.
Die These des jüdischen Religionsphilosophen Hermann Cohen, wonach sich jede Religion in Ethik auflösen und vollenden müsse (oder sie sei keine wahre Religion), ist aktueller denn je.      

Vgl. dazu:
Johannes Verbeek: Über den Gottesbegriff und die Stellung der Theologie in der Philosophie Ernst Cassirers, Trier, 1997. Sowie:
Johannes Verbeek: Die Idee der Toleranz bei Cusanus nach Cassirer – oder eine Replik, Trier, 2007 (Wüsten-Rufer-Selbstverlag).
(16.01.15)


Zum Dreikönigstreffen der FDP:
Die FDP braucht keine Socke. Das heißt:
Entweder barfuß durch den Schnee oder ohne FDP!
(06.01.15)


Opportunisten:   Eine der letzten Entscheidungen im Ortsbeirat in Kürenz, an der ich im letzten Jahr teilgenommen habe, ging um die Genehmigung eines Drogeriemarktes auf dem Petrisberg. Die Verwaltungsvorlage zählte etliche Argumente gegen den Markt auf. Mit zwar knapper Mehrheit, aber dennoch eindeutig, lehnte der Ortsbeirat sodann auch das Genehmigungsverfahren eines neuen Drogeriemarktes auf dem Berg ab. Nicht zuletzt spielten die in der Vorlage aufgeführten möglichen Verkehrszuwächse eine entscheidende Rolle sowie die Option der Verwaltung, besagten Markt in Altkürenz auf dem alten Güterbahngelände zu genehmigen, wenn dort das nahegelegene Walzwerk abgewickelt werden wird. Es wurde engagiert und sachgemäß debattiert, so dass die Aussage des Ortsvorstehers, Bernd Michels (CDU), im TV, die Ortsbeiratsentscheidung sei eine „merkwürdige Entscheidung“, nur nachvollziehbar ist, wenn man die CDD-Option für den Markt im Hinterkopf behält.
Nun ist man als Kürenzer Bürger ja einiges sowohl von der Verwaltung als auch von verschiedenen bürgerlichen Parteien gewöhnt:
Zunächst ist hier anzumerken, dass die Verwaltung opportunistisch nach eigenem Gutdünken die möglichen Verkehrszuwächse durch den weiteren Ausbau des Petrisbergs mal klein redet und dann aber auch geradezu wieder leugnet – je nach eigener Interessenlage. Dabei ist es nicht nur wichtig, zu sehen, dass die verantwortliche Baudezernentin, Frau Kaes-Torchiani (CDU), das gleiche CDU-Parteibuch trägt, obwohl Zusammenhänge hier diesbezüglich regelmäßig dementiert werden.  Beachtlich dagegen ist die Haltung der Grünen im Stadtrat. Wurde im letzten Jahr noch geradezu mit neuer Aufbruchstimmung eine Stärkung der Ortsbeiräte scheinbar federführend von den Grünen in Heiligkreuz gefordert, so wusste der leidenschaftslose Politikengagierte spätestens bei der Entscheidung zum „Schulkonzept“ wie es die Grünen mit den politischen Entscheidungen der Ortsbeiräte vor Ort in Wirklichkeit halten. Aber nicht nur in dieser Angelegenheit klüngelten die beiden Parteien, die in diesem Jahr eine „strategische Partnerschaft im Stadtrat“ miteinander anstreben, sondern auch der Entscheidung des Drogeriemarktes auf dem Petrisberg wurde verachtenswürdige  „Hinterzimmerpolitik“ betrieben.  Die Glaubwürdigkeit beider Parteien ist auf dem Nullpunkt angelangt, weil es offensichtlich nicht um die Bedürfnisse der Menschen vor Ort geht, sonst wäre die Entscheidung des Ortsbeirates in Kürenz respektvoll gewürdigt worden, sondern es geht nur um die Bedienung einer marginalen Klientelpolitik für CDU und Grüne. Das ist es, was zur Zeit Grüne mit Konservativen im Trierer Stadtrat einigt.
Dass diese unselige Gemeinschaft nicht gerade zum Wohle der städtischen Entwicklung in Trier beitragen wird, ist daher jetzt schon absehbar. Leider ist daran überhaupt nichts „merkwürdig“, wie B. Michels (CDU) dagegen meint, eben weil es hier wie dort lediglich um politischen Machterhalt und bloße Entscheidungshoheit geht. Dafür lassen die Grünen sogar ihre Grundsätze über die Wupper springen. Von der CDU ist man das ja schon seit längerem gewöhnt. – Zu entschuldigen sind die lediglich die Linken, die dummerweise ebenfalls für den Markt gestimmt haben, vermutlich weil sie vermeintlich als „studentenfreundlich“ daherkommen wollen. Durchdachte Verkehrspolitik sieht konsequenterweise eben anders aus. – Leider wurde und wird sie in Trier nirgendwo umgesetzt! Nach Lawrence Kohlberg (1927-1987) sind nur gerade einmal ein Viertel der politisch zurechnungsfähigen Menschen in der Lage demokratische Werte in ihren Entscheidungen politisch auch umzusetzen. Nur magere 7% sind in der Lage prinzipienorientierte, ethische Entscheidungen in die politische Debatte einzubringen und persönlich umzusetzen (vgl. Standpunkte der Ethik, S. 118). Die Respektlosigkeit gegenüber den Entscheidungen der Ortsbeiräte vor Ort hat bei den Verantwortlichen sowohl im Trierer Stadtrat als auch bei der Verwaltung wieder ein untolerierbares Maß angenommen. Da sollte sich niemand mehr wundern!   
Kurzes Fazit: Politische Mangelware allen Orten auch hier in Trier.
(06.01.15)

     
Man glaubt es kaum: Altkanzer zählt sich zu den "Anständigen"!?
Unter anderen ruft Altkanzer Gerhard Schröder neuerdings zu einem "Aufstand der Anständigen" gegen die fragwürdigen Aktionen der Pegida-Aktiven auf. Seit wann gehörten aber Altkanzer je zu den "Anständigen" dieser Republik? Für Schröder trifft das sicherlich in den letzten zehn Jahren nur sehr eingeschränkt-bedingt zu, zeichnet er doch höchst persönlich für die Handschrift der Agenda 2010 bis heute verantwortlich.
Wer als Politiker derzeit gegen Fremdenhass und für eine veränderte Flüchtlings- und Integrationspolitik auf die Straße geht, der sollte einmal kurz stehen bleiben und darüber nachdenken, wer denn zu den neuen, politischen Schreibtischtätern gehört, die für die heutigen, unseligen Zustände politisch verantwortlich bzw. mitverantwordlich sind?
Diejenigen schreien heute nach (moralischer) "Anständigkeit", die noch nie gewusst haben, was je politisch Korrekt war - geschweige den moralisch ist. - Heuchler allesamt!
(06.01.15) 


Zwei Feuerwehrwachen sind des Rätsels Lösung:
Das neuerliche Gerede im Voklsfreund über den besten Standort einer neuen Hauptfeuerwehrwache in Trier geht entschieden am Thema vorbei: Keiner der drei zur Zeit vorgeschlagenen Standorte ist geeignet. Weder die Brache am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (offensichtlich nicht wegen der römischen Tempelanlagen) noch das Gelände der alten Polizeihauptwache (weil es jetzt schon zu klein wäre und nicht weiter ausbaufähig ist) noch das Gelände der Stadtwerke (weil es noch kleiner ist und äußerst das Ungünstig liegt).
Die Verantwortlichen müssen sich meiner Meinung mit dem Gedanken anfreunden, dass Trier aufgrund seiner Größe und nach Meinung der Verwaltung auch wegen der weiter anwachsenden Einwohnerzahlen als auch aufgrund der neuen Erschließungspläne für Neubau- und Gewerbegebiete im Rahmen seiner "großstädtischen" Infrastruktur nicht nur eine neue Hauptwache und eine Nebenwache am Hafen benötigt, sondern neben der neuen Wache am Hafen sowohl eine neue Hauptwache und zusätzlich noch eine weitere "Nebenwache" benötigt. Nur unter dieser Prämisse lassen sich Standorte finden, die sowohl einem kleinern Platzbedarf genügen als auch der geforderten Einsatzzeit von acht Minuten zu jedem Unfallort in Trier. Was im vorigen Jahr noch ein unbedachter Beamter im Innenministerium als bloßen Witz verstanden wissen wollte, nämlich für zwei neue Wachen in Trier zu Sorgen, wird ernste Realität werden müssen.    
(04.01.15)


Und es tut sich doch etwas in Trier: Als ich vom Tod des Soziologen Ulrich Beck gehört habe, dachte ich, es wäre wieder an der Zeit meine Haare weiter wachsen zu lassen. Schon in den frühen 70'ziger Jahren schimpften mich die Kollegen auf dem Bau - obwohl ich damals nicht einmal halb so lange Haare getragen hatte wie heute - als "auch so einen Bombenleger". Seitdem ich also fast seit dreißig Jahren nicht mehr beim Friseur gewesen bin, wuchs die besagte "Risikogesellschaft" an, was man in Trier besonders gut daran sehen kann, dass der individual Verkehr in der Avelsbacher Straße beständig zugenommen hat, obwohl das OVG in Koblenz schon in seinem Urteil von 2004 davon gesprochen hatte, dass die Anwohner/innen in besagter Straße weiterhin unter "gesundheitsgefährenden" Bedingungen leben müssten. In den letzten Monanten seiner Amtszeit wird der Trierer Oberbürgermeister, Klaus Jensen, wohl wiederholt seine kommunalpolitischen Tätigkeiten resümieren und wie auch schon in seinen letzen Reden im Stadtrat gebetsmühlenartig wiederholen, dass es nicht stimme, wenn behauptet werde, in Trier hätte sich nichts getan! - Ja, das ist falsch: Es wachsen nämlich seit diesem Jahr meine Haare wieder! Sie hatten vor Zeiten ihr Wachstum einfach eingestellt.
Und weil das so ist, werden plötzlich die Menschen in den Höhenstadtteilen statt mit dem Auto unterwegs zu sein, sich grünen - und anderen politischen - Träumen ergeben und brav mit dem Bus fahren. Wohlgemerkt: frisch frisiert mit modischem Kurzhaarschnitt. Sicherheitshalber!
(04.01.15)     


Traurige Zustände haben Konjunktur:
So las ich vorige Tage irgendwo, dass das Oberverwaltungsgericht in Koblenz bezüglich einer Klage eines Anwohners aus Igel oder Zewen (?) geurteilt habe, dass die Deutsche Bahn auch dann auf neu ausgebauten zweigleisigen Bahunstecke zweigleisig fahren dürfe, obwohl für einen angemessen Schallschutz noch nicht gesorgt worden sei. - Helau!
Selten hat wohl ein Richter "gehörigen Arsch in der Hose", um "vernünftig", d.h. nach allgemeinem Menschverstand gemäß, zu urteilen. Wir machen erst den Krach und scheren uns dann um den Schallschutz. Analog urteile das OVG-Koblenz auch schon im Rechtsstreit zwischen der Bürgerinitiative "Lebenswertes Kürenz" im Jahr 2004 als ein promovierter Richter das Anliegen der Bürgerbewegung ablehnte, zuerst solle die Stadt für eine Entlastung vom Verkehr sorgen und danach könne sie den Petrisberg zu genüge überplanen und ausbauen. - Nichts von dem! Was soll man da noch machen, wenn "man" sehenden Auges verarscht wird?
(04.01.15) 

Ein sehr trauriger Zustand:
„Der Durchbruch ist noch nicht in Sicht“, so titelte Marcus Stölb seinen Artikel im TV vom 02.01.13, um sich dann selbst (und vielleicht auch andere) auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen mit den Eingangsworten seines Kommentars: „Machen wir uns nichts vor …“ (TV, ebd.). Wenn aber schon der Autor selbst innehalten muss bei dem, was er so berichtet, dann stellt sich doch wohl die Frage, weshalb die Verantwortlichen im Rat und in der Verwaltung allesamt so munter vor sich hin über ein Jahrzehnt hinweg völligen Blödsinn reden können? Da wünschte „man“ sich doch, dass Herr Stölb in seinem Artikel nicht nur ein sorgenfreies und anonymes „man“ aus der Verwaltung sprechen lässt, sondern dass er einmal Ross und Reiter genannt hätte, damit man als Leser auch weiß, WER, WANN, WELCHEN Unsinn den Medien aus der Verwaltung erzählt. Denn wie sonst sollte man den völligen Ausfall von Urteilskraft bewerten, wenn die Verwaltung zum wiederholten Male eine Expertise in Auftrag gibt, von der Verantwortliche bei den Stadtwerken (SWT) jetzt schon zu bedenken geben, dass zuvörderst (!) „bauliche Maßnahmen zu schaffen seien“ (TV, ebd.), die selbst „wiederum erst genehmigt und finanziert werden müssten“ (TV, ebd.) – also alles Aufgaben der Verwaltung und des Rates!?
Wirklich ernst zu nehmen ist hier schon lange nichts und keiner mehr! Das sieht auch Herr Stölb. Leider sehen es aber nicht nur die Grünen nicht. So habe ich mich belächeln lassen müssen und offenen Spott ertragen als ich mir im Sitzungsjahr 2011 zur unausgesprochen Aufgabe gemacht hatte, in jeder – wirklich in jeder (!) - Ratssitzung, ob gelegen oder ungelegen, in Redebeiträgen auf das Thema der Verkehrsentlastung in Alt-Kürenz sprechen zu kommen (vgl. Rats-Protokolle). Hier wäre die Gelegenheit gewesen ordentlich zu entscheiden. Aber schon damals war niemand bereit Nägel mit Köpfen zu machen. Alle Parteien beließen ihr Handeln im Ungefähren – bis heute. Wie, so frage ich jetzt, wirkt dann die Aussage des anonymen Verwaltungs-MAN, das sich in einem verschachtelten Satz, in dem alle Unterlassungssünden der Verwaltung auf einmal genannt werden, zu der Aussage kalkuliert hat hinreißen lassen, dass bei „einer Vielzahl weiter zu beachtender Entwicklungen“ (TV, ebd.) unter Umständen auch „die mögliche Verknüpfung mit einer Ortsumfahrung Kürenz“ (TV, Ebd.) zu „analysieren“ und neu zu „definieren“ sei?
Marcus Stölb sagt es in seinem Kommentar denn auch ungeschönt: „Die Kürenzer Ortsumgehung wird nicht kommen …“ (TV, ebd.)!
Wer aber hätte zu Beginn des neuen Jahres auf diese weltbewegende Einsicht gewartet? Es werden also die gleichen Spielchen in der Verwaltung mit Steilvorlage in den Rat hinein weitergespielt wie schon seit über fünfzehn Jahren.
Vor diesem Hintergrund einer durchkalkulierten Frustrationstoleranz der Bürger/innen gewinnen die „Pegida-Proteste“ anderswo doch einen durchaus nachvollziehbaren Stellenwert – wenngleich Rechte Tunichtgute als Trittbrettfahrer ebenfalls vor Ort sind, was absolut nicht geht!
Ich jedenfalls würde mittlerweile gerne einmal mit einem kleinen Klapps auf den Hinterkopf so manches politisch Verantwortlichen zur allgemeinen Erhöhung der Vernunft in kommunalpolitischen Entscheidungen beitragen wollen, sofern damit sichergestellt wäre, dass in dieser unseligen Verkünpfung zwischen nichts-sagender Presse („Man sei gerade dabei …“) und nichts-sagender Verwaltung („um  die Rahmenbedingen … zu analysieren … und zu definieren“) endlich einmal etwas mehr Grüzze in das ein oder andere Hirn „teleportiert“ (!) werden könnte. Wahrscheinlich hilft aber auch das nichts! Und somit wird nichts aus einem „ersten kleinen Schritt“ (TV, ebd.) als Beitrag einer „Entlastung der Anwohner in Olewig und Tarforst“ (TV, ebd.). Und „man“ mag sich hier fragen: warum nicht auch von Alt-Kürenz??? DA hilft eben auch kein Busfahren nicht. Da wo alle guten Geister zudem verlassen sind, hilft leider auch kein Klapps auf den Hinterkopf. Das ist "ein sehr trauriger Zustand" von Dummheit, meinte Kant diesbezüglich, weil er nicht einmal denjenigen auffällt, die davon betroffen sind.
(04.01.15) 

      
Auf die Taten kommt es an:
Wenn ich mir die Bilder im TV vom neuen Allround-Intendanten des Trierer Theaters, Karl Sibelius (vgl. TV, Sivester 2014), anschaue, dann weiß ich nicht wer hier der größere (Selbst)darsteller ist? - Vielleicht hat er noch nicht begriffen, dass es auf das Theater als Ganzes ankommt und nicht auf einen selbstgefälligen Eindruck eines Einzelnen, der sich schon jetzt Hintertürchen für sein kompetentes Nichterreichen seiner angestrebten Sanierungstätigkeiten (und den Vorgaben anderer aus dem Rat und der Verwaltung) offen hält. Grinsen reicht da nicht! 
(04.01.15) 


Gebrochenes Verhältnis zur Bedinderung:
Michael Schumacher werden wir öffentlich wohl nicht mehr wiedersehen. Darauf jedenfalls läuft die (von seinem Management) gesteuerte Presseberichterstattung hinaus. "Die Hoffnung bleibt", so titelte der TV am 29.12.14. Leider drückt sich "in der bis heute gebleibenen Ungewissheit über das Schicksal des gebührtigen Rheinlanders" (TV, ebd.) auch unausgesprochen eine zwiespältige Einstellung zur bleibenden Behinderung aus. "Helden" dürfen eben nicht schwächeln, wenn sie sich vermarkten müssen. So las ich irgendwo, dass die ersten Firmen ihre Werbeverträge mit Michaels Schumachers Management gekündigt hätten. So geht es leider.
(04.01.15) 


Machen wir es wie die deutsche Politik:
Seit Anfang des Jahres ist Roland Pofala Cheflobbyist der Deutuschen Bahn. Mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen, bedeutet ab jetzt schon, süß-korruptes Gift einschläfernd zu schlürfen! Mich wundert es überhaupt nicht, dass die Bundesrepublik nicht unter den Top 10 des internationalen Korruptionsindex auftaucht, denn das international geächtete Korruptionsverhalten wurde in der BRD einfach ausgelagert und firmiert nunmehr nur unter einem anderen Begriff: Lobbyismus! - Dass sich aber ausgerechnet die "Deutsche Bahn" mit solchen Typen schmücken will, zeigt viel über deren Ästhetik und Ethik. - Pfüi Teufel!
(04.01.15)   


Unbefridigend:
"Milderes Urteil für Gärtnermeister" titelte der TV in seiner Weihnachtsausgabe 2014. Zwischenmenschlich mag das ja verständlich sein, aber juristisch nachvollziehbar ist es für den Laien nur schwer, wenn gleichzeitg, offiziell festgestellt wird, dass es einerseits weitere "Mitschuldig an dem tödlichen Umunglück gibt" (TV, ebd.). Andererseits aber keine "weiteren Verwaltungsmitarbeiter mit Konzequenzen rechnen müssen" (TV, ebd.) - weder mit juristischen noch mit disziplinarischen Konzequenzen. - Hier versagt entweder das Rechtssystem oder der der urteilende Richter ist auf dem Verwaltungsauge vorsichtshalber blind. Beides ist auf jeden Fall unbefriedigend.
(04.01.15)


Alles gleich macht die Zeit: Wie man hört, können sich die Bundeskanzlerin und der Finanzminister pöltzlich - entgegen ihrer vorherigen Überzeunungen - vorstellen, dass Griechenland, wenn es sich entsprechend demokratisch gegen Euro(pa)beführworter im eigenen Land ausspricht, aus der Euro(pa)gemeinschaft ausschert. Damit hat die deutsche Finanzpolitk ein Nivau erreicht, das dem der bisherigen europäischen Flüchtlings- und Ayslpolitik haarscharf gleicht: ausgrenzen, wo es nur geht und die Grenzen wieder ganz dichtmachen für die, die etwas verändern wollen am status quo. - Ein peinliches und durchsichtiges Zwangsszenario wird hier aufgebaut, statt endlich zukunftsträchtig zu handeln.
(04.01.15)   


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Auf ein Neues! 2015

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Lang ist die Zeit
 
Sonettenkranz
 
  Für Tina, mein Wohni 1986


 "Lang ist die Zeit. Es ereignet sich
  aber das Wahre.“
  (Hölderlin)

     1 Gewandelt gehn nicht zuletzt wir! Aber nicht immer ist Gleiches Und oftmals blicken Herzen irr Von Mund zu Mund. Noch wächst Bleiches   Ringsum auf Feldern des Todes. Ruinen starren in die Zeit. SEIN Leben hatte Herodes, Und jener kennt die Ewigkeit.   Kaum, daß wir uns lieben konnten, Schon sind die Köpfe entzündet. Aber das Alter entmündet   Oft die eitel Glückbesonnten. Ist erfüllt die Zeit von Liebe? - Ein Moment - Ewigkeit bliebe.
  2 Aber nicht immer ist Gleiches passend zum Herzen. Ändere dein Leben! Zum Glück ein Reiches wächst, wo du nicht siehst. Hindere   aber zum WORT die Liebe nicht. Wo treuelos spricht dein Gedicht, da wuchern Grenzen auch gedanklich, unaussprechlich. - Wunderlich   verschwiegest du der Rosen Blühen? Eine Last bleibt. Dein Eigenes, zu behalten gehen die Zeiten hin.   Nirgendwo erhält dich ein Sinn? Deiner Liebe verschlungenes Empfinden läßt Herzen aufsprühn.    
   3 Und oftmals blicken Herzen irr, verzweifelt. Doch lieben wir uns selbst noch mehr als andere. - Doch WER ist der Geringere?   Wer ist der, den wir noch lieben, selbst wenn Nichts ist mehr geblieben? Wer ist sich selbst entäußert, daß sein Verzicht allein ist: WERT?   Der Menschen Elend ist das Leid und keiner will es tragen, es wechselt oftmals jäh das Kleid   doch keiner will es wagen, auszuleben dieses Wort: am Kreuz des Menschen hängt mein Gott!
  4 Von Mund zu Mund noch wächst Bleiches, überall starrt grau der Tod. Jeder Blick ist Abschied. Reiches findet nur Beton und Not.   Noch bleibt es unausgesprochen, was das Herz in Wahrheit fühlt. - Wie denn? Hast du nie gerochen, daß des Lebens Feuer wühlt?   Unaufhaltsam brennt es Schneisen in die Seele, deine Welt. Überall des Wortes Eisen   spitz und scharf und martretiert dein Empfinden, denn es schnellt ins Menschenherz, was fasziniert.
  5 Ringsum auf Feldern des Todes bauen Menschen ihre Welt. Turmhoch und bebensicher. Wer bleibt zurück im Wüstenzelt?   Alles geht: die Zeit, der Partner, aber auch das Geld - nichts bleibt. Im Urwald gibt es keinen Gärtner: selbstüberlassen - einverleibt.   Der Tod selbst fordert Ewigkeit er will das SEIN, nicht Endlichkeit. Ein kurzes Glück muß oftmals reichen   ein Leben lang. Nomaden weichen täglich einer neuen Zeit. Was ändert unsre Nichtigkeit?  
  6 Ruinen starren in die Zeit. Ausgekühlt der Feuerplatz. Du siehst vergilbte Eitelkeit, siehst Klunker, keinen Schatz.   Nacktes bleibt uns stets verborgen, selten schlägt ein Herz ganz frei. Aber durch das Einerlei verdecken wir die Sorgen   Morgen, sagen wir oft, morgen wird die Welt schon anders sein. - Doch sauer ist der Wein,   und die Schläuche sind gerissen. Keiner trägt Schuld. Doch alle wissen: Vertan ist eine Chance! - Was soll’s!?  
  7 Sein Leben hatte Herodes und Chancen auch. - Vergeben WIR, was er tat? Des Todes sei er, oder doch des Leben’?   Wer richtet, wenn wir selbst versagen, wenn WIR das Schilfrohr knicken, das uns noch einte? - Verschlagen wir uns in Einsamkeit und blicken   NIEMALS dieses reine Lächeln, das uns neu ANFANGEN läßt? Atmen wir der Düfte Fächeln,   oder lassen wir anbrennen, was WIR taten, und rennen blind davon: Ach vergeßt, vergeßt!  
  8 Doch jener kennt die Ewigkeit, der niemals lassen konnte. Er kommt nicht los, er MUSS die Zeit hindurch der Gleiche sein. - Konnte   er doch niemals lieben. Denn lieben heißt: lassen. Lieben heißt, zu sagen, es ist gut, daß es DICH gibt. Denn das tut gut,   so wie du bist, bist du die Erde, in der JEDER blühen kann. Du bist die neue Stadt, der neue Humus.   Aus dir wächst, der ‘der ich werde da sein’ heißt. - Er ist ein Mann, ist eine Frau - und kennt kein MUSS.   
  9 Kaum, daß wir uns lieben konnten, aber ward die Zeit entzweit. Du und ich, doch wer verzeiht uns beiden, daß wir nicht konnten? -   So weint die Zeit, daß sie geteilt und fließt wie Tränen, über, tropfenhaft, bis sie verweilt im Ozean, der uns hinüber   führt zu den Momenten, wo trauernd sich der Schmerz erstreckt auf Herzensfundamenten,   bis die Unendlichkeit erschreckt: Ihr ward und werdet wieder sein, durchbrecht den elenden Schein.  
  10 Schon sind die Köpfe entzündet: Gefühle und Meinungen. Kopflastig aber verkündet das Denken Befreiungen.   WER aber hat DEN je gesehen, den, der SICH in Fabriken quält? Wer kann DEN denn verstehen, der Stumpfheit - nicht Aufstand wählt?   Und: sind wissenschaftlich alle Probleme auch gelöst, so sitzt DER Mensch in der Falle,   der Lebensgrundprobleme als beantwortet einflößt - unabhängig der Poeme. 
  11 Aber das Alter entmündet! Wer kann da noch weise sein? Dennoch auf Toten begründet die macht ihr Angstdasein.   „Laß die Toten ihre Toten doch begraben“, sprach ER einst. Und, was sollen alle Voten der EG, wenn du doch weinst,   über Hunger, Drogen, Mord - denn was, was ändert sich durch sie? - Geh den Weg der Heiligkeit,   dort nur findest du den Ort jeder kreuzgebroch’nen Menschlichkeit, DORT siehe, oder du glaubt nie!
  12 Oft die eitel Glückbesonnten kennen reine Freude nicht, weil sie niemals büßen konnten ihrer Farben Herzenslicht. -   „Fröhlicher müßten sie aussehn“, sagte einst ein weiser Narr. Aber es ist freilich wahr: Glück bleibt „speichelflüssig“ stehn,   meistens, in dem Konsumrachen, der nur mehr will und noch mehr, wie ein windgefüllter Drachen   höher aufsteigt: Würde, Ehr’, Frauen, Häuser, Autos - mehr. Spuck aus!, was dich ersäuft, das Meer.  
  13 Ist erfüllt die Zeit von Liebe, oder schleichen sich wie Diebe, die Momente still davon, wie Minister oft in Bonn?   Ist erfüllt die Zeit von Gott, oder gähnt es schallend Spott, diesen Namen auszusprechen, bei den Mächtigen und Frechen?   Was, wenn Gottes Schöpferwort: ‘Ich liebe...’, stets an jedem Ort auf DICH trifft und dich erfüllt?   Könntest du fortan verhüllt durch dein eig’nes Leben gehen - Lazarus, bloß, zu sehen? 
  14 Ein Moment Ewigkeit bliebe unausgesprochen im Tod. Doch immer, wenn ich liebe glüht herbstliches Abendrot.   Und sehnte ich mich nach Treue, wer, Liebste, wär wie du, daß es mich nicht gereue, schenkst du mir ALLES zu?   So reichlich auszuteilen, kann nur, wer sich ganz gibt. Denn alles, alles will hier weilen,   wo ein Liebender, wie Du, VERGIBT. - Wenn von Liebe ist erfüllt die Zeit bleibt jeder Moment Ewigkeit.   
  15 Gewandelt gehen nicht zuletzt wir. Aber nicht immer ist Gleiches. Und oftmals blicken Herzen irr Von Mund zu Mund. Noch wächst Bleiches   Ringsum auf Feldern des Todes. Ruinen starren in die Zeit. SEIN Leben hatte Herodes, Und jener kennt die Ewigkeit.   Kaum, daß wir uns lieben konnten, Schon sind die Köpfe entzündet. Aber das Alter entmündet   Oft die eitel Glückbesonnten. Ist erfüllt die Zeit von Liebe? - Ein Moment - Ewigkeit bliebe! 

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(27.12.14)

Weitere Lyrik findet sich unter "Kommentare 2013" an verschiedenen Stellen.

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Trier, den 22.11.14
Sehr gehrte Damen und Herren im Trierer Stadtrat,

Zur politischen und finanziellen Rettung der Tätigkeiten des Multikulturellen Zentrums Trier e.V. finden Sie im Anhang eine Anmerkung verbunden mit einer Bitte, die (aus gegebenem Anlass) in die laufenden Finanzberatungen des Doppelhaushaltes für die Stadt Trier fraktionsübergreifend eingebracht werden soll.
Ich Bitte zudem die Rathauszeitung, mein Schreiben an die Piratin im Rat weiterzuleiten, da mir ihre E-Mail-Adresse fehlt und sie in der letzten Ausgabe der RAZ für mich nicht auffindbar war (- ein Umstand, der u.U. auch behoben werden sollte).
Vielen Dank!
 
Brief an die Fraktionen einschließlich der Piratin: Anhang
Mfg
Johannes Verbeek
(24.11.14)


Zwei Texte zur gegenwärtigen "Israel-Palästinenser-Problematik" (- bitte schön: nicht zu verwechseln mit der gegenwärtigen Antisemitismusproblematik!):

1. Ein Text, den man im Trierischen Volksfreund vergeblich sucht, der dafür aber in der Ausgabe des Luxemburger Wortes vom 31.11.14 publiziert wurde mit dem Titel: "Exzessive tödliche Gewalt. Uno: Israel für ernste Probleme verantwortlich"

2. Ein Text aus dem Trierischen Volksfreund vom 05.11.14 mit dem Titel:
"Deutsch-Israelische Gesellschaft warnt vor neuem Antisemitismus"

Jeder aufgeklärte Leser mache sich selbst entsprechende Gedanken und moralische Bewertungen zu den inhaltlichen Aussagen der beiden Texte und zu deren politischen Positionierungen.
Die altisraelitischen Propheten haben sich jedenfalls nicht gescheut, harte gesellschaftliche Kritik gegen die damalige politische Oberschicht auszusprechen, wenn es darum ging, die ethischen Verfehlungen, die ihre mächtigen Könige zu verantworten hatten, in Bezug auf Menschrechtsverletzungen gegenüber ihrer damaligen Feinden!
Auch heute ist die berechtigte Warnung gegenüber neuem, alten Antisemitismus durchaus nicht unbegründet! Aber "berichtigte Israelkritik", wie sie im Artikel über den Bericht des UN-Menschrechtsausschuss im "Luxemburger Wort" zum Ausdruck gebracht wird, als nur "angeblich" (D. Botmann) zu diskreditieren zu versuchen oder lediglich von einer "Gazakrise" (M. Indig) zu sprechen, wo der UN-Bericht eindeutig von einem "Krieg" spricht, wobei diese sprachliche Verharmlosung einer "Kriese" auch noch als "unter dem Denkmantel einer kritischen Haltung zu Israel" (ebd.) vornehmlich aus dem "linken Spektrum" (D. Botmann) heraus zu etikettieren versucht wird, zeigt die rechte, konservative Geisteshaltung derjenigen, die den wirtschaftlichen Profit vor die Einhaltung der gegenseitig anzuerkennenden Menschenrechte stellen. - Und dies ist verwerflich, weil es jegliche Kritik an der Politik und den militärischen Aktionen des Staates Israel vermischt mit "anitsemitischen" Tendenzen, indem suggeriert wird, Deutsche dürften keinen Zweifel gegen  "Israels berechtigte Selbstverteidigung" (M. Indig) aussprechen, wenn der UN-Bericht doch von "ernsten Menschenrechtsverletzungen" der israelischen Armee gegenüber den Palästinensern spricht - die hier jedoch verschwiegen werden ! - und weitere Untersuchungen einfordert, um die "israelischen Täter" beim Militär zu überführen.   
Der Kulturverein Kürenz e.V., dessen Vorsitzender ich bin, der sich in Trier um die Erinnerungsarbeit nationalsozialistischer Opfer kümmert, indem er Stolpersteinverlegungen mit dem Künstler Gunter Demnig organisiert und die Opferbiographien zuvor recherchiert und während der Verlegungen auch angemessen würdigt, wurde bisher noch zu keiner Veranstaltung der israelischen Kulturtage eingeladen! Den neuen, alten Antisemitismus wird man nicht gemeinsam bekämpfen können, solange man sich auf dem israelischen Auge nur blind stellt.  
(05.11.14)


Hände weg vom Streikrecht: pdf-Text vom 05.11.12

Resolution zum Streikrecht: pdf-Text vom 05.11.14

Gauck entpuppt sich als heimlicher "Wahlschlapper": Der ehemalige Pfarrer aus der DDR Joachim Gauck, derzeitiger Bundespräsident, sollte einmal sein verständnisloses Maul halten. Wenn er kein "Vertrauen" mehr in demokratische Entscheidungsprozesse hat, wie es seine Äußerungen in Bezug auf die Partei DIE LINKE in Thüringen zum Ausdruck bringen, dann hat er sich selbst für das Amt des obersten Deutschen disqualifiziert. Er sollte sofort (eythys = griech. "sofort", Lieblingswort des Jesus von Nazareth) vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten! Denn mit seiner Frage, "Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten [in Thüringen, J.V.] stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können?" (Zitat: 01.11.14), zeigt Joachim Gauck eindeutig, dass er ideologisch entweder zu den "ewig Gestrigen" oder zu der absoluten Mehrheit der "Wahlschlappen" in der Bundesrepublik gehört, die das Vertrauen in die Politik aller (!) Parteien längst aufgekündigt haben. -
Wie dem auch sei, er sollte seinen widersprüchlichen Geist nicht länger foltern und politische Konsequenzen ziehen. Als Bundespräsident aller Deutschen, der er per Amt sein soll, muss ich feststellen, "mein" Bundespräsident ist er in dritter Folge (!) noch nie gewesen! Kein Wunder, dass er bei dieser "Denke" die Bundesrepublik auch außenpolitisch militarisieren will (siehe seine jüngsten Äußerungen zur Rolle der Bundeswehr). Man sollte ihm einmal den "Radikalenerlass" aus den 70'ziger Jahren in der BRD vorlesen, damit er weiß, wo der Hammer hängt.  (02.11.14)

Verweigerte Humanität: Sollte die kurdische Stadt Kobane fallen, wird Erdogans Kopf rollen! - Ich meine, er wird diese Passivität gegenüber der kurdischen Bevölkerung, die Auge in Auge vor der hochgerüsteten - aber untätigen (!) - türkischen Arme ermordet und abgeschlachtet wird, persönlich begleichen müssen, so dass er politisch nicht wird überleben können. - Und das ist gut so! Die freiheitsliebenden Kurden und alle Türken guten Willes haben besseres verdient. Die Weltgemeinschaft wird verhindern müssen, dass sich an der Grenze zur Türkei ein zweiter Völkermord wiederholen wird, wie er schon einmal durch die völkerrechtswidrige Vertreibung der Armenier innerhalb der türkischen Grenzen passiert ist. Es gibt nämlich keinen 'passiven' oder 'aktiven' Völkermord, sondern nur einen tatsächlichen, für den es freilch AUCH Verantwortliche gibt, die es bei Zeiten (d.h. eythys = sofort!) zu benennen gilt. Verantwortung für diese tragischen Umstände verweigerter Humanität wird also nicht nur der türkische Ministerpräsident Erdogan tragen müssen. Die Zeit ist reif für eine grenzüberschreitende Solidarität mit den Unterdrückten dieser Erde. Durchgeknallte Politiker werden diese Zeiten nicht überleben. Sie sind jetzt schon moralisch deskreditiert. Die politische Abdankung wird - über kurz oder lang - folgen. Der Grund dafür ist der, dass terroristische Gewaltakte nicht auf Dauer gestellt werden können. Deshalb werden auch Politiker, die ihre politische Reputation nur in der gewaltsamen Bekämpfung des "Terrors" sehen, keine Zukunft haben. Sie sind jetzt schon Tote, die ihre Toten begraben.  (08.10.14)

Falsche Gründe können nie richtig sein: Denkt Steinmeier, "wir sind zu groß", ist er viel (!) zu klein (- um sich einmischen zu können). Ein großer Dummkopf ist immer noch der, der wenig bis nichts gelernt hat (z.B. aus der deutsch-deutschen Geschichte). Am Gebrauch der Metaphorik werden wir seine und seinesgleichen (Hinter-)Gedanken erkennen. (20.08.14)

Kurz und knapp: Wer Waffen an die Kurden liefert, der muss auch wollen können, dass auf lange Sicht ein autonomer kurdischer Staat entstehen wird, der ebenso unterstützt werden muss. - Lang lebe Öcalan! (19.08.14)

"Die Waffen nieder! Schluß mit der Kriegstreiberei in der Ukraine und in Gaza" - wie immer und besonders jetzt (!) unterstütze ich auch diesen Aufruf der Künstler und Kulturschaffenden, der heute in Berlin auf einer Demo vorgetragen wurde. [weiter] (09.08.14)

Wer Lust hat, kommt: Es geht um Erkenntnis
Das ist das Ziel, das sich das neu gegründete „Überparteiliche Forum Trier“ für seine Diskussionsveranstaltungen gesetzt hat. Diese finden einmal im Monat an einem Dienstag in der Begegnungsstätte Haus Franziskus in der Christophstr. 12 statt.
Die Initiatoren des Überparteilichen Forums Trier, Klaus-Peter Bungert, Rüdiger Rauls und Johannes Verbeek, wollen damit einen Beitrag leisten zu einem sachlichen Meinungs- und Gedankenaustausch über aktuelle Themen aus Gesellschaft und Politik. Politische Auseinandersetzung findet fast nur noch in der Konfrontation der Meinungen statt im Stile von „Hart aber Fair“. Sachlicher Meinungsaustausch über Parteigrenzen und Ideologiemauern hinweg ist selten geworden. Emotionalisierung steht ganz oben, nicht zuletzt auch in der Berichterstattung durch die Medien.
Das Überparteiliche Forum Trier legt wert auf den Meinungsaustausch als ein Mittel zum Verständnis dessen, was um uns herum vorgeht. Durch das Zusammentragen verschiedener Ansichten entsteht ein vielseitges plastisches Bild von der Welt, das sich ähnlich wie das Mosaik aus vielen kleinen wertvollen Details zusammensetzt.
Herzlich eingeladen sind alle, die an Erkenntnis interessiert sind. Besserwisser, Rechthaber und Selbstdarsteller sind nicht erwünscht. Sie sind der Untergang für jeder sachliche Diskussion.
Das Haus Franziskus wird die Themen und Termine über die Tagespresse bekannt geben. Le erste Veranstaltung findet statt am 22.7.2014 um 19 Uhr zum Thema „Rechtspopulismus – Ursachen und Auswirkungen“.
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Rüdiger Rauls
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(05.07.14)

Keine Demo, kein Protest - Kommentar zum Artikel im TV vom 27.06.14: "Neue Gesichter für ein neues Theater". Die Geister, die man rief, wird man nur schwerlich wieder los. Es sei denn, man entlässt sie massenweise oder einzeln! [weiter] (01.07.14)